Prof. Ernst Fuchs mit seiner Hypnosia-Skulptur. - © Johann Werfring
Prof. Ernst Fuchs mit seiner Hypnosia-Skulptur. - © Johann Werfring

Im Jahr 1972 kaufte der bedeutende österreichische Maler Ernst Fuchs in Wien-Penzing die von Otto Wagner erbaute Villa in der Hüttelbergstraße 26. In den nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten herrlich ausgestatteten ehemaligen Privatgemächern des Meisters des Phantastischen Realismus befindet sich heute das Ernst Fuchs Museum.

Im größten Raum der Villa ist die Skulptur der "Hypnosia" aufgestellt. Ernst Fuchs zählt sie unter den eigenen Schöpfungen zu seinen Lieblingsobjekten. Rund zehn Jahre lang hatte er sich in den 1970er und 1980er Jahren in verschiedenen Versionen mit diesem Sujet auseinandergesetzt.

"Es ist erträumt, was ich mache", bemerkt der Professor vor der Hypnosia-Skulptur über sein künstlerisches Schaffen. Außerdem komme der Mensch bereits programmiert zur Welt, sagt Fuchs. "Freilich", räumt er ein, "haben auch die weiteren Erlebnisse, vor allem in der Kindheit, eine starke Auswirkung auf das spätere Tun und Wirken".

Ein katholischer Rabbiner

Seine eigene Kindheit sei nicht gerade einfach gewesen. 1930 in Wien geboren, sah er sich im NS-Staat als "Mischling 1. Grades" zahlreichen Diskriminierungen ausgesetzt. Sein Vater und sein Großvater waren jüdischer Abstammung. Wegen der Machtergreifung der Nationalsozialisten musste sein Vater im Jahr 1939 nach Shanghai emigrieren.

Ein Lehrer in der Schule habe sich damals "aufgespielt wie ein kleiner Hitler", so Fuchs. Wurde er im Unterricht aufgerufen, dann hieß es "Jud’, komm raus!" (statt "Fuchs, komm raus", wie es sonst üblich war).

Um Schlimmerem zu entgehen, wurde er im Alter von zwölf Jahren römisch-katholisch getauft. Er selbst habe sich seinen Taufnamen ausgesucht: Ernst Peter Paul. Die beiden letzten Namensbestandteile habe er in Anspielung auf seinen Lieblingsmaler Rubens gewählt, erklärt Fuchs, der schon früh künstlerisch hervorgetreten war und als Wunderkind galt. In einem Raum des Ernst Fuchs Museums ist heute ein Kreuzigungsgemälde aus der Hand des jugendlichen Künstlers aus dem Jahr 1945 zu bewundern, das seine frühe meisterliche Anlage veranschaulicht.

Die starke künstlerische Fokussierung auf religiöse Sujets sei bereits in seiner Kindheit grundgelegt worden. "Der erste Heilige, den ich kannte, war mein Großvater", sagt Fuchs. Noch heute habe er den ins Gebet versunkenen alten Mann vor geistigem Auge, den der Knabe bei seiner weltentrückten, sakrosankten Handlung nicht stören durfte. In weiterer Folge habe er sich als heranwachsender Jugendlicher selbst zum Theologen ausgebildet. In Anspielung auf seinen diesbezüglichen Eifer habe sein Vater einmal zu ihm gesagt: "Du bist der erste katholische Rabbiner, den ich kenne".

Tatsächlich interessierte er sich für das Alte und das Neue Testament in gleichem Maße. Viele seiner Kunstwerke zeugen davon. "Und heute bin ich ein richtiger Kerzlschlicker", bemerkt der Professor augenzwinkernd. Ein im Museum ausgestelltes Foto zeigt ihn bei einer Privataudienz mit Papst Johannes Paul II.

Mutterhaus für visionäre Künste

In den 1990er Jahren war Ernst Fuchs in Österreich auch als Architekt tätig gewesen. Für Wien wünscht sich der Professor noch ein eigenes Museum für den Phantastischen Realismus – "als Mutterhaus für visionäre Künste", wo neben der bildenden und darstellenden Kunst auch die Musik ihren Stellenwert haben sollte.

Print-Artikel erschienen am 3. Dezember 2009
in der Kolumne "Museumsstücke"
In: "Wiener Zeitung", Beilage "ProgrammPunkte", S. 7