Ein Raub der Flammen wurde das Heck der Ulf-Straßenbahn. Foto: www.strassenbahnjournal.at
Ein Raub der Flammen wurde das Heck der Ulf-Straßenbahn. Foto: www.strassenbahnjournal.at

Denn laut der herbeigeeilten Wiener Feuerwehr "stand der Heckbereich der Garnitur in Vollbrand"; die in der Tramway befindlichen Fahrgäste konnten trotz starker Rauchentwicklung noch rechtzeitig entkommen, sodass letztlich niemand verletzt wurde.

"Hydrauliköl ist schuld"

Dennoch wirft der Zwischenfall, der sich kurz vor 17 Uhr an der Ecke Laxenburgerstraße/Troststraße in Favoriten ereignet hat, viele Fragen auf - zum einen nach der Brandursache. Während offiziell noch untersucht wird, dürfte laut einem Techniker der Wiener Linien ein Hydraulikdefekt, der sich im hintersten Portalbogen ereignet hat, schuld sein. "Das passiert bei den Ulf permanent. Mal läuft nur Hydrauliköl aus, mal kommt es zu Verrauchungen - und manchmal auch zu richtigen Bränden", erklärt der Techniker (Name der Redaktion bekannt). Aus dem Vorjahr sind drei Fälle dokumentiert, wo es zu schwerer Rauchentwicklung bzw. einem Feuer im Ulf gekommen ist - nicht jedoch in einem solchen Ausmaß wie nun beim 67er.

Und erst vor zwei Wochen kam es bei einer Niederflurtram auf der Linie 44 zu einem Feuerwehreinsatz aufgrund eines Hydraulikgebrechens. "Ein grundsätzlicher Konstruktionsfehler, ganz klar", meint der Techniker, der zugleich vor einer Brandkatastrophe warnt: "Kommt es auf einer der Unterflurstrecken zu einem Feuer, kann dasselbe wie in Kaprun passieren. Denn auch damals war ja Hydrauliköl im Spiel."

Genau aus diesem Grund hatte das Arbeitsinspektorat des Verkehrsministeriums im Vorjahr Alarm geschlagen: Da die Ulf-Garnituren einen hohen Kunststoffanteil aufwiesen, sei die Gefahr bei Feuer im Tunnel ungleich größer als bei alten Straßenbahnen. Zusammen mit unzureichend ausgestatteten Tunnels und Bahnsteigen ergebe sich laut dem Ministerium eine Situation, in der die "Schienenfahrzeuge den Sicherheitszielen hinsichtlich Brandschutz und Evakuierung nicht entsprechen"; und obwohl das Ministerium "unverzüglich Maßnahmen zur Beseitigung der unmittelbar drohenden Gefahren" forderten, kam es offenkundig zu keinerlei Verbesserungen - zumindest punkto Sicherheit für Fahrgäste. Die Lenker hingegen verfügen seit dem Vorjahr über Atemschutzmasken, um im Katastrophenfall 20 Minuten im verrauchten Tunnel überleben zu können.

Zum aktuellen Vorfall verweigern die Wiener Linien gegenüber der "Wiener Zeitung" jegliche Stellungnahme - ebenso wie übrigens auch der Ulf-Erbauer Siemens. Damit bleiben viele Fragen offen, etwa auch jene, warum die Verkehrsbetriebe den Vorfall tunlichst nicht an die Öffentlichkeit bringen wollten und es dazu nur eine knappe Aussendung der Feuerwehr gibt. Bis dato hieß es in internen Mitteilungen der Wiener Linien zu den vielen Hydraulikschäden immer nur, diese seien "völlig unspektakulär".

Brand-Zug fuhr weiter

Bemerkenswert ist auch, dass die betroffene Garnitur - trotz Brandschadens - wieder unter Strom gesetzt wurde und selbständig in die Remise fuhr. "Dabei gibt es klare Anweisungen, dass aus Sicherheitsgründen nur abgeschleppt werden darf", erklärt der Techniker.

Nicht nur deshalb forderten die Grünen am Montag "volle Aufklärung".