Ganz so hat sich das der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) vermutlich nicht vorgestellt. Der Wiener Gastro-Gutschein (25 Euro für Single-, 50 Euro für Mehrpersonenhalthalte) sollte eigentlich der coronabedingt schwer angeschlagenen Gastronomie in der Bundeshauptstadt etwas unter die Arme greifen und die Bevölkerung dazu motivieren, wieder ins Wirtshaus zu gehen.

Entwickelt hat sich das ganze allerdings anders. Bereits am ersten Zustelltag tauchten die Gutscheine auf Online-Marktplätzen auf. Angeboten zum reduzierten Preis, erwiesen sie sich bisher allerdings als Ladenhüter. Das mag auch daran liegen, dass kurze Zeit später via Social Media Fotos von aufgebrochenen Briefkästen die Runde machten, aus denen vermeintlicherweise massig Gutscheine gestohlen wurden.

Bei der Stadt Wien ist man seither im Krisenmanagementmodus. Gestohlene Gutscheine würden nach Meldung sofort gesperrt, versprochen wurde ein unbürokratischer Ersatz.

Diebstahlanzeige notwendig

Auf Nachfrage der "Wiener Zeitung" im Büro von Finanzstadtrat Peter Hanke (SPÖ) hörte sich das am Donnerstag allerdings schon etwas differenzierter an. Demnach muss der entwendete Gutschein bei der Polizei gemeldet werden, sprich: es muss eine Diebstahlsanzeige gemacht werden. Telefonisch geht da nichts, man muss schon persönlich bei einer Polizeidienststelle vorbeikommen. Die Diebstahlsanzeige werde dann allerdings von dort aus direkt an die Stadt Wien weitergeleitet, niemand müsse in einen Briefverkehr mit dem Magistrat treten, versichert man im Büro Hankes.

Bislang seien entsprechende Meldungen "im unteren zweistelligen Bereich" eingelangt, seitens der Exekutive habe man die Auskunft erhalten, dass man gute Chancen sehe, den Dieben auf die Spur zu kommen: "Zahlreiche Wohnbauten haben Videoüberwachung", so ein Sprecher Hankes, der von einem Kauf der Gutscheine via Online-Plattformen abrät: "Es besteht die Möglichkeit, dass diese Gutscheine längst schon gesperrt sind."

Wirte nicht erfreut

Grundsätzlich habe man damit gerechnet, dass auf dem Postweg einige der Gutscheine verloren gehen werden. Das sei von Anfang an bei den 40 Millionen Euro Budget einkalkuliert gewesen, heißt es. Auch dass viele Menschen ihre Gutscheine spenden oder verschenken, sei den Verantwortlichen bewusst gewesen. Selbst der Verkauf von Gutscheinen ist nicht verboten, das Risiko trägt in dem Fall aber der Käufer.

Wenig erfreut von den Entwicklungen rund um die "Schnitzel-Bons" zeigte man sich am Mittwoch auch bei der Gastronomie. Um zu gewährleisten, dass die Gutscheine, die eingelöst werden, auch noch gedeckt sind, müssen sie via Scan überprüft werden. Gäste, die via Bon zahlen wollen, müssen das dem Wirt bereits bei der Bestellung sagen. Um auf Nummer sicher zu gehen, darf dieser den Gutschein scannen, noch bevor Essen und alkoholfreie Getränke am Tisch stehen. Sorgt schon dieses Procedere nur bedingt für eine entspannte Wirtshausatmosphäre, gibt es ob dieses Mehraufwands auch Widerstand bei den teilnehmenden Gastronomen.  Einige würden sich zudem mit technisch unüberwindbaren Hürden konfrontiert sehen. Was man allerdings im Büro des Finanzstadtrats nicht nachvollziehen kann: "Jede Handy-App schafft das. Und notfalls kann man den Code auch eintippen."

Wer bis zum Wochenende noch keinen Gastro-Gutschein in seinem (nicht aufgebrochenen) Briefkasten vorgefunden hat, kann sich ab Montag bei der Stadt Wien melden. Es wird eine eigene Hotline installiert, die, so heißt, unbürokratisch weiterhilft.