"Generalvolksanwalt" Lipburger in seiner Republiks-Kugel.
"Generalvolksanwalt" Lipburger in seiner Republiks-Kugel.

Damals, das war im Jahr 1976 in Katzelsdorf (NÖ). Dort errichteten Edwin Lipburger und sein Sohn Klaus erstmals ihre hölzerne Kugel, "und zwar auf einer Grundfläche von nur einem Quadratmeter", wie der Bauherr betont. "Ich wollte nicht die Landschaft unnötig verderben, wie es heute üblich ist." Sein Gebäude kam allerdings in Konflikt mit der Bauordnung, die nämlich von Wänden und Decken ausgeht. "Die Kugel hat aber keine Fassade und kein Dach, sondern ist eine einzige Fläche mit 360 Grad." In der Folge sei er samt seiner "Republik Kugelmugel" aus Katzelsdorf vertrieben worden, erzählt der 79-Jährige noch heute empört.

Verbale Attacken gegen Altbürgermeister Helmut Zilk


Auf der Suche nach einem neuen Territorium für seine Republik landete er schließlich in Wien. "Bürgermeister Leopold Gratz bot uns das 100-Quadratmeter-Grundstück beim Prater an", so Lipburger. Die Freude habe aber nur kurz gewährt, denn schon bald habe ihm die Gemeinde das Leben schwer gemacht. "Obwohl wir uns immer ans Gesetz gehalten haben, wurden wir einfach kaltgestellt", tobt der Generalvolksanwalt auch heute, zwei Jahrzehnte nachdem der Streit mit der Stadt Wien begonnen hat.

Der Konflikt, der sich bis heute hinzieht, gipfelte im Jahr 1988 in einem handfesten Politskandal. "Ausgerechnet SPÖ-Bürgermeister Helmut Zilk, der mir 1981 als Kulturstadtrat angeboten hatte, nach Wien zu kommen, hat nachweislich vor Gericht falsch ausgesagt", behauptet Lipburger und kramt einen Zeitungsausschnitt zu der Causa hervor. "Zilk hat sämtliche Vereinbarungen nicht eingehalten, daher habe ich ihn damals auf die Watch-List von Kugelmugel gesetzt." Noch heute kocht die Volksseele in der Republik (610 universelle Staatsbürgerschaften samt Personalausweisen), wenn die Rede auf den Wiener Altbürgermeister kommt.

Mittlerweile heißt der zuständige Bürgermeister Michael Häupl, und dessen Behörde hat den skurrilen Rechtsstreit mit Lipburger geerbt. Die Angelegenheit ist mittlerweile ein Fall für den Verwaltungsgerichtshof, davor hat sich schon der Verfassungsgerichtshof ergebnislos damit befasst. Noch im heurigen Jahr wird ein Urteil darüber erwartet, ob erstens die Gemeinde Wien das Recht hatte, Lipburger Strom und Wasser abzudrehen, und ob es sich zweitens bei der Kugel um ein sogenanntes Superädifikat handelt - also ein Bauwerk, das befristet auf fremdem Grund errichtet werden darf.

Kein Verständnis bei den Praterunternehmern


Laut Grundbuch gehört Lipburgers "Staatsgebiet" im Prater nämlich nach wie vor der Gemeinde Wien, so die Baupolizei. Das bestätigten auch einige Praterunternehmer auf Nachfrage der "Wiener Zeitung". Wobei sie auf den Namen Lipburger eher allergisch reagierten: "Der will doch nur Publicity! Seine Kugel steht kostenlos hier und er beschwert sich auch noch! Furchtbar!"

Kugelmugels "Generalvolksanwalt" pocht dennoch "auf meine Rechte": Ihm solle endlich eine entsprechende Bauwidmung erteilt werden - samt Aufschließung des Grundstückes (mit Trinkwasserversorgung und Abwasserbeseitigung). Um seine Argumente zu untermauern, sammelt der rüstige Pensionist einen Bauordnungs-Präzedenzfall nach dem anderen aus ganz Österreich.

Und mittlerweile hat er auch das Internet als Sprachrohr entdeckt. Auf der Republiks-Website verlautbart der "Republikspräsident" nicht nur aktuelle Informationen zu den laufenden Entwicklungen, sondern poltert auch in Wort und Bild gegen "Pseudosozialismus", führt die "Liga der Enttäuschten" an und propagiert das Kugelmugel-Haus als "Parlament der Nichtwähler".

Bis sein Fall geklärt ist, will er keine Ruhe geben, betont Lipburger, denn "den Prozess können wir nur gewinnen". Nachsatz: "Aber am liebsten würd ich mit meiner Republik woanders hinziehen. Mit Österreich kann ich nicht mehr, die haben mir 25 Jahre meines Lebens gestohlen."