Wie die "Wiener Zeitung" schon mehrfach berichtet hat, kämpft die Firma "Naturbestattung-GmbH" schon seit Jahren für alternative Begräbnis-Rituale und -stätten in Österreich. Weil die Gesetzeslage äußerst restriktiv war, musste Geschäftsführerin Elisabeth Zadrobilek zunächst ins Ausland ausweichen, um die Wünsche ihrer Kunden zu befriedigen: In Pressburg (Slowakei) wurde die Asche von Verstorbenen über einer Blumenwiese verstreut, in einem Schweizer Alpenbach oder in der Adria wurden See-Bestattungen durchgeführt. Das Wiener Projekt mit dem Titel "Wald der Ewigkeit" auf einem 2500 Quadratmeter großen Fleck Wienerwald an der Mauerbachstraße konnte mangels Genehmigung durch die Stadt Wien nicht gestartet werden. Der Gedanke dahinter: Eine aus biologisch abbaubarem Material gefertigte Urne (siehe Bild) wird bei den Wurzeln eines Baumes vergraben; die Asche wird dann langsam von den Wurzeln aufgelöst - wodurch die sterblichen Überreste gleichsam im Baum weiterleben.

Als Zadrobilek mit ihrem Privatfriedhof-Plan auch beim Verwaltungsgerichtshof abblitzte, schwand ihre Hoffnung immer mehr. Eher zufällig kam die Geschäftsfrau aber doch noch zu einer Genehmigung: "Eine Witwe, deren Mann ein Naheverhältnis zu den Bundesforsten hatte, kam mit ihrer Urne zu mir - und wollte sie unbedingt dort bestattet haben. Denn das Waldstück steht im Eigentum der Bundesforste", berichtet Zadrobilek. Nachdem sie zunächst eine Absage erteilen musste, kam ihr plötzlich die Idee, wie es doch gehen könnte. "Ich habe beim Magistrat um eine Einzelgenehmigung für eine private Begräbnisstätte angesucht - und siehe da, die habe ich bekommen!", frohlockt die Geschäftsfrau.

Sechs Urnen bestattet

Mittlerweile wurden in Mauerbach bereits sechs Urnen unter Bäumen vergraben. "Somit gibt es erstmals professionelle Baum-Bestattung in Österreich." Zadrobilek vermutet, dass es aufgrund der großen Nachfrage nach dieser alternativen Begräbnis-Form zu einem Umdenken im Wiener Magistrat gekommen sei. "Allein für den ,Wald der Ewigkeit gibt es rund 500 Anfragen." Außerdem sei diese Form vergleichsweise kostengünstiger - inklusive Verbrennung seien einmalig rund 2500 Euro zu bezahlen. Dauerhafte Friedhofsgebühren oder Grabkosten gebe es keine.

Laut der Leiterin der zuständigen MA40 (Gesundheitsrecht), Renate Pommerening-Schober, sei es gewiss zu keinem Sinneswandel gekommen: "Bezüglich Friedhöfen gibt es einfach strenge Gesetze, die nicht erfüllt werden konnten. Die Möglichkeit, dass Urnen auf Privatbegräbnisstätten beigesetzt werden, existiert aber schon länger." In diesem Fall würden die Urnen eben nicht am Nachtkästchen oder im Schrebergarten abgestellt, sondern in einem öffentlichen Waldstück; rund 50 Anträge für Privatbegräbnisstätten gibt es pro Jahr in Wien - jeder werde einzeln geprüft, und die Stätten auch nachträglich kontrolliert.

Laut Pommerening-Schober ist letztlich die Zustimmung des Grundbesitzers notwendig (in diesem Fall der Bundesforste) und der Hinterbliebenen (die "Naturbestattung-GmbH" erledigt diesen Behördenweg). Die MA40-Leiterin steht der Idee auch positiv gegenüber: "Vielen Menschen gefällt der Gedanke, im Kreislauf der Natur weiterzuleben. Warum also nicht?" Angehörigen müsse freilich klar sein, dass im Wald weder Kerzen, noch Steine oder Einfriedungen erlaubt sind. "Es schaut halt nicht aus wie ein Grab."

Donau und Weinstöcke

Auch in Sachen Wasserbestattung hat Zadrobilek übrigens schon Erfolge verbuchen können: Seit März 2008 hat sie die Erlaubnis, die Asche Verstorbener in der Donau zu versenken - allerdings nur in Niederösterreich. "Hier habe ich die Zulassung der Landesregierung bekommen. Ich konnte den Wunsch schon 20 Mal erfüllen."

Auch ihr nächstes Projekt steht schon fest: Statt Bäume sollen es Weinstöcke sein - "ein Weingarten mit Blick auf Wien ist schon ausgesucht", verrät Zadrobilek. Dieser Gedanke stecke sogar schon in der Heiligen Schrift: "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht." (Joh.15,1-17)