Seit Oktober 2005 präsentiert das Technische Museum Wien auf beachtlichen 2300 Quadratmetern unter dem Titel "Alltag - eine Gebrauchsanweisung" eine permanente Ausstellung, die den "Selbstverständlichkeiten des Alltags" und ihren technischen Entwicklungen nachspürt. Eines der zahlreichen gezeigten Objekte ist eine Innovation aus der Ära der beginnenden Elektrifizierung: der sogenannte Stromdieb.

"Vor dem ersten Weltkrieg waren die Ansprüche an elektrische Hausinstallationen hierzulande gering", erzählt Christian Stadelmann, der sich als Kustos im Technischen Museum viel mit den elektrotechnischen Pionierleistungen beschäftigt. Der elektrische Strom sei damals noch viel zu teuer gewesen, als dass man damit kochen oder heizen hätte können. Zwar habe es in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts schon eine Reihe von Elektrogeräten gegeben, allerdings sei die Anschaffung und der Betrieb für die meisten Menschen viel zu teuer gewesen.

Eine räuberische Innovation

Aus diesem Grund wurde in Wien bis in die 1920er Jahre nur "Lichtstrom" in Privathäuser eingeleitet. "Bei den schwach dimensionierten Leitungen war lediglich daran gedacht, ein paar Lampen im Haus zu speisen, und das auch nicht in jedem Zimmer", so Stadelmann. Abgerechnet wurde der Strom anno dazumal nicht, so wie heute, über einen Zähler, sondern pauschal für die jeweilige Anzahl der in einer Wohnung montierten Lampen.

Das erste elektrische Gerät, das schon vor dem Ersten Weltkrieg eine gewisse Verbreitung gefunden hatte, war das Bügeleisen. Es war im übrigen das erste Elektrogerät, welches - in Serie gefertigt - relativ preiswert angeboten wurde. Allerdings gab es in den Wohnungen anno dazumal noch keine Steckdosen. Abhilfe schuf eine Vorrichtung, die in Wien als "Stromdieb" respektive "Räuber" bezeichnet wurde.

Unerschwingliche Wasserkocher

Es handelt sich dabei um ein Zwischenstück, welches sich in die Lampenfassung einschrauben lässt. Während am unteren Ende die Glühbirne eingesetzt werden kann, bietet der obere Teil zwei Steckdosen, an die ein Bügeleisen und ein Wasserkocher angeschlossen werden konnten. Aber, wie schon erwähnt, konnten sich nur wenige Menschen andere Elektrogeräte leisten, weshalb die zweite Steckdose allgemein nur wenig genützt wurde.

Weil auch nach der Verbreitung dieser Innovation eine geraume Zeit lang der elektrische Strom pauschal - je nach Anzahl der im Haushalt vorhandenen Glühbirnen - abgerechnet wurde, fand der "Stromdieb" häufig im eigentlichen Wortsinn Verwendung.

Alltag - eine Gebrauchsanweisung

Dauerausstellung im Technischen Museum Wien

1140 Wien, Mariahilfer Straße 212

Mo bis Fr 9-18 Uhr;
Sa, So, Feiertag 10-18 Uhr

Tel. (01) 899 98/0, www.tmw.at