Die Stadt Wien schafft temporäre Begegnungszonen, um mehr Raum für Fußgänger und Radfahrer während der Coronavirus-Pandemie zu schaffen. Dies kündigten Bürgermeister Michael Ludwig, Vizebürgermeisterin Birgit Hebein und Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke am Donnerstagvormittag in einer Pressekonferenz im Rathaus an.

Nach Tagen der Diskussion hat sich die rot-grüne Stadtregierung nun  geeinigt. Die ersten vier Begegnungszonen werden bereits am Osterwochenende öffnen, fünf weitere sollen in der nächsten Woche folgen.

Die ersten vier zwischenzeitlichen Begegnungszonen kommen in den Bezirken Landstraße (Rechte Bahngasse), Josefstadt (Florianigasse), Ottakring (Hasnerstraße) und Währing (Schopenhauerstraße), wobei teils nicht die gesamte Straße, sondern nur Abschnitte geöffnet werden. Dadurch sollen vor allem Fußgänger mehr Platz haben, um sich trotz Ausgangsbeschränkungen die Beine auch in jenen Wohngebieten, wo wenig Grünraum verfügbar ist, vertreten zu können, sagte Hebein.

Bewegungszonen für Wien

 

Befristung mit Anfang Mai - vorerst

Weitere fünf temporäre Begegnungszonen sollen dann kommende Woche folgen. Hebein kündigte solche auch für die Bezirke Leopoldstadt, Wieden, Margareten, Neubau und Favoriten an. In allen Bezirken gebe es auch ein Einvernehmen mit den jeweiligen Vorsteherinnen und Vorstehern. Es gebe bereits Anfragen aus weiteren Bezirken, versicherte die Ressortchefin. Die schon fixierten Begegnungszonen sind vorerst einmal mit Anfang Mai befristet. Autos dürfen in diesen übrigens mit bis zu 20 km/h unterwegs sein, auch das Abstellen von Kraftfahrzeugen in den betreffenden Straßenzügen ist weiter erlaubt.

Hebein kündigte außerdem an, dass auf 20 bereits jetzt für den Autoverkehr gesperrten Straße künftig das Gehen ausdrücklich erlaubt ist. Dafür werden entsprechende Zusatzschilder montiert. Möglich macht dies eine kürzlich von Infrastrukturministerin Leonore Gewessler (Grüne) auf den Weg gebrachte Novelle der Straßenverkehrsordnung. Als Beispiele nannte die Verkehrsstadträtin die Habsburgergasse in der Innenstadt, die Nordportalstraße in der Leopoldstadt in Abschnitten oder die Gallizinstraße in Ottakring. "Diese Straßen sind jetzt schon für den Verkehr gesperrt, wir erlauben nur das Gehen darauf. Wir sperren keine einzige weitere Straße", betonte Hebein.

Zuletzt hatte sich Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) eher ablehnend zu temporären Begegnungszonen geäußert. Er meinte heute, er habe Bedenken geäußert, Hebein habe ihm aber versichert, "dass das gut funktionieren wird".

 

TU Wien hält die Maßnahme für sinnvoll

Auch Raumplanungsexperten der Technischen Universität Wien haben sich zuletzt mit der Thematik beschäftigt. Ihr Fazit: In ganz Wien gibt es Gegenden, in denen eine derartige Maßnahme sinnvoll wäre.

Für die Studie haben Aggelos Soteropoulos und Robert Kalasek vom Institut für Raumplanung an der TU Wien die Straßenkarte der Bundeshauptstadt nach zwei Kriterien unter die Lupe genommen. Einerseits ging es darum, jene Straßen herauszufiltern, deren Gehsteige so schmal sind, dass der empfohlene Sicherheitsabstand von mindestens einem Meter nicht eingehalten werden kann. Andererseits wurde geschaut, wo besonders viele Über-65-Jährige wohnen. Sie stellen bekanntlich eine Risikogruppe dar.

Das Resümee der Forscher: "In fast allen Bezirken gibt es kritische Punkte, an denen schmale Gehsteige und ein hoher Anteil der Altersgruppe 65 plus zusammentreffen", hieß es am Donnerstag in einer Aussendung. Eine Öffnung könnte helfen, "den Sicherheitsabstand leichter einzuhalten und letztlich die Risikogruppe zu schützen", meinen die TU-Raumplaner.