Samstag, 6 Uhr, heißt es auch für die Soldaten im Post-Paketzentrum Wien-Inzersdorf "abrüsten". Damit geht der Einsatz des Bundesheers bei der Post AG so wie vertraglich vereinbart zu Ende, weitere sind vorläufig nicht geplant. Und die je nach Auslastung 250 bis 300 Mitarbeiter, teils Beschäftigte der Post, teils von neuen Leiharbeitsfirmen gestellte Arbeitskräfte, übernehmen auch in diesem Paketzentrum wieder die Arbeit.

In jenem in Hagenbrunn war es bereits am vergangenen Samstag so weit: Dort war der Bundesheer-Einsatz, bei dem bis zu 330 Soldaten und Zivilisten, die in drei 90-Mann-Schichten den Betrieb während der Corona-Quarantäne des regulären Personals aufrechterhielten, nach 3613 Mann-Tagen und 29.000 Arbeitsstunden zu Ende. 1,5 Millionen Pakete habe man in Hagenbrunn "geschupft", hieß es in einer Aussendung des Verteidigungsministeriums.

Vollkostenrechnung folgt

Zu Inzersdorf gibt es so eine Aufstellung noch nicht, auch die genaue Abrechnung steht noch aus, Post-Sprecher Markus Leitgeb sagt aber: "Wir gehen von 1 Million Euro für die Einsätze in beiden Verteilerzentren aus." So wie das vorab veranschlagt wurde.

Wie die "Wiener Zeitung" berichtete, werden Vollkosten verrechnet: Die Post AG bezahlt auch den Sach- und Verwaltungsaufwand des Einsatzes und das vom Heer gestellte Personal. Für Grundwehrdiener wird ein Stundensatz von 10,20 Euro verrechnet, 23,60 für einen Soldaten im Ausbildungsdienst, 21 Euro für Chargen, die Arbeitsstunde eines Unteroffiziers kostete 34 Euro.

Wie in Hagenbrunn werden alle, die nach dem Auszug der Bundesheerler am Standort tätig sein werden, auch in Inzersdorf einen Bescheid über einen negativen Corona-Test vorweisen müssen. Das dürfte nicht so schwierig sein: Die Gesundheitsbehörde der Stadt wird die 600 neuerlichen Testungen im Zuge des Post-Clusters rund um Inzersdorf voraussichtlich am Sonntag abschließen, die Auswertung der 900 Abstriche nach einem positiven Fall im Briefverteilzentrum dauern noch bis Ende kommender Woche.

Solche Cluster-Testungen übernehmen die Behörden der Bundesländer, bei Hagenbrunn war es Niederösterreich. Die Kosten dafür werden dem Bund vereinbarungsgemäß weiterverrechnet - also jedenfalls von der öffentlichen Hand getragen. Weder die Post noch die Beschäftigten noch die vergangenen Leiharbeitsfirmen müssen dafür in die Tasche greifen.

Start neuer Personalpolitik

Es sind übrigens nicht unbedingt "dieselben", die ins Paketzentrum Inzersdorf zurückkehren. Von Seiten der Post heißt es: "An beiden Logistikstandorten haben wir massiv Eigenpersonal aufgestockt. Personalfirmen werden weiterhin bei absoluten Spitzenzeiten zur Verstärkung eingesetzt."

Die Post war ja wegen der Praxis auf günstiges geliehenes Personal zurückzugreifen, in Kritik geraten. Nun aber setzt man auf Unternehmen mit besserem Ruf: Für Hagenbrunn stellt "TTI Personaldienstleistung" bereits rund 30 Arbeiter, auch für Inzersdorf sei man Partner. "Wir achten sehr strikt auf unsere Fürsorgepflicht als Arbeitgeber, stellen den Leuten auch FFP2-Masken und Einmalhandschuhe zur Verfügung", sagt Geschäftsführer Markus Archan. TTI ist mit 3000 Beschäftigten österreichweit der drittgrößte Arbeitskräfteüberlasser - und Archan stolz darauf, "dass wir Jobs mit Kurzarbeit erhalten und nicht ans AMS ausgelagern". Auch Thomas Grammelhofer, bei der Gewerkschaft ProGe für Leiharbeiter zuständig, spricht von TTI als "einer Firma, wo es einen Betriebsrat gibt und die korrekt entlohnt" - also einer von den Guten.