Bei der Wien-Wahl am Sonntag wurde auch über die Regentschaft in den 23 Bezirken abgestimmt. Hier bleibt in Sachen Vormachtstellung großteils alles beim Alten. In höchstens drei Bezirken gibt künftig eine andere Partei als bisher den Ton an. Die SPÖ holte sich nämlich die Leopoldstadt von den Grünen und Simmering von der FPÖ zurück. Die Grünen dürften dank Briefwählern wiederum die Josefstadt der ÖVP abluchsen können.

Dass die Roten die kommenden fünf Jahre nicht wie zuletzt 15, sondern 17 Bezirksvorsteherinnen und -vorsteher stellen, ist bereits aus dem vorläufigen Urnenwahl-Endergebnis klar ablesbar. Hier können die Briefwahlstimmen - sie werden erst seit heute, Montag, Früh ausgezählt - nichts mehr ändern. Das gilt auch für die beiden zurückeroberten Bezirke Leopoldstadt und Simmering, wo der Vorsprung auf den Zweitplatzierten mit mehr als zehn Prozentpunkten uneinholbar ist.

Paul Stadler muss gehen

Im 2. Bezirk prognostiziert die SORA-ORF-Hochrechnung auf Bezirksebene für die SPÖ 37,7 Prozent, für die Grünen 27,2 Prozent. Damit löst Alexander Nikolai, derzeit roter Bezirksparteigeschäftsführer, die grüne Vorsteherin Uschi Lichtenegger im Chefsessel ab. In Simmering hingegen endet das Interregnum von FPÖ-Mann Paul Stadler, der 2015 den früheren Arbeiterbezirk - als ersten Wiener Bezirk überhaupt - blau einfärben konnte. Laut Hochrechnung werden die Roten mit 42,2 Prozent durchs Ziel kommen und damit die FPÖ (27,3 Prozent) schwer deklassieren.

Der dritte Bezirk, der künftig in anderer Farbe aufleuchten wird, ist voraussichtlich die Josefstadt. Wobei hier die beiden stärksten Parteien ÖVP und Grüne derzeit Kopf an Kopf liegen. Das vorläufige Endergebnis weist sogar die türkise Bezirksvorsteherin Veronika Mickel als knappe Siegerin aus - mit 30,2 zu 29,5 Prozent, was einen Unterschied von exakt 37 Wählerstimmen bedeutet. Diesen Mini-Rückstand dürften die Grünen dank Briefwähler aber noch einholen.

Stenzel keine "Geheimwaffe"

Die SORA-ORF-Prognose hat einen Endstand von 31,1 Prozent für die Grünen gegenüber 30,1 Prozent für die ÖVP errechnet. Damit wäre die Rückeroberung eines schon einmal zwischen 2005 und 2010 grün geführten Bezirks geschafft und Spitzenkandidat Martin Fabisch der Nachfolger von Mickel in der Bezirksvorstehung.

Geht die Josefstadt verloren, würde die ÖVP also künftig nur noch drei statt vier Bezirkschefs stellen. Ihre Spitzenposition in den Hochburgen Hietzing und Döbling konnte sie noch ausbauen. Und auch in der Innenstadt deklassierte Amtsinhaber Markus Figl trotz oder wegen der Kontroverse um die verkehrsberuhigte City die Konkurrenz und konnte laut Hochrechnung um 13,4 Punkte zulegen und folglich mit 39,1 Prozent davonziehen. Detail am Rande: Die FPÖ versuchte hier mit der streitbaren Ex-Vorsteherin Ursula Stenzel als "Geheimwaffe" - damals auf einem ÖVP-Ticket - zu punkten, was die Wählerinnen und Wähler wenig beeindruckte. Die Blauen werden trotz Promi-Kandidatin nur auf rund fünfeinhalb Prozent kommen.

Die Grünen halte - den Sieg im 8. Bezirk vorausgesetzt - weiterhin bei drei Bezirkschefs. Neben der schon traditionellen Hochburg Neubau, wo man mit prognostizierten 41,2 Prozent gegenüber 2015 sogar leicht zulegen konnte, wurde auch die Vorherrschaft im erst vor fünf Jahren erstmals eroberten Währing verteidigt bzw. ausgebaut - von 28,1 auf 35,2 Prozent. Klar gescheitert sind die Grünen in ihren Innergürtel-Hoffnungsbezirken Wieden, Margareten, Mariahilf und Alsergrund, wo der Rückstand auf die SPÖ jeweils mehrere Prozentpunkte beträgt.

SPÖ-Sieg dank FPÖ

Der SPÖ wird in allen restlichen 17 Bezirken die Vorsteherin bzw. den Vorsteher stellen. Auffällig ist, dass die Roten vor allem in jenen Flächenbezirken, in denen die FPÖ gefährlich nahe an Platz 1 gerückt war, wegen der wienweiten Bruchlandung der Freiheitlichen deutlich Boden gut machen konnten. Neben der Wiedererlangung Simmerings fuhr man etwa auch in Floridsdorf, wo 2015 die Briefwähler gerade noch einen FPÖ-Sieg verhindert hatten, diesmal mit laut Hochrechnung 45,3 Prozent einen haushohen Sieg ein. Im ebenfalls rot-blauen Battleground Favoriten kam die SPÖ sogar auf 48,3 Prozent. Die FPÖ stürzte in diesen beiden Bezirken auf 10,2 bzw. 10,8 Prozent ab.