Seit Wochen erhitzt die Debatte darüber, ob die Praterstraße im 2. Bezirk eine Tempo-30-Zone werden soll, die Gemüter. Selbst auf Bezirksebene herrscht Uneinigkeit. Am Donnerstag sollte deshalb die für Verkehrsorganisation und technische Verkehrsangelegenheiten zuständige MA 46 ein Machtwort sprechen. Das Problem dabei: Auch sie konnte sich nicht zu einem klaren Ja oder Nein durchringen.

"Ich habe die Entscheidung vertagt. Mir fehlen noch wichtige Informationen zum Thema Lärmschutz", erklärt MA-46-Chef Markus Raab auf Anfrage der "Wiener Zeitung". Man werde deshalb ein entsprechendes Gutachten einholen lassen.

Konkret soll überprüft werden, welche Auswirkungen eine Reduzierung von Tempo 50 auf Tempo 30 hätte. Stop-and-go-Verkehr, also das Abbremsen vor und das Anfahren bei Ampeln, führe nämlich mitunter bei einer Temporeduktion zu erhöhter Lärmbelastung als kontinuierlicher Fließverkehr, heißt es.

Bevor man allerdings ein Gutachten in Auftrag geben kann, müssen zunächst einmal Verkehrszählungen und Geschwindigkeitsmessungen auf der Praterstraße durchgeführt werden. "Das übernimmt unsere Abteilung", sagt Raab. Vorgesehen ist, diese Daten für einen Zeitraum von mindestens einer Woche zu sammeln.

Sobald dann das Gutachten auf dem Tisch liegt, werde man eine Entscheidung treffen. Zeithorizont: "Noch im April dieses Jahres", sagt Raab. Bis dahin sollten dann auch sämtliche schriftlichen Stellungnahmen vorliegen, die sich "einige Verfahrensinvolvierten" (Raab) vorbehalten hätten. All das berücksichtigend, werde die MA 46 dann ihre Entscheidung treffen, eine weitere Verhandlung wäre nicht notwendig, so Raab.

Alleingang wird kritisiert

Die geplante Tempobeschränkung für die Praterstraße bleibt ein Aufregerthema im Bezirk. ÖVP und FPÖ sprechen sich klar dagegen aus, die SPÖ fordert ein Gesamtkonzept. "Als Einzelmaßnahme schafft Tempo 30 mehr Probleme, als es löst", ist Astrid Rompolt, Bezirksvorsteherin-Stellvertreterin (SPÖ) überzeugt. Im Bezirksparlament fand sich deshalb auch keine Mehrheit für den von Bezirksrätin Uschi Lichtenegger ambitioniert vorgetragenen Plan, weshalb die Grünen-Politikerin das Tempolimit, über die Köpfe der Bezirksvertretung hinweg, gleich direkt beim Magistrat beantragte. Dass am Donnerstag noch keine Entscheidung gefallen ist, nimmt sie gelassen: "Klar ist, dass mein Ziel nach wie vor das gleiche bleibt. Die Praterstraße soll Tempo 30 bekommen. Die Praterstraße ist ein Wohngebiet, hier leben und arbeiten viele Menschen. Tempo 30 würde für diese eine höhere Aufenthaltsqualität, Verkehrssicherheit, Lärmschutz und bessere Luft bringen, lässt Lichtenegger auf Anfrage der "Wiener Zeitung" ausrichten.

Gegenwind kommt aber nicht nur vonseiten der politischen Mitstreiter, auch bei den Wiener Linien spricht man sich "generell gegen Tempo 30" aus, da die Öffis dadurch langsamer gemacht werden würden. "Ein Umstieg von Auto auf U-Bahn, Bim oder Bus gelingt nur, wenn die Öffis schnell sicher und leistbar sind. Schwindet auch nur ein Faktor, ist der Umstieg nicht mehr zu halten", sagt Barbara Pertl, Sprecherin der Wiener Linien. Im Fall der Praterstraße wären die Buslinie 5A und die Nachtautobuslinie N25 betroffen. Durch eine Temporeduktion könne man gewisse Anschlussverbindungen nicht mehr schaffen. "Das ist völlig kontraproduktiv für einen weiteren Umstieg auf den Bus", sagt Pertl.

Die Option, eine eigene Busspur zu installieren, auf der, so wie etwa in den Tempo-30-Zonen im 7. Bezirk, auch weiterhin 50 km/h gefahren werden darf, steht nicht zur Diskussion. Dafür fehlt nämlich schlichtweg der Platz. Nicht zuletzt deshalb, weil im Zuge der Praterstraßen-Umgestaltung darüber spekuliert wird, dass stadtauswärts eine Spur wegfallen soll, um Platz für Grünflächen zu schaffen.

Klientelpolitik der Grünen

Wenig Freude mit Tempo 30 hat man auch bei den Autofahrerklubs. "Die Praterstraße ist eine Hauptdurchzugsstraße von der City in Richtung Donauufer-Autobahn und in die Donaustadt. Also eine für Wien wichtige Verkehrsachse", sagt Fritz Beidler, Präsident des Arbö Wien. Das, was hier passiere, wäre "Klientelpolitik seitens der Grünen". Beim Arbö hofft man deshalb, dass am Ende eine vernünftige Lösung für alle Verkehrsteilnehmer gefunden und umgesetzt werde.