"Wiener Zeitung":Die Pläne zum Ausbau der Gesundheitsbranche in Wien sind sehr ambitioniert. Das Ganze wird wohl auf PPP-Projekte (Public--Private-Partnership) hinauslaufen, also solche, an denen neben der öffentlichen Hand auch private Investoren beteiligt sind?

Alexander Biach: Ja, sonst könnte man das finanziell nicht stemmen.

Wie will man verhindern, dass das in der Privatisierung des Gesundheitsbereichs endet oder zu sehr das Profitdenken dominiert?

Die Angst der Stadt war bisher, dass alles, was privat ist, kapitalistisch ausufert und der Mensch auf der Strecke bleibt. Aber wir brauchen neue Facharztzentren; Diabeteszentren zum Beispiel. Mit PPP-Modellen werden nicht nur Kosten gesenkt, sondern auch eine Zwei-Klassen-Medizin verhindert.

Wie das?

Ich habe selbst schon solche Projekte aufgestellt, beispielsweise ein Rehazentrum für Jugendliche in St. Veit im Pongau. Der Ablauf ist folgender: Das Land oder die Sozialversicherung gibt so eine Einrichtung in Auftrag und garantiert im Gegenzug, dass Patienten dorthin geschickt und die dafür vereinbarten Kosten bezahlt werden - also beispielsweise 120 Euro pro Bett und Nacht inklusive aller Leistungen. Die öffentliche Hand kümmert sich weder um den Bau noch um die Anstellung der Mitarbeiter, sie bezahlt nur die Dienstleistung. Das Ganze wird so günstiger. Das Zentrum muss dann aber auch jeden Patienten, der dorthin kommt, behandeln und darf niemanden wegschicken. Das sorgt dafür, dass keine Zwei-Klassen-Medizin entsteht.

Wie sieht es mit den Kosten aus: Sind das dieselben, die auch in öffentlichen Einrichtungen verrechnet werden?

Die unterliegen dann dem freien Wettbewerb. Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erhält den Zuschlag.

Auf wie viele Jahre werden diese Verträge geschlossen?

Wenn das etwas ist, das komplett neu gebaut wird, sind das schon so 15 bis 20 Jahre.

Und danach kann der private Investor nachverhandeln, die Kosten zum Beispiel?

Ja. Aber das ist eine Sache der Vertragsausgestaltung. Natürlich wird man darauf achten, dass man das nicht irgendwelche Hedgefonds oder Heuschrecken machen lässt. Das müssen schon greifbare Unternehmer sein.

Auf welchen Einrichtungen wird denn besonderes Augenmerk für die PPP liegen?

Forschungseinrichtungen. Da ist derzeit ein großartiges Projekt auf dem AKH-Gelände in der Pipeline. Da soll ein Turm für Präzisionsmedizin entstehen.

Was ist darunter zu verstehen?

Da geht es um individualisierte medizinische Leistung. Menschen sprechen ja unterschiedlich auf ein und dasselbe Medikament und dessen Dosierung an. Patienten werden dort analysiert, und es wird genau festgestellt, welche Impfdosis sie beispielsweise benötigen. Die Verabreichung, die Behandlung und die dazugehörige Forschung finden gleich dort statt. Dazu kommen mit dem Thema befasste Start-ups. So erhält man eine Komplettlösung aus einer Hand.

Wie ist da die Aufteilung zwischen öffentlicher Hand und privaten Investoren geplant?

Es geht um ein Investitionsvolumen in Höhe von etwa 60 Millionen Euro; die Hälfte davon wird über Private lukriert. Die werden dann natürlich versuchen, ihre Dienstleistungen anzubieten, das ist nur fair. Aber durch die öffentliche Hand wird sichergestellt, dass jeder Patient, unabhängig von seiner Geldbörse, in den Genuss dieser Spitzenmedizin kommt. Mit diesem Projekt hoffen wir unter anderem auch die Forschungsgrößen, die es gibt, nach Wien zu holen.

Das heißt, da geht es dann auch um internationales Prestige?

Vor eineinhalb Jahren hat die Wirtschaftskammer vermutet, dass sich Wien mit dem Gesundheitsbereich international sehr gut positionieren kann. Deshalb haben wir die volkswirtschaftliche Berechnung angestellt. Wir haben auch bei Auftritten im Ausland immer wieder bemerkt, dass wir hier sehr attraktiv sind. Gesundheitsunternehmen sind an uns herangetreten und haben ihr Interesse bekundet, nach Wien zu ziehen. Das wollen wir fördern. Unser Ziel ist es außerdem, internationale Gesundheitsorganisationen nach Wien zu holen, damit soll sich ein eigenes Team in Wien beschäftigen. Durch seine Geschichte mit Größen wie Semmelweiß, Billroth oder Freud hat Wien einen ausgezeichneten Ruf.

Bei den Plänen für den Ausbau im Gesundheitswesen wird auch die Digitalisierung betont. Worum geht es da konkret: Roboter in der Altenbetreuung?

Wir fangen mit den Basisanwendungen an. Der elektronische Impfpass ist beispielsweise schon in der Pipeline und soll noch dieses Jahr kommen. Die Vorarbeiten dazu sind in den Sozialversicherungen schon sehr vorangeschritten. Vereinfacht gesagt: Mit dem in der Tasche kommt man dann auch am Flughafen durch.

Die Voraussetzung dafür wird wohl die elektronische Gesundheitsakte Elga sein. Was, wenn man da abgemeldet ist?

Das wird es wahrscheinlich auch geben. Dann muss ich halt eine Betätigung herumschleppen, dass ich geimpft bin.

Was ist sonst noch in der Pipeline?

Das elektronische Rezept. Außerdem die elektronische Überweisung, beispielsweise zu Röntgen, CT oder MR. Da bekommt man dann die Bestätigung aufs Handy. Das ist alles schon fertig. Theoretisch wäre schon der digitale Mutter-Kind-Pass möglich.

Was kommt danach?

Die Telemedizin. Begleitende medizinische Maßnahmen via Bildschirm. Dazu gehört etwa die Tele-Reha, wo man nach der Rehabilitation von zu Hause aus weiter Übungen machen und eintragen kann. Und dann kommt noch Big Data. Anonymisierte Daten, aus denen man Muster ableiten kann. Damit werden Behandlungspfade und Diagnosen abgekürzt. Erst danach kommen wir zu Robotern. Die Anfänge haben wir jetzt schon mit Uhren und Apps, die etwa Schritte zählen. Letztlich wird es Roboter geben, die alte Menschen heben und sogar mit ihnen reden können.