Einen Tag, nachdem Innenminister Karl Nehammer einen vermeintlichen türkischen Spionagering in Wien ausgehoben haben will, meldete sich am Mittwoch das türkische Außenministerium zu Wort.

Ankara weise die "unbegründeten Behauptungen" zurück, erklärte ein Sprecher. In Wien sei man offenbar nicht in der Lage, "der populistischen Rhetorik und seiner Anti-Türkei-Besessenheit zu entkommen". Im Gegenzug habe Österreich der Türkei seinen "Unmut bezüglich der Aktivitäten des türkischen Geheimdienstes" übermittelt und einen Vertreter der türkischen Botschaft zu einem Gespräch ins Außenministerium gebeten, hieß es aus dem Büro von Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP).

Wie berichtet hat Innenminister Nehammer am Dienstag bekannt gegeben, dass eine Person gestanden habe, im Sinne des türkischen Geheimdienstes in Österreich gespitzelt zu haben. Eine Anklage stehe bevor, weitere Verdächtige würden derzeit ausgeforscht werden.

Interesse an Diaspora

Thomas Riegler, Geheindienstexperte, relativiert indes den Coup des Innenministeriums. Bei der geständigen Person handle es sich keinesfalls um eine Spionin, sondern vielmehr um eine Informantin. Das türkische Informantennetz in Österreich schätzte Riegler auf "mindestens 200 Personen", noch größer sei lediglich das der Russen. Grundsätzlich hätten einige Staaten ein Interesse daran, die Diaspora auszukundschaften. So etwa der Iran oder Tschetschenien.
Mit der Anklage einer Person würde Österreich nunmehr ein Zeichen setzen. Einerseits nach außen, als eine Art "Schuss vor den Bug", andererseits nach innen. Immerhin sei das der erste konkrete Ermittlungserfolg mehr als zwei Monate nach den Ausschreitungen in Favoriten.