Wien kündigt weitere Kontrollen in der Gastronomie bzw. in der Clubszene an. Im Fokus stehen dabei illegale Veranstaltungen, bei denen die Coronavirus-Regeln oft ignoriert werden. Das hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Leiter des Büros für Sofortmaßnahmen, Walter Hillerer, und Polizeipräsident Gerhard Pürstl angekündigt.

"Wir werden den Finger weiter draufhalten", versicherte der Polizeipräsident. Erst in der vergangenen Nacht sind erneut 230 Überprüfungen durch das Magistrat bzw. die Exekutive vorgenommen worden. Die relativ geringe Anzahl an Anzeigen - es waren insgesamt sechs - sei darauf zurückzuführen, dass der Montag ein relativ schwacher Ausgeh-Tag sei, erläuterte Pürstl. Es sei noch zu früh zu sagen, dass sich die Betreiber gebessert hätten, betonte er.

"Brutstätten des Virus"

In Wien waren bereits am Wochenende zahlreiche Clubs von der Behörde besucht worden. Bilder des Geschehens in den Lokalen wurden bei der Pressekonferenz heute gezeigt. Zu sehen waren Menschen, die auf engstem Raum getanzt und gefeiert haben. Bürgermeister Ludwig kritisierte die Partyveranstalter: "Das ist eine Brutstätte, um dieses Virus weiterzugeben."

Einmal mehr sprach sich Ludwig gegen eine Vorverlegung der Sperrstunde auf 22.00 Uhr aus. Er sei überzeugt, dass, wenn gewisse Rahmenbedingungen geschaffen würden, diese von den Kunden mit "Hausverstand" akzeptiert würden. Er verwies dabei vor allem auf die inzwischen in Wien geltende Registrierungspflicht in Lokalen. Diese sei das "gelindere Mittel" im Vergleich zu einer früheren Sperrstunde.

Viele sind ohne Sicherheitskonzept

In der traditionellen Gastronomie habe es aber auch schon bisher wenige Ansteckungen gegeben, betonte der Stadtchef. Schwierig seien hingegen Bereiche, "wo sich Menschen treffen und man sich nicht an den Sicherheitsmaßnahmen orientiert". Illegale Clubs, die ohne Sicherheitskonzept - also mit zu vielen Menschen und ohne Abstand - auch nach der Sperrstunde Veranstaltungen durchführen, seien hier ein Problem. Man werde weiter "sehr konsequent durchgreifen" beteuerte er.

An die 60 Lokale seien bereits überprüft worden, 100 Anzeigen habe es gesetzt. Auch Wiederholungstäter gibt es offenbar unter den Betreibern. Diesen will man ganz besonderes Augenmerk schenken: "Wir werden manche Lokale so konsequent kontrollieren, dass den Besitzern klar wird, dass wir es ernst nehmen", versprach Ludwig.

Schwarze Schafe herauspicken

Auch der Leiter des Büros für Sofortmaßnahmen, Walter Hillerer, kündigte an: "Wir werden die schwarzen Schafe herauspicken." Es gebe nicht wenige, die "relativ unbelehrbar" seien. Man sei sogar mit Fällen konfrontiert worden, bei denen nach einer Kontrolle am Freitag schon für das nächste nicht den Richtlinien entsprechende Event am Samstag geladen worden sei.

Manche Veranstalter behelfen sich mit diversen Tricks, wie heute berichtete wurde. So seien Scheiben von Lokalitäten mitunter abgeklebt, auch Türen würden immer wieder zugesperrt. Die Partys trotzdem zu entdecken sei nicht immer einfach, gestand Hillerer: "Das ist eine Detektivarbeit für uns." Und auch ein weiterer Trend lässt sich demnach erkennen. Immer mehr Betreiber weichen auf die Wochentage aus, in der Ansicht, dass es am Wochenende mehr Kontrollen gibt. Dem will man vorbeugen: Die Überprüfungen werden auch in den nächsten Tagen fortgesetzt, wurde heute betont. (apa)