Viele Patienten haben wegen längerer Wartenzeiten in den Ordinationen von Kassenärzten in der Vergangenheit den Weg zum Wahlarzt gewählt und sich danach einen Teil der Kosten rückerstatten lassen. Es kann aber dauern, bis man dann sein Geld refundiert bekommt. Bei der Landesstelle Wien der Österreichischen Gesundheitskasse, der früheren Wiener Gebietskrankenkasse vor der Kassenfusion mit Beginn des heurigen Jahres, dauerte es besonders lang.

Wenn ein Patient per Post den Antrag auf Rückerstattung der Wahlarztkosten eingereicht hat, waren es bei der Wiener Landesstelle zwölf Wochen. Das geht aus einer Antwort von Gesundheits- und Sozialminister Rudi Anschober (Grüne) auf eine parlamentarische Anfrage von Neos-Sozialsprecher Gerald Loacker hervor. Die Pinken zeigten sich verwundert über die unterschiedlich langen Wartezeiten bei der Bearbeitung der Anträge bei der Gesundheitskasse je nach Bundesland.

Weiter Anträge per Post

Innerhalb eines Bundeslandes gab es teils beträchtliche Unterschiede, je nachdem, ob der Antrag per Post oder online eingereicht worden ist. Bei der Wiener Landesstelle der Gesundheitskasse war das besonders auffallend. Denn Anträge, die im Online-Weg eingereicht wurden, sind laut Auskunft des Gesundheitsministers innerhalb einer Woche erledigt worden. In Summe wurden im Jahr 2018 bei allen Krankenkassen rund 220 Millionen Euro an Wahlarztkosten rückerstattet, für 2019 lagen noch nicht alle Daten vor.

Anschober verwies bezüglich der Verzögerungen auf eine Anmerkung der Österreichischen Gesundheitskasse, auf deren Daten zurückgegriffen wurden. Demnach hat bereits die frühere Wiener Gebietskrankenkasse die Entwicklung der Wartezeiten bei der Abrechnung von Wahlärzten beobachtet. Anfang 2018 bestanden dort "keine nennenswerten Wartezeiten", teilweise sei die Bearbeitung noch am gleichen Tag erfolgt.

Durch Umstellungen bei der Organisation sei es aber bei der Bearbeitung von Anträgen, die auf dem Postweg eingelangt sind, zu einem Rückstau gekommen, wird nun in der Auskunft an die Neos erläutert. Dieser Rückstau sei aber "zum jetzigen Zeitpunkt bereits wieder abgebaut".

Lage online unter Kontrolle

Im Online-Bereich ist mittlerweile wieder eine nur mehrtägige, teils sogar tagesaktuelle Bearbeitung der Regelfall. Bei der Kasse sah man darin auch einen Beleg dafür, dass eine Online-Bearbeitung "zeitliche Vorteile" für alle Beteiligten bringe, weil das händische Bearbeiten wie das Erfassen der Daten anders als bei Postsendungen wegfalle. Zugleich wird aber betont, dass auch in Zukunft für Patienten, die Anträge nicht online einbringen wollen oder können, eine händische Bearbeitung der Anträge per Post geben werde: "Auch dafür wird Vorsorge getroffen." Davon profitieren vor allem ältere Menschen, die nicht auf einen Computer zurückgreifen wollen oder können.

In der Kärntner Landesstelle der Gesundheitskasse mussten Patienten sieben Wochen auf die Erledigung von Anträgen zur Rückerstattung der Wahlarztkosten warten, im Burgenland dauerte es nach dieser Aufstellung des Gesundheitsministers sechs Wochen, in der Steiermark und in Oberösterreich jeweils fünf Wochen. In Niederösterreich betrug die Bearbeitungsdauer vier Wochen. Die Erledigung von Anträgen, die auf dem Postweg eingereicht wurden, dauerte in Niederösterreich übrigens genauso lang wie bei Online-Anträgen. In Vorarlberg wurden postalische Rückerstattungsanträge innerhalb von drei Wochen erledigt.

Am schnellsten ging es in Salzburg und Tirol mit jeweils zwei bis drei Wochen. Die Bearbeitung von Online-Anträgen dauerte in der Steiermark mit fünf Wochen am längsten. In Tirol wurden hingegen elektronische Anträge zur Refundierung der Wahlarztkosten tagesaktuell bearbeitet.

Projekt zur Beschleunigung

In der Antwort des Gesundheitsministers an Neos-Sozialsprecher Loacker finden sich zum Vergleich auch die Wartezeiten in anderen Versicherungsanstalten. So benötigte die Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter für Beamte und Eisenbahner mit Stand vom März dieses Jahres dafür 24 Tage, also rund dreieinhalb Wochen. Bei der Versicherungsanstalt der Selbstständigen für Gewerbetreibende und Bauern lag die Wartezeit heuer im Februar bei 34 Tagen, also bei fast fünf Wochen.

Zwar gebe es "vereinzelt" Mitteilungen von Krankenversicherten an sein Ressort wegen der Problematik der Dauer der Rückerstattung der Wahlarztkosten. Das Ausmaß lasse jedoch nicht auf ein "strukturelles Defizit" schließen, betont der Gesundheitsminister. Darüber hinaus habe die Österreichische Gesundheitskasse, in der seit heuer die neun Gebietskrankenkassen fusioniert sind, ein Projekt zur Verkürzung der Bearbeitungsdauer, gestartet.