Ob die 30 blauen "Mistkappler" von jedem gleich erkannt werden, ist aber fraglich - denn diese Farbe ist in der bunten Welt der städtischen Wachtruppen bereits doppelt vergeben: an die "Parksheriffs" und die Rathauswache. Und überdies werden etliche Aufgaben der neuen Müllpolizei bereits durch Organe der Naturwacht wahrgenommen. Selbst gelernte Wiener tun sich in der richtigen Kapperlkunde schwer - angesichts der sechs verschiedenen Wachdienste und mehr als 500 Kapperlträger ist es nicht leicht zu wissen, wer wofür (nicht) zuständig ist.

Ein Kuriosum sind etwa die zwei verschiedenen Truppen für parkende Autos - "Blaukappler" und "Weißkappler" : Während Erstere nur die Scheine in der Kurzparkzone kontrollieren, sind Zweitere für Falschparker in Verbotszonen zuständig. Beide gehören zur MA67 (Parkraumüberwachung) und werden auch gleich bezahlt - die "Weißen" unterstehen aber der Verkehrspolizei, um diese zu entlasten. Daher auch die Mützenwahl: "Weiß ist die Farbe der Verkehrspolizei, Blau soll die blaue Kurzparkzone symbolisieren", erklärt MA67-Sprecher Michael Hribal.

In der Praxis sorgt diese Doppelgleisigkeit manchmal für Kopfschütteln, wie auch Hribal gestehen muss. Wird etwa ein "Weißkappler" aufgefordert, ein seit Tagen unerlaubt in der Kurzparkzone stehendes Auto entfernen zu lassen oder zu strafen, muss er sich für unzuständig erklären. Nur in schwerwiegenden Fällen würden dann die "Blaukappler" um Amtshilfe ersucht, so Hrabil.

Mehr Macht haben jedenfalls die 104 "Weißen": Wie die 185 blauen Kontrollorgane stellen sie Organmandate und Anzeigen aus - dürfen aber auch Ausweise fordern. "Bei Verweigerung wird anhand der Kfz-Nummer eine Anzeige fällig", erklärt Karl Wammerl, Leiter der Verkehrspolizei.

Nur auf den Amtswegen (und nicht thematisch) in die Quere kommt die Rathauswache den beiden anderen blauen Rathaustruppen. Organisatorisch der Feuerwehr zugeordnet, bewacht die 98 Mann starke Truppe alle städtischen Amtsgebäude - entweder bestückt mit legeren Baseballmützen oder festlichen, rot-umrandeten Kappen. Das Hoheitsgebiet endet im Rathaus freilich an der Pforte: "Wir können Personen mit angemessener Gewalt den Zutritt verwehren. Außerhalb haben wir nicht mehr Rechte als jeder Bürger", erklärt Wache-Chef Gerhard Mondschein. Unter Feuerwerkern ist diese Kopfbedeckung freilich verpönt: "Wir tragen ja normal einen stolzen Helm." Eine Wache "Oben ohne" würde aber zu wenig respekteinflößend sein . . .

Das Kapperl längst abgegeben haben hingegen die Kontrolleure der Wiener Linien - der Name "Schwarzkappler" ist ihnen aber geblieben. Diente es früher dazu, sich von den graubzw. blau-uniformierten Fahrern zu unterscheiden, sind sie heute meist in Zivil unterwegs. Was ihre Rechte betrifft, wird die 70-Mann-Truppe unterschätzt: Sie darf nämlich sehr wohl Schwarzfahrer gegen ihren Willen bis zum Eintreffen der Polizei festhalten - dies wurde zuletzt durch ein OGH-Urteil bestätigt. Laut Wiener Linien wird die Methode jedoch in der Praxis nur "schonend" umgesetzt.

Die unbekannte Natur-Polizei


Nicht unterschätzen sollte man auch die Macht der Wiener Naturwacht : Wer etwa glaubt, illegal in einer Wiese parken und die Abmahnung durch eines der 40 schwarz bekappten Organe belächeln zu können, der irrt gewaltig. Denn die Naturwächter sind zwar vereinsmäßig organisiert, unterstehen aber der MA22 (Umweltschutz) und sind vom Magistrat vereidigt. "Kraft Paragraf 45 des Naturschutzgesetzes dürfen wir Ausweise verlangen, Taschen durchsuchen und Personen anhalten", erklärt Landesleiter Alfred Bedrava. Pro Jahr bringen sie es in ihren von der Polizei erworbenen grünen Dienstjacken auf 1000 Anzeigen - und wie die "Waste Watcher" gehen auch sie scharf gegen Müllsünder in der Natur vor.

Kapperl-Farbenlehre: Blau sind die "Parksheriffs" (1), die Rathauswache (2) und die neuen "Waste Watcher" (5); schwarz die Naturwacht (3) und früher die Wiener-Linien-Kontrolleure (4); weiß die Organe der Parkraumüberwachung (6). Fotos: Magwien (2), WL, Bedrava, Newald, Birklbauer
Kapperl-Farbenlehre: Blau sind die "Parksheriffs" (1), die Rathauswache (2) und die neuen "Waste Watcher" (5); schwarz die Naturwacht (3) und früher die Wiener-Linien-Kontrolleure (4); weiß die Organe der Parkraumüberwachung (6). Fotos: Magwien (2), WL, Bedrava, Newald, Birklbauer

Nicht nur aus diesem Grund wird die Wiener Kapperl-Vielfalt von Experten kritisch gesehen. Der Unternehmensberater Robert Kremlicka von "A.T. Kearney" etwa sieht ein Einsparungspotenzial von mindestens zehn Prozent, wenn man die Einheiten organisatorisch zusammenfasst. So sollte ein Personal-Pool geschaffen werden, um Mitarbeiter in mehreren Bereichen einsetzen zu können. "Alles wird nicht gehen, aber dass ein Parkscheinkontrolleur auch Schwarzkappler sein kann - das sehr wohl", meint Kremlicka.

Ob dann auch ein Einheitskapperl her muss, sei sekundär. Ganz ohne wird es laut dem Soziologen Roland Girtler aber nie gehen: "Kapperl sind wie Kronen bei Königen Symbole der Macht. Früher durfte der Bauer im Wirtshaus den Hut aufbehalten - der Knecht nicht." Mit "Beamten-Kronen" könne man sich gegen andere erhöhen, und "man kann sich auch unter ihnen verstecken", so Girtler.