Wo bleibt der Aufschrei? Wo die Empörung? Allein heuer wurden in Österreich vier Frauen ermordet, drei weitere lebensgefährlich verletzt. "Femizide haben ein unerträgliches Ausmaß angenommen", so Maria Rösslhumer, Geschäftsführerin der Autonomen Frauenhäuser. Am Donnerstag stellte sie vor Journalisten das Projekt "StoP - Stadtteile ohne Partnergewalt" vor und nahm die Politik in die Pflicht, "viel mehr Geld in Gewaltprävention zu stecken".

"Gewalt an Frauen ist ein Männerproblem"

Österreich liegt bei Frauenmorden europaweit auf dem traurigen ersten Platz. 
 
 
 
 
 - © unsplash/Benois
Österreich liegt bei Frauenmorden europaweit auf dem traurigen ersten Platz.





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Dass bei der Pressekonferenz nur eine Frau, aber vier Männer am Podium saßen, war kein Zufall. Bei dem Nachbarschaftsprojekt sollen sich Männer im Kampf gegen häusliche Gewalt stärker einbringen. "Gewalt an Frauen ist ein Männerproblem", sagt Gerd Sandrieser, Organisator der Männertische in Margareten.

Er betreibt im Bezirk seit fast einem Jahr Community-Arbeit, um Männer für das Thema zu sensibilisieren: "Wir haben uns in den Park gesetzt und uns lautstark über den Umgang mit unseren Partnerinnen unterhalten." Von Tür zu Tür sprachen sie mit Menschen, führten eine Umfrage zu Partnergewalt durch, es finden geschlechtergetrennte Stammtische statt.

"Männer haben Angst"

Während diese von sieben bis acht Frauen regelmäßig besucht werden, kamen gerade einmal drei Männer. "Dass es nicht möglich ist, mehr Männer zu finden, ist ein Armutszeugnis", so Sandrieser, und: "Männer haben große Ängste sich dem Thema zu stellen, weil sie sich ertappt fühlen und nicht als Gefährder oder Täter hingestellt werden wollen."

Dass man hier als Mann Berührungsängste hat, weiß Filmemacher Günter Schwaiger, der ebenfalls am Podium saß, aus eigener Erfahrung. Da seine Partnerin in einer früheren Beziehung Gewalterfahrungen gemacht hat, beschloss er, sich dem Thema zu stellen, und drehte zwei Filme über Gewalt an Frauen ("Martas Koffer", "Der Taucher"). Schwaiger, der teilweise in Spanien lebt, hat dort erfahren, wie seit einem neuen Gesetz zu häuslicher Gewalt die Morde an Frauen zurückgehen.


In Österreich steigt die Zahl der Frauenmorde



In Österreich steigen die Morde an; heute liegt Österreich in Relation zur Bevölkerung bei Femiziden auf Platz eins in Europa. In Spanien stünde das Thema im Fokus der öffentlichen Wahrnehmung, so Schwaiger: "Es befassen sich eigene Gerichte und Polizeikräfte mit häuslicher Gewalt, nach einem Femizid demonstrieren Menschen auf der Straße."

Die österreichischen Medien nimmt er in die Pflicht, in der Berichterstattung verantwortungsvoller vorzugehen, denn immer wieder würden Taten durch Phrasen wie "Eifersuchtsdrama" verharmlost, und "wenn man den Täter damit zitiert, er hätte seine Frau nur umgebracht, weil er seine Kinder nicht sehen durfte, produziert man neue Täter."

Das Projekt in Margareten wird von der Stadt Wien, dem Sozialministerium und dem Fonds Gesundes Österreich finanziert. Inzwischen haben auch der 4.,7.,12. und 13. Bezirk sowie Salzburg und Wels Interesse an dem Projekt angemeldet - allerdings fehle für die dortige Durchführung das Geld, kritisiert Rösslhumer. Im Sozialministerium verweist man auf die 15.000-Euro-Förderung für dieses Projekt und auf geförderte Projekte wie die "Fortbildungsakademie zur Prävention der Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt".

"Jede Initiative gegen Gewalt gegen Frauen ist zu begrüßen", heißt es dazu aus dem Büro der Wiener Frauenstadträtin Kathrin Gaal. "Es ist wichtig, dass Frauen in einer Notsituation möglichst schnell Unterstützung bekommen. Wer Hilfe und Schutz vor Gewalt braucht, hat in Wien ein Auffangnetz. Der 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien und der Frauenhaus-Notruf bieten Unterstützung und sind für Betroffene da – rund um die Uhr, unbürokratisch und anonym", so Gaal. Derzeit bieten vier Wiener Frauenhäuser Frauen und Kindern, die von Gewalt betroffen sind, Schutz. Die Stadt Wien baut bis 2022 ein fünftes Frauenhaus.

Der 14.2. ist der Internationale Aktionstag gegen Gewalt an Frauen. Die getanzte Kundgebung "One Billion Rising" findet in Wien ab 17 Uhr im Yppenpark im 16. Bezirk statt.

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