Die am Sonntag bekanntgewordenen Pläne von Rathaus und Bezirk, die Wiener Innenstadt mit Ausnahmen u.a. für Anrainer, Lieferanten und Einsatzfahrzeuge weitgehend autofrei zu machen, hat der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) am Montag ausdrücklich begrüßt. VCÖ-Experte Michael Schwendinger forderte bei der Gelegenheit allerdings, den Verkehr auch gleich auf der Ringstraße deutlich zu reduzieren.

Der Ring, der die City begrenzt, dürfte nach derzeitigem Stand von den Einfahrtsbeschränkungen in den 1. Bezirk nicht betroffen sein. Das bedauert der Verkehrsclub. "Wien hat mit dem Ring eine Prachtstraße, um die wir weltweit bewundert werden. In vielen Städten würden hier nicht auf drei Spuren Autos fahren, sondern der meiste Platz den Fußgängerinnen und Fußgängern eingeräumt werden", meinte Schwendinger. Insofern müsse die Ringstraße in das neue City-Verkehrskonzept zur Reduktion des Autoverkehrs einbezogen werden.

Schönheit der Stadt kommt besser zur Geltung"

Grundsätzlich zeigte sich der VCÖ jedoch erfreut über die Pläne, die mit allen Details noch diese Woche in einem Gespräch zwischen Verkehrsstadträtin Birgit Hebein (Grüne) und Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) fixiert werden sollen. Es sei höchste Zeit, dass der Autoverkehr in der Wiener Innenstadt deutlich reduziert werde, so Schwendinger. Damit komme die Schönheit des historischen Zentrums Wiens besser zur Geltung: "Weniger Abgase, weniger Lärm, weniger verstopfte Straßen machen das Flanieren durch die Stadt sowohl für Touristinnen und Touristen als auch für die Bevölkerung Wiens wesentlich angenehmer."

Wirtschaftliche Vorteile

Beim VCÖ verweist man zudem auf wirtschaftliche Vorteile, wie sie schon bei der Umwandlung von Graben und Kärntner Straße in Fußgängerzonen zu sehen gewesen seien. Und auch eine Studie der Wiener Wirtschaftskammer vom vergangenen Herbst habe auf positive Effekte für den Handel infolge von Verkehrsberuhigungsmaßnahmen - Stichwort Mariahilfer Straße - hingewiesen.

Laut Verkehrsclub reiht sich Wien nun in eine "lange Liste" an internationalen Städten ein, die ihre Zentren verkehrsberuhigt haben. Demnach hat Oslo beispielsweise seine Innenstadt weitgehend autofrei gemacht, in Ljubljana sind große Teile der City zu einer Fußgängerzone umgestaltet worden. In Brüssel wiederum wurde infolge der Coronakrise mit Anfang Mai das gesamte Zentrum zur Begegnungszone erklärt. Auch Paris, Rom, Mailand, London oder Lissabon hätten infolge der SARS-CoV-2-Pandemie viel Platz für Radfahrer und Fußgänger geschaffen, "wo früher Kfz-Fahrbahnen waren", betonte der VCÖ. (apa)