Die Stadt Wien stellt die Vergabe von Gemeindewohnungen um. Im bisherigen System gab es für Interessierte zwei Wohnungen, aus denen gewählt werden musste. Künftig werden sich Interessierte online ihre Wunsch-Wohnung selber aussuchen - entsprechend dem persönlichen Geschmack und den Kriterien des Wiener Wohn-Tickets, hieß es in einer Aussendung von Wohnbaustadträtin Kathrin Gaal (SPÖ) am Montag. Eine Garantie, dass man seine Wunschwohnung auch wirklich bekommt, gibt es allerdings nicht.

Fotos und Grundrisse im Internet einsehen

"Mit der ‚Digitalen Wohnungsvergabe‘ sind wir einen weiteren großen Schritt in Richtung Optimierung und Serviceverbesserung gegangen", erklärte Gaal. Ab sofort werden laufend neue Gemeindewohnungen auf die Plattform http://www.wohnberatung-wien.at/ online gestellt. "Das Wiener Wohnbau-Modell gilt zu Recht in ganz Europa als Vorbild. Unsere hohen Standards und unsere führende Position sind aber nur aufrechtzuerhalten, wenn sich das Wiener Modell stets weiterentwickelt", sagte die Stadträtin. "Wer gut bleiben will, muss immer besser werden." Corona-bedingt startet der Launch des neuen Services etwas später als geplant.

Auf dem Online-Portal gibt es zahlreiche Informationen zu den verfügbaren Wohnungen - etwa Lage, Fotos oder Grundrisse. Interessierte können dann die für sie infrage kommenden Objekte auswählen - dies können auch mehr als zwei sein.

Zwar kann die Stadt nicht zu 100 Prozent garantieren, dass man die persönliche Nummer 1 dann auch angeboten bekommt - "das hängt davon ab, ob es Interessenten dafür gibt, die schon länger warten", erklärte ein Sprecher Gaals auf Nachfrage. Aber die Wohnungssuchenden haben nun mehr Mitsprachemöglichkeiten: Im "alten" System gab es gemäß der Kriterien - zum Beispiel Familiengröße - zwei Wohnungen, die den Interessierten zur Auswahl vorgelegt wurden. Falls keine der beiden gefallen hat, wurde man im Vergabesystem drei Jahre lang für Gemeindebauwohnungen gesperrt.

Ablehnung bedeutet nicht mehr Ende der Suche

Neu ist jetzt: Es ist nach Ablehnung der vorgeschlagenen Gemeindebauwohnungen möglich, im geförderten Sektor zum Beispiel nach einer Smart-Wohnung zu suchen. In der Aussendung wurde auch darauf aufmerksam gemacht, dass das neue digitale Angebot nicht verpflichtend ist. Wer es nicht nutzen will, für den gibt es weiterhin zwei Vorschläge von Wiener Wohnen, wurde versichert.

In Wien leben laut Angaben der Stadt mehr als 60 Prozent der Wiener im geförderten Wohnbau. Nachdem die Stadt Wien jahrzehntelang auf den Bau von neuen Gemeindewohnungen verzichtet hatte - der Fokus lag im geförderten Bereich auf Genossenschaftswohnungen -, wurde 2017 vom damaligen Wohnungsstadtrat und heutigen Bürgermeister Michael Ludwig der Wiedereinstieg verkündet. Insgesamt umfasst das städtische Wohnbauprogramm rund 4000 Gemeindewohnungen, die bis Ende 2020 "auf Schiene gebracht sein werden". Insgesamt sind in diesem Zeitraum 14.000 geförderte Wohnungen in Bau oder in Planung.

Bereits im November fertiggestellt wurde der Barbara-Prammer-Hof in Favoriten und an die Bewohner übergeben. Die Wohnhausanlage in der Fontanastraße 3 umfasst drei Baukörper und verfügt über 120 Wohnungen.

Für die Wohnungssuche braucht es ein Wiener-Wohn-Ticket. Es gibt mehrere Voraussetzungen, um dieses zu erhalten. Dazu zählt etwa das Einkommen, das Alter (mindestens 17 Jahre) oder die Dauer des Hauptwohnsitzes in Wien (mindestens zwei Jahre an der gleichen Adresse). Bisher wurden in diesem Jahr bereits 20.757 Wiener-Wohn-Tickets ausgestellt.