Verkehrsplaner Ulrich Leth von der Technischen Universität Wien ist mit der Beurteilung der Pläne für eine autofreie Wiener Innenstadt noch vorsichtig. "Das hört sich gut an, aber es kommt auf die Umsetzung an, ob das auch als autofrei wahrgenommen wird", gab der Experte am Montag zu bedenken. Als Schlüssel zur Verkehrsberuhigung sieht er die Parkplatzreduktion.

"Die Stellschraube ist der Parkraum", erklärte Leth. Denn dieser sei "Quelle und Ziel" des Autoverkehrs. Würden Dauerparkplätze im 1. Bezirk reduziert, würde auch der motorisierte Verkehr zurückgehen. "Ziel müsste es also sein, das Parken - auch von Anrainern - so weit wie möglich zurückzudrängen bzw. in Garagen zu verlagern", meinte der Verkehrsplaner: "Denn wenn der öffentliche Raum danach immer noch so ausschaut wie jetzt, hat man von autofrei nicht viel."

Parkplätze beanspruchten nämlich sehr viel Platz, der - wenn sie beibehalten werden - nicht anders genutzt werden könne, betonte Leth, der auch in der Bürgerinitiative "Platz für Wien" engagiert ist. Diese will dafür sorgen, dass das Thema Verkehrsberuhigung im Wien-Wahlkampf im Herbst eine starke Rolle spielt.

Warnung vor zu vielen Ausnahmen

Details zum neuen City-Verkehrskonzept sind noch nicht bekannt. Durchgedrungen ist allerdings schon, dass u.a. Anrainer, Lieferanten, Einsatzfahrzeuge und Öffis vom angedachten Einfahrtsverbot nicht betroffen sein sollen. Leth warnt in dem Zusammenhang vor zu vielen Ausnahmen: "Je mehr Ausnahmen es gibt, umso weniger wird man mitbekommen, dass der 1. Bezirk autofrei ist."

Parkgaragen als Dilemma

Offen ist auch noch die Frage, ob die Zufahrt zu den Parkgaragen für Außenstehende erlaubt bleibt. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das unterbunden wird. Sonst würden die Garagen ja unnötig werden", so der TU-Experte. Gleichzeitig produzierten Zufahrten zu den Abstellhäusern natürlich erst wieder Verkehr: "Diesen Spagat muss man lösen."

Dass der Ring vom Ziel der autofreien Innenstadt vorerst ausgeklammert werden dürfte, stört Leth nicht: "Ich sehe das unabhängig davon." Wobei man in nächster Zeit schon auch einmal darüber diskutieren sollte, "ob es noch zeitgemäß ist, um einen historischen Stadtkern eine drei- bis fünfspurige hochrangige Straße zu führen". (apa)