In Wien haben "Pop-up-Radewege", die zuletzt vom von den Grünen geführten Verkehrsressort etabliert wurden, Debatten ausgelöst. Am Mittwoch waren sie auch Thema in der Gemeinderatssitzung, wobei Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) die Zukunft der Verkehrsmaßnahme vorerst offen ließ. Er schloss jedoch dezidiert aus, eine Fahrspur am Ring für Radler zu reservieren.

In der Gemeinderatssitzung am Mittwoch war der Verkehr ein Schwerpunktthema. Nicht nur in der von der FPÖ vorgegeben "Aktuellen Stunde" mit dem Titel "Autofreie City, Pop-up-Radwege und andere Verkehrs-, Anrainer- und Wirtschaftsschikanen. Wann schiebt Bürgermeister Ludwig den grünen Ideologieprojekten endlich einen Riegel vor?" wurde dazu debattiert.

Auch schon eingangs in der Fragestunde wollten die Blauen von Ludwig wissen, wie er zu den vom grünen Koalitionspartner eingeführten "Pop-up-Radwegen" steht und warum er keine Weisung für deren Ende erteilt. Bei den "Pop-up-Radwegen" werden Fahrspuren für den Autoverkehr temporär gesperrt, sodass dort Radfahrer unterwegs sein können.

Begleitende Evaluierung gewünscht

Der Stadtchef wollte sich heute dazu jedenfalls weder positiv noch negativ äußern, wiewohl er eine "persönliche Meinung" dazu habe, wie er mehrmals betonte. Vielmehr stellte er fest: "Man wird sehen, wie das angenommen wird." Er wünsche sich eine begleitende Evaluierung der temporären Radstreifen sowie der ebenfalls von der grünen Verkehrsstadträtin Birgit Hebein coronabedingt geschaffenen Begegnungszonen. Dabei soll eruiert werden, wie es mit der Frequenz aussieht, welche Auswirkungen die Maßnahmen auf andere Mobilitätsformen hat und wie sie von der Bevölkerung angenommen werden.

Nach einem Probezeitraum über den Sommer wolle er über die Zukunft dieser Projekte entscheiden. "Ich denke, es macht Sinn, diesen Beobachtungszeitraum abzuwarten und dann eine endgültige Entscheidung zu treffen, die ich mir als Wiener Bürgermeister auch vorbehalte." Die Entscheidung solle faktenbasiert und wissensbasiert gefällt werden, betonte er - ebenfalls mehrmals.

 

"Ring ist wichtige Verkehrsader"

Aber eines stellte Ludwig bereits auf eine entsprechende Frage heute dezidiert klar: Eine Verwendung eines Fahrstreifens als Radspur auf der Ringstraße wird es - abgesehen vom bestehenden Radweg - nicht geben. "Eine Einschränkung der Nutzung der Wiener Ringstraße kommt für mich deshalb nicht in Frage, weil es eine der wichtigsten Verkehrsadern ist, die nicht nur für den ersten Bezirk, sondern weit darüber hinaus für die ganze Stadt von Relevanz ist."

Der Bürgermeister umriss in der Fragestunde einmal mehr seinen Zugang zum Thema Verkehr. Es müsse "ein sinnvolles Miteinander aller Verkehrsteilnehmer" geben. Die Verkehrsberuhigung sei sicher ein Ziel in allen Großstädten, schweifte er über Österreichs Grenzen hinaus, aber: Es sei auch wichtig, dass der Berufsverkehr weiter aufrechterhalten bleibe. Überdies spiele der Lieferverkehr eine wichtige Rolle: "Eine Großstadt lebt auch von Mobilität. Das unterscheidet eine Großstadt von kleinen Gemeinden oder von der Situation am flachen Land." (apa)