Fraisenhaube im Volkskundemuseum, Leinen, 19. Jahrhundert. - © Österreichisches Museum für Volkskunde
Fraisenhaube im Volkskundemuseum, Leinen, 19. Jahrhundert. - © Österreichisches Museum für Volkskunde

Die "Fraisen" (Kinderkrampf, "Eclampsia infantium" ) zählten früher einmal zu den gefürchteten Kinderkrankheiten. Die vorwiegend konvulsivischen Erscheinungen bei Kindern führte man in der Frühen Neuzeit auf heftige Gemütsbewegungen wie Schreck, Furcht und Kummer zurück, welche die Mutter während der Schwangerschaft erlitten hatte. In diesem Zusammenhang verweisen Sprachforscher darauf, dass sich der Ausdruck "Fraisen" vom mittelhochdeutschen Wort "vreise" herleitet, was so viel wie Wut, Schrecken oder Angst bedeutet.

Weil gegen die Fraisen anno dazumal nur unzulängliche medizinische Mittel zur Verfügung standen, versuchte man die Erkrankung bereits im Wege der Prophylaxe abzuwenden. Aus diesem Grund wurde schon der Gebärenden eine Fraisenhaube aufgesetzt. Vermittels der auf der Haube aufgemalten religiösen Sujets sollte dem Baby die Krankheit bereits bei der Geburt vom Hals geschafft werden. Sofern das Kind aber dennoch erkrankte, setzte man auch ihm ein Fraisenhäubchen auf. Beliebte Motive solcher Kopfbedeckungen waren vor allem Muttergottesbilder sowie Darstellungen des heiligen Valentin, der als Patron der Fallsüchtigen (Epileptiker) auch für die Fraisen zuständig war.

Daneben gab es in vorindustrieller Zeit eine Vielzahl (aus heutiger Sicht kurioser) Heil- und Präventivmittel gegen Fraisen. Beispielsweise soll das Auflegen lebendig auseinander gerissener, blutig-warmer Hühner und Tauben auf den Kopf oder Körper der Patienten sehr genützt haben. Eine angeblich probate Methode zur Verhütung der Fraisen bestand darin, einer Aalraupe – das ist ein Süßwasserfisch mit froschähnlichem Schädel – lebendig den Kopf abzubeißen, diesen zu dörren und sodann in pulverisierter Form dem Kindlein noch vor der Taufe einzugeben. Ein in ähnlicher Weise gewonnener Mäusekopf kam hingegen lediglich als Amulett zur Anwendung. Zudem gab es – neben der Fraisenhaube – noch viele weitere religiöse Mittel, die in Mariazell sowie an anderen Orten feilgeboten wurden.