"Wiener Zeitung": Herr Nepp, Sie haben die Abspaltung der abtrünnigen FPÖ-Mandatare sowie den Wechsel von mittlerweile sechs Bezirksräten stets heruntergespielt - glauben Sie tatsächlich, dass das keine Auswirkungen für die FPÖ bei der Wien-Wahl im Herbst haben wird?

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Dominik Nepp: Da gibt es so viele Variablen - wir wissen ja angesichts der laufenden Verfahren gegen Strache nicht einmal, ob ein Comeback überhaupt möglich sein wird. Es ist die Frage, ob seine Wahlkampftribüne nicht der Viktor-Adler-Markt, sondern die Anklagebank im Landesgericht sein wird. Und mein Hauptgegner im Wahlkampf ist das rot-grüne System. Und unsere politische Agenda ist es, dieses System aufzubrechen. Dementsprechend gelassen bin ich bezüglich anderen Mitbewerbern.

Sie glauben also nicht, dass Ihnen Strache gefährlich werden könnte?

Wenn Strache in Umfragen jetzt zwischen 3 und 5 Prozent steht, dann kommen diese Stimmen nicht 1:1 aus der FPÖ - er wird auch einen Prozentpunkt von den Roten kriegen, einen von uns und einen von den Schwarzen. Und dann ist noch immer nicht klar, ob er überhaupt den Einzug in den Landtag schafft.

Aber die FPÖ wird an den Erfolgen von 2015 definitiv nicht anschließen können oder?

Heinz Christian Strache hat es geschafft, das, was er aufgebaut hat, wieder zu zerstören, und wir beginnen laut Umfragen gerade bei 12 bis 15 Prozent mit einer großen Wählerrückholaktion wieder so stark zu werden wie damals.

Und Sie glauben, Sie schaffen das?

Wenn alles gut läuft, gehe ich davon aus, dass wir die 20-Prozent-Hürde überspringen können.

Woher die Zuversicht - um das rot-grüne System zu zerstören, braucht es eigentlich gar keine FPÖ mehr?

Auch wenn das von der SPÖ gerade parteitaktisch als Schreckensgespenst dargestellt wird: Ich glaube nicht, dass sich Schwarz-Grün-Pink ausgehen wird.

Was wird sich Ihrer Meinung nach ausgehen?

Die wahrscheinlichste Variante - und die ist ja bereits ausgemauschelt - ist eine rot-schwarze Koalition mit Michael Ludwig und Wirtschaftskammerpräsidenten Walter Ruck, wo es ja sogar schon im Rahmen der Kammerwahlen bereits gemeinsame Listen gibt. Aber ich gehe trotzdem optimistisch in die Wahl, weil angesichts der türkis-grünen Bundesregierung der schwarze Höhenflug in Wien ausbleiben wird. Da werden wir uns vor allem von der ÖVP Wähler zurückholen.