Wien. Die Wiener Neos zeigten schon in den vergangenen Wochen wenig Verständnis für Schulschließungen aufgrund einer möglichen Infektion mit Covid-19. Vor allem, dass man immer noch tagelang auf die Ergebnisse warten muss, ist der Rathauspartei unverständlich.

Um im Herbst trotz Coronavirus-Pandemie offene Schulen und Kindergärten in Wien zu gewährleisten, fordern die Neos nunmehr, mit Schulbeginn sämtliche Schülerinnen und Schüler im Pflichtschulalter sowie alle Kindergartenkinder flächendeckend zu testen. "Das wäre logistisch machbar", erklärte am Dienstag Klubchef Christoph Wiederkehr.

Zudem bekrittelte Wiederkehr, dass weder Bund noch Länder einen Plan hätten, wie man mit dem Virus in Schulen umgeht. Wiederkehr nannte als Beispiel Oberösterreich, wo nach dem jüngsten Aufflammen der Infektionen als erste Reaktion die Bildungsstätten geschlossen worden waren. Und das, obwohl der Cluster eindeutig Schlachthöfen zuordenbar gewesen sei.

Um Schul- und Kindergartenschließungen in der Bundeshauptstadt gleich nach dem Ende der Ferien zu vermeiden, sollen deshalb rund 250.000 Kinder und Jugendliche sowie zusätzlich alle Pädagoginnen und Pädagogen sowie das Unterstützungspersonal gleich in der ersten Woche getestet werden. Eine zweite und dritte Testreihe soll dann Ende der ersten und Anfang der zweiten Woche folgen, so Neos-Gesundheitssprecher Stefan Gara.

4,5 Millionen Euro Kosten

Mit sogenannten Pooltests, also der Zusammenführung mehrerer Proben in ein Testgefäß, und der neuen Gurgelmethode soll diese große Zahl bewältigt werden.

Kostenpunkt der Aktion: etwa 4,5 Millionen Euro. "Wir kennen das Risiko nach den Ferien nicht. Mit flächendeckenden Tests kann die Wahrscheinlichkeit minimiert werden, Infektionen in die Gebäude zu tragen", so Gara.

Die Neos fordern darüber hinaus aber auch, dass die Auswertung der Tests schneller geht. "Bei Verdachtsfällen, etwa wenn ein Kind Schnupfen hat, wird derzeit fast der ganze Kindergarten geschlossen", kritisiert Wiederkehr. Auf Testergebnisse müsse dann mitunter drei oder vier Tage gewartet werden. Das sei inakzeptabel. Die Pinken fordern, dass bei einem Infektionsverdacht ein Test binnen zwei Stunden durchgeführt und das Resultat innerhalb von maximal acht Stunden vorgelegt wird.

Seitens der verantwortlichen Stadträte reagierte man am Dienstag verhalten auf den Neos-Vorstoß. Eine Stellungnahme war lediglich vom Krisenstab der Stadt Wien zu bekommen. In dieser hieß es, dass Testergebnisse binnen acht Stunden "illusorisch" seien, zumal es neben Kindergärten und Schulen zahlreiche weitere sensible Bereiche in Wien gäbe.

Neues Konzept erarbeitet

Zudem könne die Stadt Wien nicht binnen dieser kurzen Zeit knapp 300.000 Personen testen. Das seien immerhin 1,5 Mal so viele Einwohner wie Linz hat.

Allerdings wird von Expertinnen und Experten der Stadt Wien derzeit ein neues Konzept für den Herbst erarbeitet, welches Bildungseinrichtungen noch besser auf die möglicherweise kommenden Herausforderungen vorbereiten soll.