Mario Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, bei der Präsentation einer 1849 von Franz Uchatius entwickelten Ballonbombe. - © Martina Lex
Mario Christian Ortner, Direktor des Heeresgeschichtlichen Museums, bei der Präsentation einer 1849 von Franz Uchatius entwickelten Ballonbombe. - © Martina Lex

Sommer 1849: Im Feldzug gegen Venedig war es den österreichischen Truppen nach mehr als einmonatiger Belagerung noch immer nicht gelungen, die Stadt zur Übergabe zu zwingen. Es mangelte an Geschützen mit entsprechender Reichweite, um die Lagunenstadt vom Festland aus zu beschießen. Ein Vorgehen von der Seeseite her war hingegen aus Mangel an Schiffen nicht möglich gewesen.

In dieser Situation wandte sich der Feldmarschall Johann Josef Wenzel Graf Radetzky mit einem Schreiben an das k. k. Kriegsministerium in Wien: "Hauptquartier Verona den 2. Juni 1849. Ich habe in Erfahrung gebracht, daß der Herr Generalmajor von Hauslab eine Erfindung gemacht hat, Luftballons mit Bomben zu schleudern, womit vor seiner Majestät dem Kaiser vollkommen befriedigende Versuche angestellt worden seyn sollen.

Da diese Erfindung bei der im Zuge befindlichen Belagerung Venedig’s, von dessen uns nächsten Ufer wir noch immer 5000 Schritte entfernt sind, und wohin Projectile daher nicht reichen, Nutzen gewähren könnten, so stelle ich an ein hohes Kriegsministerium das ergebenste Ansuchen, mir mit möglichster Beschleunigung alle Mittel an die Hand zu geben, um diese Erfindung, wenn sie sich wirklich bewährte, vor Venedig in Wirksamkeit bringen zu können. Radetzky."

Erfolgreiche Versuche in Wien

Erfunden hatte die Ballonbombe aber nicht der von Radetzky ins Treffen geführte Franz von Hauslab, sondern Franz Uchatius, der gemeinsam mit seinem Bruder Josef Uchatius unter der Leitung Hauslabs mit seiner Erfindung in Wien zunächst experimentiert hatte. Von vier am 15. Mai 1849 auf der Kuppe des Laaerbergs gestarteten Ballons, welche anstelle von Bomben mit Sandsäcken belastet waren, wich nur einer von dem 9,5 Kilometer vom Aufstiegs-ort entfernt abgesteckten Zielpunkt zwischen Mannswörth und Fischamend um mehr als 85 Meter ab.

Die Absprengung der Bombe von dem unbemannten Ballon wurde dadurch erreicht, dass die Aufhängeschnur an einer Stelle durch einen Block Raketentreibsatz lief, zu dem eine langsam abbrennende Zündschnur führte, die geschulte "Bombardierer" vor dem Hochlassen des Ballons entflammten.

Schon bald nach den erfolgreichen Tests traf Radetzkys Anforderungsschreiben ein. Allerdings hatte der Erfinder Franz Uchatius ausgesprochenes Pech, denn als er mit seinen Ballonbomben bei Venedig eintraf, waren die herrschenden Luftströmungen für Ballonaufstiege überaus ungünstig.

Psychologische Wirkung

Da wegen der bestehenden Windverhältnisse ein Start vom Festland aus nicht möglich war, wurden die Ballone auf den Raddampfer "Vulkan" verfrachtet, um sie von der Seeseite aus starten zu lassen. Nach einem fehlgeschlagenen Versuch am 29. Juni 1849 explodierte die erste von einem Ballon getragene Bombe am 2. Juli in Murano. Obwohl auch weitere erfolgreiche Bombenabsetzungen gelangen, war der Aktion wegen Schlechtwetter und ungünstigen Winden letztlich kein allzu großer Erfolg beschieden.

Angeblich hatten die Bomben zwar eine gewisse psychologische Wirkung auf die Venezianer ausgeübt, jedoch erfolgte am 2. August 1849 die Kapitulation Venedigs aus anderen Gründen.

Print-Artikel erschienen am 18. März 2010
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7