Die Bundeshauptstadt Wien erlässt eine Verordnung zur verpflichtenden Registrierung von Gästen in der Gastronomie. Damit soll die Nachverfolgung von Kontaktpersonen bei Coronavirusinfektionen erleichtert werden. Das hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Donnerstag im Gespräch mit der APA angekündigt.

Die Verordnung soll bereits am Montag in Kraft treten. Den Wirten wird vorgeschrieben, Formblätter aufzulegen, in die sich die Gäste eintragen müssen. Dies soll im Hausrecht der jeweiligen Gastronomiebetriebe festgeschrieben werden, wie Ludwig erläuterte. Er betonte, dass man bewusst auf Listen verzichte, sondern auf eine Umsetzung mittels einzelner Blätter setze. Damit soll gewährleistet sein, dass für andere Besucher nicht einsehbar ist, wer an jenem Tag ebenfalls das Lokal frequentiert hat.

Keine frühere Sperrstunde

Der Stadtchef bekräftigte, dass er die Sperrstunde nicht - so wie es die Bundesländer im Westen tun - auf 22 Uhr vorverlegen wolle. Dies würde die Gefahr erhöhen, dass Personen nach dem Schließen der Lokale zu illegalen Partys gehen oder daheim mit einer größeren Zahl von Menschen weiterfeiern, gab Ludwig zu bedenken.

Am Donnerstag hatte der Wiener Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) zuvor seine Forderung nach verpflichtenden Gästelisten in der Gastronomie bekräftigt. Diese könnten die Kontaktnachverfolgung bei Coronavirusfällen erleichtern, sagte er in der Fragestunde des Gemeinderates.

Der Ressortchef verwies auf den jüngst entdeckten kleinen Infektionscluster im Bereich Theater bzw. Oper. Dort seien die Namen der Besucher aufgezeichnet worden. "Diese Gästeliste hat es uns ermöglicht, den Cluster binnen weniger Tage sehr klar zu begrenzen und eine weitere Verbreitung einzudämmen."

Für Neos "okay", für FPÖ "Skandal"

Für die Wiener Neos ist das "okay", sie kritisieren jedoch, dass die Verantwortung auf die Unternehmen abgewälzt wird, hieß es in einer Aussendung. Als "reine Schikane" bezeichnet die Registrierungspflicht die Wiener FPÖ.

Deren Chef, Vizebürgermeister Dominik Nepp, übte via Aussendung herbe Kritik. "Es ist ein Skandal, dass Ludwig und Co. den Wienern bis auf den Barhocker nachschnüffeln", meinte Nepp. Die "überfallsartige Ankündigung" der Registrierpflicht sieht auch Neos-Wirtschaftssprecher Markus Ornig skeptisch, sie sei das "Ergebnis der monatelangen Untätigkeit der Regierenden".

Für ÖVP nicht genug

Für die Wiener ÖVP reicht die Registrierungspflicht indes nicht aus. "Wenn Bürgermeister Ludwig Arbeitsplätze und Unternehmen in Wien schützen will, sollte er dem Beispiel anderer Bundesländer folgen und jetzt die Sperrstunde vorverlegen", sagte der nicht amtsführende Stadtrat Markus Wölbitsch.

Die aktuellen Reisewarnungen seien ein schwerer Schlag für Wien. "Unser Tourismus, die Stadthotellerie und die Geschäfte leiden unter diesen Reisewarnungen. Damit sind Einkommen und Arbeitsplätze in unserer Stadt gefährdet – daher muss Wien jetzt die Sperrstunde vorverlegen", forderte Wölbitsch. ÖVP-Gesundheitssprecherin Ingrid Korosec kritisierte auch das aus ihrer Sicht mangelnde Testmanagement der Stadt. Immer mehr Wiener seien gezwungen, auf private Labors auszuweichen. (apa)