In Wiens Pflichtschulen herrscht dicke Luft. Die Schulleiter saßen seit Tagen wie auf Nadeln. Grund dafür war, dass die Zuteilung der Lehrerkontingente für die einzelnen Schulen und damit die Zahl der Lehrkräfte im kommenden Schuljahr 2020/21 bis Donnerstagvormittag offen war. Gleichzeitig gab es keine Zustimmung des Zentralausschusses, der obersten Lehrervertretung auf Wiener Ebene, die Einsparungen nicht hinnehmen will.

In der Bildungsdirektion war dazu vorerst niemand erreichbar. Nach dem Erscheinen des Online-Berichts in der "Wiener Zeitung" über diese Vorgänge wurden die Mitteilungen dann am frühen Nachmittag verschickt, in einem Begleitschreiben wurde den Schulleitern für die Geduld gedankt.

Üblicherweise erfolgt die Zuteilung der Lehrerkontingente für Pflichtschulen, die sich nach der Anzahl der Schüler an einem Standort richtet, bereits im Mai. Damit sollen die einzelnen Schulleitungen ausreichend Zeit haben, die Pädagogen für das neue Schuljahr einzuteilen und die entsprechenden Vorkehrungen zu treffen. Dies ist etwa notwendig, wenn für bestimmte Gegenstände neue Lehrer gebraucht werden.

 

Einsparungen sind vorgegeben

Mit den Folgen der Corona-Krise mit Heimunterricht seit Mitte März bis 18. Mai im Pflichtschulbereich, für den die Wiener Bildungsdirektion zuständig ist, lässt sich ein Teil der Verzögerung erklären. So mussten kurzfristig Laptops für einen Teil der Schüler organisiert werden, damit Schüler aus Elternhäusern mit geringem Einkommen am Heimunterricht teilnehmen konnten.

Jetzt wurden aber die Schulleiter von der Wiener Bildungsdirektion im Juni regelrecht auf die Folter gespannt. Die Unzufriedenheit stieg intern, wie zu erfahren war. Hintergrund ist auch, dass mögliche Einsparungen im Wege der Kontingente befürchtet wurden. In manchen Schulen sah man sich darin prompt nach Einlagen der Mitteilung bestätigt. Für die Umsetzung der Kontingentvorgaben bleiben nun jedenfalls nur noch zwei Wochen bis zum Schulende.

Bildungsdirektion dankt für Geduld

Die Wiener Bildungsdirektion ist sich offenkundig bewusst, dass sie mit der Information über die Lehrerkontingente heuer viel zu spät dran ist. Daher heißt es in dem Schreiben an die Schulleiter, das der "Wiener Zeitung" vorliegt: "Zuerst einmal danke für Ihre Geduld".

In der Folge wird eingeräumt, dass es bei den Kontingenten für Lehrer tatsächlich zu Kürzungen kommt. Demnach müssten die Basiskontingente in der Volksschule um 1,3 Stunden und in den Mittelschulen um 1,1 Stunden pro Klasse gesenkt werden. Das bedeutet also weniger Pädagogen.

Die Schuld dafür wird dem Bund und dem zuständigen Bildungsminister Heinz Faßmann gegeben. Denn die Deckelung der Mittel für Deutschförderklassen von Bundesseite, die von der rot-grün regierten Stadt Wien stets kritsiert wurde, bedeute "eine massive Benachteiligung Wiens", weil es in Wien die größte Anzahl an Deutschförderklassen gebe, wird in dem Begleitbrief der Bildungsdirektion betont. Die dafür benötigten Lehrer würden vom Bund "nur unzureichend" zur Verfügung gestellt, "daher muss Wien  diese Mittel aus dem bestehenden Stellenplan heraus erbringen". Im Klartext: für den regulären Unterricht stehen weniger Lehrer zur Verfügung, damit die Schüler in den Deutschförderklassen unterrichtet werden können.

Keine Überschreitung der reduzierten Kontingente

Die Verspätung der Bildungsdirektion hat neben den Kürzungen noch eine negative Folge für die Schulleitungen. "Durch den stark geänderten Zeitplan", wie im Schreiben formuliert wird, könne Anforderungen für Lehrer nur einmalig zwischen 23.,Juni, das ist bereits der kommende Dienstag, und 29. Juni  übermittelt werden. Korrekturen könnten dann noch von 31. August bis 4. September vor dem Start des neuen Schuljahres vorgenommen werden.

Spielraum bleibt den Schulleitern aber keiner: "Überschreitungen des Kontingents sind grundsätzlich nicht möglich." Die Schuldirektoren seien für die Einhaltung der - reduzierten - Lehrerkontingente - verantwortlich.