Bereits mehrmals hat Wiens Bürgermeister Michael Ludwig den Bund aufgefordert, die Bundesgärten wieder für die Bevölkerung zu öffnen - also konkret den Burg-, Volks- und den Augarten.

Auch Gesundheitsstadtrat Peter Hacker hat angekündigt, Spiel- und Sportplätze in "eher kürzerer" Zeit und nicht erst "in weiter Ferne" wieder zu öffnen. Man könne bei hunderttausenden Wiener Kindern nicht sämtliche Spielplätze über Wochen geschlossen halten, hieß es. Schließlich gebe es auch Familien, die mit zwei, drei Kindern in kleinen Wohnungen leben und keine Möglichkeit hätten, an die frische Luft zu kommen.

"Es hat sich niemand
bei uns gemeldet"

Laut Bürgermeister Ludwig sei der Zugang zum öffentlichen Raum in einer Großstadt anders zu bewerten als im ländlichen Raum. "Je mehr man in einer Großstadt abschließt, desto mehr werden sich bei schönem Wetter dann in den verbleibenden Freiflächen drängen. Das ist kontraproduktiv", meinte der Bürgermeister. Abgesehen davon würden sich die Wienerinnen und Wiener in den geöffneten städtischen Parks bis auf wenige Ausnahmen sehr diszipliniert verhalten und den geforderten Mindestabstand zueinander einhalten.

Der Institutsleiter für historische Gärten, Gerd Koch, hat von der Forderung der Stadt Wien bisher nur aus den Medien erfahren, wie er gegenüber der "Wiener Zeitung" am Freitag erklärte. "Auch in der Direktion hat sich diesbezüglich bisher niemand gemeldet", so Koch.

Jedenfalls seien die Gärten nicht aus Jux und Tollerei gesperrt worden. "Jetzt ist gerade die Zeit, wo in Gärten die meiste Arbeit zu tun ist, ein Großteil der Mitarbeiter muss aber wegen der Coronakrise verständlicherweise zu Hause bleiben - ich verstehe also die Aufregung nicht. Österreich hat jetzt wirklich andere Sorgen, als sich darüber den Kopf zu zerbrechen, warum die Bundesgärten nicht geöffnet sind", meinte der Institutsleiter.

Abstand könnte nicht eingehalten werden

Die Gärten zu öffnen, würde nach Kochs Meinung auf jeden Fall ein zusätzliches Risiko für die Bevölkerung bedeuten - "der vorgeschriebene Sicherheitsabstand könnte nicht eingehalten werden", ist Koch überzeugt. "Und verstehen Sie mich bitte nicht falsch: Nichts wäre mir lieber als gut besuchte Gärten und normale Arbeitsabläufe mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber wir befinden uns nun einmal in einer Ausnahmesituation, der wir uns alle stellen müssen."

Dass die Stadt Wien alle ihre Parks offen lässt, sieht er aber trotzdem nicht als Widerspruch - schließlich gehe es darum, der Bevölkerung die Möglichkeit zu geben, in ihrer unmittelbaren Nähe frische Luft schnappen zu können. Dafür gebe es in der Bundeshauptstadt genug Grünraum. Auch ohne Bundesgärten.(roe)