Gute Zeiten für die Wiener Stadtwerke. Sie konnten im Vorjahr einen beachtlichen Überschuss von 299 Millionen Euro erwirtschaften. Das entspricht einem Plus von 44 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2020 werde man "natürlich" die wirtschaftlichen Auswirkungen bedingt durch die Corona-Krise spüren, hieß es am Dienstag anlässlich der Bilanzpräsentation des Vorjahrs. Allerdings sei der Konzern gut aufgestellt, um diese Hürde zu meisten, versicherte der Generaldirektor der Wiener Stadtwerke, Martin Krajcsir.

Das Büro der Stadtwerke in der Landstraße. Das Unternehmen ist für die Zukunft zuversichtlich. - © apa/Roland Schlager
Das Büro der Stadtwerke in der Landstraße. Das Unternehmen ist für die Zukunft zuversichtlich. - © apa/Roland Schlager

"Corona wird uns", so Krajcsir selbstbewusst, "in unseren Entwicklungschancen und in den Projekten, die wir vorhaben, nicht nennenswert beeinträchtigen". Bislang musste kein einziger Mitarbeiter entlassen werden. Die Wiener Stadtwerke, eine 100-Prozent-Tochter der Stadt Wien, ist nicht nur ein kommunaler Infrastrukturdienstleister, zu dessen wichtigsten Geschäftsfeldern "Energie" und "Mobilität" zählen. Die Stadtwerke bieten darüber hinaus über 15.000 Menschen einen Arbeitsplatz. Zum Konzern gehören die Wien Energie, die Wiener Netze, die Bestattung und Friedhöfe Wien, die Wiener Linien, die Wiener Lokalbahnen, der Informationstechnologie-Anbieter Wien IT und auch der Garagenbetreiber Wipark. Im Jahr 2019 wurde ein Umsatz von mehr als drei Milliarden Euro erwirtschaftet. Das entspricht einem Plus von zehn Prozent im Vergleich zu 2018 (2,75 Milliarden Euro). Die größten Umsatzbringer sind Wien Energie, die Wiener Linien und die Wiener Netze. Das operative Ergebnis (Ebit) beläuft sich auf 348,6 Millionen Euro, ein Plus von 15 Prozent (2018: 302,8 Millionen Euro). Die deutlichen Zuwächse kämen vor allem aus dem Energiebereich, hieß es am Dienstag. Als Bilanzsumme wurden im Jahresabschluss 2019 rund 11,4 Milliarden Euro ausgewiesen. Die aktuelle Eigenkapitalquote beträgt 31,2 Prozent (3,5 Milliarden Euro).

Milliarden in Photovoltaik
und U-Bahnbau

Im Rahmen der Pressekonferenz gab es auch einen Ausblick auf die künftigen Vorhaben des Konzerns. So sind beispielsweise im Zeitraum von 2020 bis 2024 knapp 4,7 Milliarden Euro Gesamtinvestitionen im Bereich Energie geplant. Damit sollen etwa Photovoltaik-Flächen im Ausmaß von 600 Fußballfeldern geschaffen werden. Ein weiterer Fokus liegt auf der sogenannten Sektorenkoppelung. Dabei handelt es sich um eine "Zusammenarbeit" der verschiedensten Energieträger, um Synergien zu nutzen und eine stabile Versorgung zu gewährleisten. Im Bereich Mobilität sollen zwischen 2020 und 2024 rund 2,2 Milliarden Euro investiert werden: allem voran in den U-Bahn Ausbau/Neubau der Linien U2 und U5. Viel Geld wird auch in die Neuanschaffung von modernen Fahrzeugen fließen. Die Situation sei derzeit aber alles anderes als einfach, hieß es am Dienstag. Aktuell beklagen die Wiener Linien aufgrund der Corona-Krise nämlich einen ziemlichen Fahrgäste-Schwund.

Während des Lockdowns waren um 80 Prozent weniger Öffi-Nutzer unterwegs. Derzeit liege das Minus zwischen 30 und 40 Prozent. Allerdings mit positiver Entwicklungstendenz, wie Krajcsir ausführte. Wie sich die Situation bis Jahresende auf die Fahrgastzahlen auswirken wird, könne er derzeit allerdings nicht prognostizieren: "Da gibt es noch viele Unsicherheiten."

Smart Meter ins
Hintertreffen geraten

Ein weiteres Projekt der Wiener Stadtwerke ist die Installation der digitalen Stromzähler, also der sogenannten Smart Meter. Ursprünglich hätten alle Wiener Haushalte bis 2022 damit ausgestattet werden sollen, Corona-bedingt werde es nun allerdings Verzögerungen geben, heißt es. Während des Lockdowns seien nämlich keine Besuche in Wohnungen möglich gewesen. Diese seien allerdings in der Regel für eine Installation unumgänglich, da sich mehr als 40 Prozent der Stromzähler in Wien eben in den Wohnungen selbst und nicht auf dem Gang oder außerhalb des Gebäudes befänden. Bei den Stadtwerken will man die entstandenen Verzögerungen aber nicht allzu hoch bewerten, schließlich handle es sich hierbei doch um ein mehrjähriges Projekt.