Wien. Viele europäische Großstädte stellen Überlegungen an, wie sie den Verkehrsstaus den Garaus machen könnten. Lösungsansätze reichen von neuen Fußgängerzonen über mehr Radwege sowie weniger oder gar keine Autostellplätze bis zur City-Maut, oder ein Mix aus allem. Viele sind noch in Diskussion oder im Erprobungsstadium. Es folgen einige Beispiele:

Berlin hat noch kein fertiges Konzept für eine autofreie Innenstadt in der Schublade. Zunächst wird ein Teil der Friedrichstraße im Stadtteil Mitte ab diesem Sommer für rund fünf Monate für Autos gesperrt. Auch ein verkehrsberuhigter Bereich am Checkpoint Charlie wird eingerichtet. Das Projekt könnte Ausgangspunkt sein für weitergehende Lösungen und ein Schritt in Richtung autofreie Stadt und sauberere Luft, heißt es auf dem offiziellen Hauptstadtportal.

München tüftelt an einem Masterplan. Ziel sei, in der Altstadt den Autoverkehr zu reduzieren, um mehr Platz für Fußgänger, Radfahrer und Öffis zu schaffen. Verkündete Maßnahmen sind neue Fußgängerzonen und der Ausbau von Radabstellanlagen sowie neue Parkregeln mit gestiegenen Gebühren werktags in der "Blauen Zone" gegen Dauerparken. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung prüft zudem die Machbarkeit eines Altstadt-Radlrings.

London führte im Jahr 2003 eine Innenstadt-Maut, die congestion charge (Staugebühr), ein. Kraftfahrer müssen sie im Zentrum entrichten. Einen weiteren Schritt in Richtung autofreies Zentrum macht die Metropole derzeit im Zuge der Lockerungen des Coronavirus-Lockdowns: Bürgermeister Sadiq Khan verkündete Mitte Mai Pläne, weite Gebiete im Zentrum für Autos zu sperren, damit gehen und Rad fahren sicherer wird. Betroffen seien etwa wichtige Straßen zwischen London Bridge und Shoreditch, Euston und Waterloo sowie Old Street und Holborn. Die Maßnahme soll nicht zuletzt den öffentlichen Verkehr entlasten, um die Einhaltung der Corona-Abstandsregeln zu ermöglichen.

Oslo wollte Autos bis zum Jahr 2019 Autos generell aus der Innenstadt verbannt haben. Umgesetzt wurde eine abgemilderte Variante, die aber, im Verbund mit anderen umweltfreundlichen Maßnahmen, die EU-Kommission dennoch dazu veranlasste, die norwegische Hauptstadt zur "Grünen Hauptstadt Europas 2019" zu ernennen. Im Rahmen der Initiative Bilfritt byliv (Autofreies Stadtleben) wurden jedenfalls großzügig Parkplätze entfernt und der Verkehr eingeschränkt, um Platz für Fahrräder, Bänke und Grünflächen zu schaffen. Autos dürfen aber weiterhin fahren.

Barcelona führte vor einigen Jahren gegen die schlechte Luft "Superilles", zu deutsch Superblocks, ein. Bei diesem Verkehrskonzept werden bis zu neun Häuserblocks zusammengefasst, innerhalb derer haben Fußgänger und Fahrradfahrer Vorrang. Bei zweispurigen Straßen wird den Autos eine Spur weggenommen, für Spielplätze oder Parkbänke etwa. Autoverkehr ist auf den verbleibenden Einbahnstraßen mit zehn bis 20 km/h erlaubt. Die Superblocks sind Herzstück eines 2016 von der Stadtverwaltung entwickelten Konzepts für nachhaltige Mobilität, der erste entstand 2017 im Stadtviertel Poble Nou. Insgesamt sollen 503 Superblocks eingerichtet werden, so der Plan, 60 Prozent der bisher von Autos genutzten Straßen würden dadurch für andere Nutzungen frei.