Der Wiener Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) hat sich in einer erster Stellungnahme nach dem Urnengang alle Koalitionsoptionen offengelassen und sich explizit nicht auf den bisherigen grünen Partner festgelegt. "Man wird sehen, wo es politisch die größten Schnittmengen gibt." Im Vordergrund stünden für ihn die "Interessen der Wiener Bevölkerung", sagte er im ORF. Er warte jetzt aber erst das endgültige Ergebnis ab. "Aber die Hochrechnungen stimmen mich zuversichtlich, dass ich mit mehreren Partnern reden kann." Er stehe zu seinem Wort. Er habe vor der Wahl gesagt, dass er eine Koalition nur mit der FPÖ und dem Team HC ausschließe und das gelte auch nach der Wahl, so Ludwig. "Alle anderen Koalitionsoptionen sind möglich."

SPÖ-Landesparteisekretärin Barbara Novak hat sich nach der Veröffentlichung der ersten Trendprognosen zur Wien-Wahl erfreut gezeigt, die die SPÖ bei über 40 Prozent ausweisen. Gleichzeitig verwies sie aber darauf, dass es nur Prognosen sind, nun warte sie "mit Spannung auf das Endergebnis", sagte Novak gegenüber dem ORF. In Sachen Koalition hielt sich Novak bedeckt, dies sei eine Frage des Wahlergebnisses. Daher heiße es jetzt einmal warten, bis alle Stimmen ausgezählt sind.

Freilich gelte aber die "ganz klare Aussage" vor der Wahl, dass es keine Koalition mit den Freiheitlichen oder mit dem Team Strache geben werde, so Novak: "Das gilt auch heute. Alles andere ist offen."

ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel hat sein Ergebnis als "Sensation und Wahnsinn" bezeichnet. "Ich kann es gar nicht glauben", sagte er in einer ersten Reaktion auf die erste Hochrechnung, wonach sich die ÖVP von 9,2 auf knapp 18,7 Prozent verdoppelt hat. "Wir sind von Platz vier auf Platz zwei vorgerückt und haben den größten Zugewinn in der Geschichte der ÖVP erreicht. Ich bin tief dankbar", so Blümel.

"Die ÖVP Wien ist wieder da. Wir haben fünf Jahre auf diesen Tag hin gearbeitet. Und heute wissen wir, es hat sich ausgezahlt", sagte ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel. - © APAweb /HELMUT FOHRINGER
"Die ÖVP Wien ist wieder da. Wir haben fünf Jahre auf diesen Tag hin gearbeitet. Und heute wissen wir, es hat sich ausgezahlt", sagte ÖVP-Spitzenkandidat Gernot Blümel. - © APAweb /HELMUT FOHRINGER

"Die ÖVP Wien ist wieder da. Wir haben fünf Jahre auf diesen Tag hin gearbeitet. Und heute wissen wir, es hat sich ausgezahlt." Für Koalitionsverhandlungen sei er "selbstverständlich bereit".

Bundeskanzler und ÖVP-Chef Sebastian Kurz hat das gute Ergebnis der ÖVP als Bestätigung für den "türkisen Weg" gesehen. "Die heutige Wien-Wahl brachte für die Neue Volkspartei ein weiteres sehr erfolgreiches Ergebnis. Für uns bedeutet dieses Ergebnis den achten Landtagswahl-Erfolg in Serie und ist ein Zeichen, dass der türkise Weg weiter an Zustimmung gewinnt", so Kurz in einer ersten Stellungnahme gegenüber der APA.

Gernot Blümel sei es gelungen, "mit Sachlichkeit und einer Politik des Hausverstandes bei den Wählerinnen und Wählern zu punkten". Die Wiener Volkspartei habe es nicht nur geschafft von Platz vier auf Platz zwei zu kommen, sondern könne am heutigen Wahltag auch die meisten Stimmenzugewinne für sich verzeichnen und das Ergebnis verdoppeln. "Ich gratuliere Gernot Blümel und seinem Team zu diesem Erfolg und danke allen Wählerinnen und Wählern für ihre Unterstützung", so Kurz.

"Klarer Aftrag für Rot-Grün"

Die Grüne Spitzenkandidatin Birgit Hebein sieht im voraussichtlichen Ergebnis der Wien-Wahl einen "ganz klaren Auftrag" für eine Fortsetzung der Rot-Grünen Koalition. Sowohl der große als auch der kleine Koalitionspartner hätten gewonnen, nach zehn Jahren Koalition sei beiden Parteien der Rücken gestärkt worden, sagte die Vizebürgermeisterin. Koalitionsbedingungen wollte sie nicht nennen, der Ball liege jetzt bei Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ).

Zu den laut den Hochrechnungen sich abzeichnenden Zugewinnen für die Grünen sagte Hebein: "Die Freude ist groß." Ob es das angestrebte historisch beste Resultat werde, sei aber noch offen. "Außergewöhnlich" ist für Hebein auch, dass in der Koalition in Krisenzeiten von Corona und Klima nicht nur der Erste sondern auch der Zweite in der Koalition Zuwächse verzeichnet.

Der Grüne Bundessprecher Werner Kogler sieht in dem Resultat seiner Partei ein "sehr, sehr gutes Ergebnis". Voraussichtlich werde es nach Mandaten das beste Ergebnis der Geschichte. Den rot-grünen Regierungskurs in Wien sieht der Vizekanzler "bestätigt", wie er im ORF sagte.

In die selbe Kerbe schlug auch die grüne Klubobfrau Sigrid Maurer. Beide Regierungsparteien haben dazugewonnen, "dementsprechend ist dieses Votum so zu werten", sagte Maurer in einer Diskussionsrunde auf "Puls24". Die Wienerinnen und Wiener wünschten sich eine Fortsetzung von Rot-Grün in Wien.

Nepp: Strache müsse "Buße" tun

Für FPÖ-Spitzenkandidat Dominik Nepp liegt die Ursache für den freiheitlichen Absturz in Ibiza. Der Verlust sei "schmerzlich". Das Ergebnis habe aber in Ibiza seinen Ausgangspunkt. Jetzt gehe es darum, "mit harter konsequenter Arbeit" das Vertrauen wieder zurückzugewinnen, meinte er im ORF.

Gefragt danach, ob er an Rücktritt denke, meinte er, dass nun einmal das Ergebnis analysiert werden müsse. Zudem verwies er auf den Landesparteitag in den kommenden Monaten. Eine Versöhnung mit Ex-FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache, sollte dieser in den Landtag einziehen, könne es erst geben, wenn dieser "Buße" tue.

Nepp bedauerte, dass mit der dezimierten Mandatsstärke nicht mehr die gleiche Oppositionsarbeit ausgeübt werden könne: "Die Kontrollkraft wird darunter leiden."

Enttäuscht zeigte sich auch FPÖ-Landesparteisekretär Michael Stumpf. Größter Verlierer sei aber nicht die FPÖ, sondern die Wienerinnen und Wiener. Als Gründe für die Verluste machte Stumpf im ORF das Schüren von Angst durch die Bundesregierung im Zuge der Corona-Pandemie und das Antreten von Ex-Parteichef Strache mit einer eigenen Liste aus. Auch für Stumpf war Dominik Nepp "der beste Spitzenkandidat" und "der beste Mann zu richtigen Zeit am richtigen Ort". Auch die Themen der FPÖ seien die richtigen gewesen.

"Mit Neos eine innovative, neue Mitte gefunden"

Neos-Spitzenkandidat Christoph Wiederkehr zeigte sich vorsichtig erfreut. "Im Moment schaut es sehr gut aus - wir müssen natürlich abwarten, was die Hochrechnungen sagen", meinte er zur APA: "Aber unser Kurs, mit den Themen Schulen und Kindergärten, lebendige Betriebe und einem Ende der Freunderlwirtschaft, hat offenbar bei den Wählerinnen und Wählern einen Nerv getroffen." Die derzeitig prognostizierten acht Prozent wären "ein sensationeller Erfolg".

Neos-Chefin Beate Meinl-Reisinger freut sich über das gute Abschneiden bei der Wien-Wahl: "Die Tatsache, dass wir vor der FPÖ liegen, ist sensationell", sagte sie am Abend in der Neos-Parteizentrale, nachdem Sora eine entsprechende Hochrechnung publiziert hatte. Erstmals sei es möglich, dass die Neos in eine Koalition gehen und mit dieser eine solide Mehrheit bilden könnten. Die Freude sei riesengroß.

"Jetzt wollen wir auch beweisen, was noch weiter gehen würde, wenn die Neos in einer Regierung sind", sagte Meinl-Reisinger. "Ich glaube, es war eine Teamarbeit, aber ganz vorn stand ein Mann, dem wenig zugetraut wurde", lobte sie den Spitzenkandidaten Christoph Wiederkehr. Ihm habe sie vor dem Wahlkampf etwas ganz Wichtiges mitgeteilt. "Ich habe ihm gesagt, er soll nicht auf mich hören, sondern auf sich selbst."

Dass die Neos mitregieren wollen, ist für Meinl-Reisinger klar. "Es geht uns um die beste Zukunft unserer Kinder", betonte sie und fügte die weiteren für die Partei wichtigen Themen wie Transparenz und das Schaffen neuer Arbeitsplätze an.

Für Team HC wird es knapp

Der ehemalige Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat die Hoffnung, mit seinem Team Strache in den Gemeinderat einzuziehen, noch nicht aufgegeben. "Ich bin zuversichtlich, dass wir noch deutlich über fünf Prozent kommen", sagte er im ORF nach den ersten Hochrechnungen, die jedoch alle das Team HC mit großer Wahrscheinlichkeit draußen sahen.

Schuld am Abschneiden der FPÖ sei die derzeitige Führung, denn diese habe "herzlos" eine Spaltung herbeigeführt. Diese habe viele Menschen "nicht nur verletzt, sondern vor den Kopf gestoßen". Seine Nachfolger hätten "eiskalt und herzlos" agiert und die freiheitliche Familie zerstört. Sie müssten daher ersetzt werden, so Strache.

"Es wird knapp", so hat der Parteisekretär des Team Strache, Christian Höbart, die ersten Prognosen, die die Gruppierung des ehemaligen Vizekanzlers und FPÖ-Chefs Heinz-Christian Strache nicht im Landtag sehen, gegenüber dem ORF kommentiert. Aber: "Die Chance lebt."

Höbart verwies darauf, dass das Team HC in den Prognosen schlechter eingestuft werde, da die "Bekennerquote" zu Strache wegen der Berichterstattung um vermeintliche Skandale "sicher nicht in den Himmel reicht". Das stimme ihn positiv, "dass wir die fünf Prozent Marke erreichen", so Höbart. (temp/apa)