Der Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) hat am Montag die neue Warteliste für Operationen veröffentlicht. Sie wurde in den vergangenen Wochen überarbeitet, da die frühere Darstellung verzerrt war, wie versichert wurde. Freiwillige Verschiebungen hätten die durchschnittliche Wartezeiten erhöht. Die Opposition übte am Freitag aber auch an der aktuellen Liste Kritik.

Wie der KAV betonte, werden entsprechend gesetzlicher Vorgaben seit Februar 2016 die Wartezeiten auf gängige Eingriffe in den medizinischen Fachbereichen Augenheilkunde bzw. Optometrie, Orthopädie und Orthopädische Chirurgie sowie Neurochirurgie veröffentlicht. Dort den Mittelwert zu verwenden, hat sich laut KAV als nicht sinnvoll erwiesen. Denn wenn sich ein Patient entschlossen habe, nach einer OP-Anmeldung doch noch einige Monate zuzuwarten, habe sich die in der Liste ausgewiesene Wartezeit erhöht.

Für die Mehrzahl der Patienten sei die Frist aber weit unter diesem Durchschnitt gelegen, wurde versichert. Nun sei die Liste erneuert und um weitere Informationen ergänzt worden. Generell wurde auf das Grundprinzip verwiesen, dass "einzig die medizinisch indizierte Dringlichkeit einer planbaren Operation die Reihung auf einer Warteliste bestimmt". Daher weise die neue grafische Darstellung drei Dringlichkeits-Kategorien aus.

In die erste Kategorie fallen Operationen mit hoher Dringlichkeit, die binnen 30 Tagen ab Anmeldung stattfinden. Die zweite Kategorie weist Wartezeiten bis zwölf Wochen, die dritte Kategorie längere Zeiträume aus. Die durchschnittliche Wartezeit wird nun mit dem Medianwert angegeben, um zu verhindern, wie betont wird, dass einzelne Fälle mit außergewöhnlich langer Wartezeit - wie es sie bei einem späteren Wunschtermin gebe - den Durchschnitt verfälschen.

Wartezeit für Hüftersatz in Wien 10, in Vorarlberg 25 Wochen

Zugleich wurde vorgerechnet, dass auf Basis der veröffentlichten Daten Wien im Bundesländervergleich sehr gut abschneide. Herangezogen wurde hier etwa die durchschnittliche Wartezeit auf Operationen für Hüftersatz, der im KAV zehn Wochen betrage, in den niederösterreichischen Landeskliniken oder der Steiermark hingegen 16 Wochen, in Salzburg 17, in Tirol 20 und in Vorarlberg 25 Wochen.

Kritik setzte es am Freitag aber trotzdem. FPÖ-Gesundheitssprecher Wolfgang Seidl staunte etwa: "Während die durchschnittliche Wartezeit auf eine Bandscheibenoperation in der Rudolfstiftung im August des Vorjahres noch 118 Tage betrug, wären es jetzt nur noch sieben Tage." SPÖ-Gesundheitsstadtrat Peter Hacker möge dieses Phänomen erklären, verlangte er. Eine derart rasche Verbesserung scheine "doch sehr unwahrscheinlich" zu sein. Fakten würden hier schöngeredet, wurde vermutet.

"Spitäler müssen entlastet werden"

ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec konstatierte, dass es weiterhin "massive Probleme" mit OP-Wartezeiten gebe, die einer Weltstadt wie Wien nicht würdig seien. So müssen Patientinnen und Patienten auf gewisse Operationen immer noch im Durchschnitt rund vier bis fünf Monate warten, hielt sie in einer Aussendung fest. Sie forderte eine dringende Entlastung der Spitäler. (apa)