Seit Klestils Auszug steht die Hohe Warte 36 leer, und der Verfall schreitet fort. Foto: jaz
Seit Klestils Auszug steht die Hohe Warte 36 leer, und der Verfall schreitet fort. Foto: jaz

Dabei war der Verkauf durch die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG), bei dem etwas mehr als die damals kolportierten 8,1 Millionen Euro geflossen sein sollen, im Sommer 2007 unter Dach und Fach. Neo-Eigentümer Epam-Immobilien erklärte der "Wiener Zeitung" damals, auf dem rund 10.000 Quadratmeter großen Grundstück sollten statt der halbverfallenen, nicht denkmalgeschützten Villa "zwei schöne, moderne Wohnhäuser" entstehen. Um Anrainer und Stadtbildschützer zu beruhigen, versprach Peter Bertalaffany, Stiftungsherr der Immobiliengesellschaft, diesbezügliche Vorgaben von Bezirksvorsteher Adolf Tiller auf jeden Fall zu erfüllen.

"Schade um Bauplatz"

"Bei uns hat sich noch niemand gemeldet", berichtet Tiller heute. "Dabei ist es schade, wenn ein so schöner Bauplatz verkommt." Also keine Spur von Abriss und Neubau der alten Präsidentenvilla, in der einst Franz Jonas, Rudolf Kirchschläger, Kurt Waldheim und Thomas Klestil wohnten (Letzterer logierte zuletzt in einer Villa in Hietzing, Nachfolger Heinz Fischer blieb in seiner Wohnung in der Josefstadt).

Stattdessen verwildert das Grundstück, "es wachsen schon Bäume aus dem Parkplatz", wie es ein Nachbar drastisch formuliert. Nicht einmal den kleinsten Hinweis gebe es auf den Bauträger, der hier laut Widmung rund 4000 Quadratmeter verbauen dürfte - bis zu 10.000 Quadratmeter Nutzfläche kämen dann bei zweistöckiger Bebauung heraus, das wären zum Beispiel 65 Wohnungen zu je rund 150 Quadratmetern.

Noch in der Vorplanung

Von der Epam vertretenden Kanzlei Grigkar, der laut Tiller auch die Hohe Warte 34 gehört, ist nur zu erfahren, dass "wir erst in der Vorplanungsphase sind; der Architekt ist noch am Tüfteln." In einem halben Jahr hoffe man einen Baubeginn nennen zu können.

Darin könnte man freilich einen Verlust für Epam sehen: Hätte man die acht Millionen in diesen zwei Jahren anderweitig veranlagt, gäbe es jetzt einen Zinsertrag. Michael Möstl, Vorstand des Bauträgers Seeste, der im 19. Bezirk einige Projekte laufen hat, findet wiederum eine Planungsphase von 2,5 Jahren "sehr lang - schließlich hatte man ja wohl schon beim Kauf konkrete Pläne". Natürlich kann man noch viel Gewinn mit dem Baugrundstück machen. "Mehr Quadratmeter Wohnfläche bringen mehr Einnahmen", sagt Möstl. "Zu viel Verbauung mindert aber natürlich auch wieder den Wert." So denn bald gebaut wird.