Wien. Mithilfe genau festgelegter "Klimaschutzgebiete" in der ganzen Stadt will Wien bei der Errichtung neuer Gebäude künftig den CO2-Ausstoß verringern. In diesen Zonen werden Öl- und Gasheizungen sowie die Wasseraufbereitung mit fossiler Energie nämlich nicht mehr erlaubt. Als erster Schritt gilt dieses Verbot nun einmal in den Bezirken Leopoldstadt, Landstraße, Neubau und Ottakring.

Klimaschutzstadträtin Birgit Hebein (Grüne) verwies in einer Pressekonferenz am Donnerstag auf das Ziel der Stadtregierung, den CO2-Ausstoß bis 2030 um 50 Prozent und bis 2050 um 85 Prozent im Vergleich zu 2005 zu reduzieren. "Wir führen oft emotionale Diskussionen über den Verkehr. Gebäude kommen in der Debatte zu kurz", so die Ressortchefin mit Verweis darauf, dass immerhin ein Fünftel der Emissionen auf diesen Bereich zurückzuführen sind.

Nun wird also legistisch verankert, dass in den vier genannten Bezirken bei sämtlichen Neubauten im Regelfall Fernwärme, Geothermie oder andere erneuerbare Energien verpflichtend zum Einsatz kommen müssen. "Das ist historisch", freute sich Hebein: "Die Zeiten von Öl und Gas sind vorbei." Schon bald soll die Vorgabe auch für die Bezirke Josefstadt, Alsergrund, Währing und Döbling gelten. Bis Mitte 2021 hat man sich zum Ziel gesetzt, sogenannte Klimaschutzgebiete für alle Bezirke zu definieren.

Bernd Vogl, Abteilungsleiter für Energieplanung bei der Stadt, erklärte, die gesetzliche Regelung - sie wird noch im Juni im Stadtparlament beschlossen - sei aufgrund des EU-Wettbewerbsregeln alles andere als leicht umzusetzen gewesen. Nun gebe es aber das Okay aus Brüssel. Der Vorteil neuer klimaschonender Heiztechnologien sei es auch, die Gebäude im Sommer damit auch kühlen zu können. Und die Energie komme gewissermaßen aus der Nachbarschaft: Das stärke die Resilienz (Krisenfestigkeit) Wiens in Sachen Energieversorgung.

Neben Vogl wies aber auch Robert Lechner, Leiter des Österreichischen Ökologie-Instituts und Mitglied des wissenschaftlichen Beirats im Wiener Klimarat, darauf hin, dass es wichtig wäre, derlei Regelungen auch für den Bestand - er macht ja den Großteil der Gebäude in der Stadt aus - zu implementieren. "Hier ist die Situation zwar schwieriger, komplexer, aber nicht hoffnungslos", meinte er. Grundsätzlich brauche es jedenfalls legistische Vorgaben, um zu nachhaltigen Bauten zu kommen. "Wenn wir das nicht haben, wird sich niemand darum scheren, ob ein Gebäude energieeffizient ist oder nicht", gab Lechner zu bedenken.

Hebein hatte das Vorhaben der "Klimaschutzgebiete" bereits im Juli des Vorjahres angekündigt. Heute betonte sie, dass die Coronakrise gezeigt habe, was rasches Handeln bedeute. Im Hinblick auf die Klimakrise sei ebenso rasches Handeln erforderlich.