Die Stadt Wien plant bereits für jene Phase, in der die Coronavirus-Impfungen nicht - so wie derzeit - nur bei speziellen Zielgruppen zum Einsatz kommt. Man werde wohl im zweiten Quartal mit der flächenmäßigen Impfung beginnen, sagte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Donnerstag beim Medientermin anlässlich des bevorstehenden Starts der Massentests. Diese könnten eine Art Vorbild für die Massenimpfung sein.

"Es ist denkbar, dass wir auch für die Impfung eine ähnliche Infrastruktur aufbauen", sagte der Stadtrat. Wann genau die große Impfkampagne kommt, ist noch offen. Eine Vormerkplattform für Menschen, die das Angebot in Anspruch nehmen möchten, soll ab 18. Jänner online gehen. Dort ist jedoch vorerst noch keine Terminvereinbarung möglich.

Derzeit wird das Vakzin in Wien - so wie im gesamten Bundesgebiet - vor allem Personen in Pflege- und Senioreneinrichtungen sowie in Spitälern - dort vorrangig in Covid-Stationen - verabreicht. Der Auftakt erfolgte noch vor dem Jahreswechsel im Allgemeinen Krankenhaus (AKH), das laut "Kurier" in den kommenden Wochen rund 7.000 Mitarbeiter impfen lassen wird, sowie in der Klinik Favoriten. Seit gestern, Mittwoch, läuft die zweite Impfrunde.

Hohe Impfbereitschaft in Pflegeeinrichtungen

Laut Hacker ist die Impfbereitschaft in den Pflegeeinrichtungen hoch. Sie betrage bei den Bewohnern bis zu 80 Prozent, sagte er. Bei den Mitarbeitern liegt sie mit 70 Prozent leicht darunter.

Eine Art ungeplanter Massenimpfung ergab sich unterdessen in einem städtischen Pflegewohnhaus in Floridsdorf. Dieses erhielt laut einem Bericht der Gratiszeitung "Heute" irrtümlich 800 Impfdosen - für 120 Bewohner. Kurzfristig wurde dort ein Impfzentrum für Personal anderer Kliniken sowie für Rettungsorganisationen eingerichtet.

Wie ein Hacker-Sprecher auf Anfrage erläuterte, sei die Lieferung für die Klinik Favoriten gedacht gewesen. Eine Rücksendung ist in einem derartigen Fall nur schwer möglich. Denn der Impfstoff muss, sobald er aufgetaut ist, rasch injiziert werden.

Wie ernst die Lage in Senioreneinrichtungen ist, verdeutlicht auch die Entwicklung in einem Pensionistenwohnhaus in Mariahilf. Dort haben sich laut "Heute" 33 der 250 Bewohner mit dem Coronavirus angesteckt. Allein auf einer Station sollen mehr als zwei Drittel aller Senioren erkrankt sein. Auch 14 Mitarbeiter wurden laut dem Bericht positiv getestet, darunter auch der Direktor des Wohnhauses.

Massentests starten

Am morgigen Freitag beginnt die zweite Runde der Corona-Massentests in Wien. Sie dauert bis zum 17. Jänner. Bereits rund 41.000 Menschen haben sich dafür angemeldet, wie Klaudia Tanner (ÖVP) und Hacker berichteten. Die Kapazität ist auf fast eine Million Untersuchungen ausgelegt.

An insgesamt drei Standorten kann die Bevölkerung das kostenlose Angebot eines Antigen-Schnelltests in Anspruch nehmen. Ist dieser positiv, kann sogleich ein PCR-Test absolviert werden. Getestet wird wie beim ersten Anlauf in der Stadthalle, der Messe Wien (Halle A und C) sowie in der Marx-Halle. Federführend organisiert wird die Aktion vom Österreichische Bundesheer. 1.200 Soldaten und Zivilbedienstete werden dieses Mal bereitgestellt, wie die Ministerin ausführte. Auch Mitarbeiter des Arbeitersamariterbundes und der Feuerwehr sind im Einsatz.

Magere Ausbeute im Dezember

Wer sich checken lassen möchte, muss sich anmelden. Dies ist auf der Plattform des Bundes https://oesterreich-testet.at möglich. Außerdem können Termine telefonisch unter 0800/220 330 gebucht werden. Die Hotline ist von 7.00 bis 22.00 Uhr erreichbar. Der Wiener Gesundheitsstadtrat schloss heute nicht aus, dass man wie beim ersten Mal auch wieder Testslots anbietet, für die keine Anmeldung nötig ist. Vorerst ist eine solche jedoch obligatorisch.

Im Dezember nahmen nur rund 235.000 Personen oder 13,5 Prozent der testberechtigten Wienerinnen und Wiener (Bevölkerung ab sechs Jahren, Anm.) an den Massentests teil. Nun ist die Kapazität erneut weit höher bemessen. Laut Hacker können exakt 918.000 Menschen untersucht werden. 117 Testlinien gibt es insgesamt. Die Öffnungszeiten wurden verlängert. Statt um 18.00 Uhr ist nun erst um 23.00 Uhr Schluss.

Er werde nicht überrascht sein, wenn man nicht 900.000 Menschen testen werde, sagte der Ressortchef: "Aber wir sind vorbereitet." In Wien stehen abseits der Massentest-Infrastruktur auch drei permanente Teststraßen zur Verfügung. Diese befinden sich im Austria Center, dem Happel-Stadion und auf der Donauinsel. Sie sollen weiter in Betrieb bleiben, wie Hacker betonte. Möglich sei lediglich, dass die Kapazitäten während der Massentests vorübergehend reduziert werden. (apa)