Eineinhalb Wochen nach dem Debakel bei der Wien-Wahl haben am Mittwoch, die Bundesgremien der FPÖ getagt. Personelle Konsequenzen standen nicht im Raum, versicherten alle Teilnehmer bereits vor Beginn der Sitzung. Lediglich Inhaltliches und Organisatorisches wolle man besprechen, erklärte Parteichef Norbert Hofer bereits bei seinem Eintreffen in der Bundesgeschäftsstelle am Wiener Friedrich-Schmidt-Platz.

Über Ergebnisse informierte er dann am Nachmittag bei einer Pressekonferenz: Es sei vor allem das Fehlverhalten des ehemaligen FPÖ-Chefs Heinz Christian Strache gewesen, das der Partei bei der Wien-Wahl den Absturz von 30 auf 7 Prozent bescherte, meinte Hofer. Aus diesem Grund werde man auch "sehr, sehr strenge" Verhaltensregeln einführen, damit das in Zukunft nicht mehr passieren kann, so Hofer.

Freiheit, Soziales, Sicherheit

Aber auch inhaltlich gelte es, Änderungen herbeizuführen. Bei der Arbeiterschicht habe man zwar gut abgeschnitten - und vor allem bei den Serben und auch bei den Türken, wie der Parteichef betonte. Eine große Schwäche habe sich allerdings bei der Bildungsschicht gezeigt. "Da müssen wir mit unseren Themen höher zielen und inhaltlich mehr in die Tiefe gehen", sagte Hofer. So solle künftig jeder einzelne FPÖ-Mandatar "mehr Experte" auf seinem jeweiligen Gebiet sein.

Als die drei wichtigsten künftigen Themen für die Partei nannte der Parteivorsitzende "Freiheit" - vor allem vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie. Soziale Verantwortung und Sicherheit. "Aber Sicherheit nicht nur was Bundesheer und Polizei betrifft, sondern es geht auch um die Frage, welche Leute wir nach Österreich einladen."

Die Gefahr des politischen Islam sei nämlich nicht zu unterschätzen, betonte Hofer. Das Ziel seiner Partei sei "ein gesundes, vernünftiges Wachstum aufgrund guter Inhalte", sagte er.

Dass an Hofer und auch am Wiener Landesparteichef Dominik Nepp nicht gerüttelt wird, hatten Parteigranden schon ab dem Wahltag betont. Am Dienstag bekräftigte das auch Klubobmann Herbert Kickl im ORF-"Report". "Es wird diese Obmanndebatte nicht geben", meinte er da. Die Schuld für die Niederlage Hofer zu geben, wäre eine Themenverfehlung. Ins selbe Horn stießen am Mittwoch diverse Spitzenrepräsentanten aus den Ländern. "So wie die FPÖ aufgestellt ist, passt das auch", sagte die Salzburger Landesparteichefin Marlene Svazek bei ihrem Eintreffen. Gernot Damann aus Kärnten betonte, eine Neuausrichtung "braucht es weder inhaltlich noch personell". Probleme seien an einem Namen festzumachen, verwies er - ohne ihn zu nennen - auf Strache. Nepp sagte kaum etwas und stellte lediglich eine "ganz reguläre Sitzung" in Aussicht.

Wünsche aus den Ländern

Hofer selbst, - er hat sich nach eigenen Angaben vom Parteivorsitz im Burgenland verabschiedet, weil er sich stärker dem Bund widmen will - zeigte sich ob der journalistischen Personalspekulationen gelassen. Er habe "interessante Jahre" hinter sich, "man hält so einiges aus". Dass die Landesparteichefs viel mitzureden haben, halte er für sehr wichtig, betonte der Politiker, Beschlüsse seien aber in Präsidium und Vorstand zu treffen. Mehr Mitsprache gefordert hatte zuletzt der Tiroler Landeschef Markus Abwerzger. Wünsche aus den Ländern waren auch von Manfred Haimbuchner aus Oberösterreich gekommen, der kommendes Jahr als Regierungspartei eine Landtagswahl zu schlagen hat. Er hat für eine Weiterentwicklung der FPÖ zu einer "konstruktiven, seriösen Rechtspartei" verlangt.(rös/apa)