"Die Vier" waren auch mit russischen Fahrzeugen vom Typ Pobjeda GAZ M-20 unterwegs. Raymond G. Henderson, USA
"Die Vier" waren auch mit russischen Fahrzeugen vom Typ Pobjeda GAZ M-20 unterwegs. Raymond G. Henderson, USA

Ein Foto in der Ausstellung "Das neue Österreich" im Oberen Belvedere zeigt unter dem Titel "Die Vier im Jeep" eine besondere Szene aus dem nachkriegszeitlichen Wien. Um die Darstellung lebendiger erscheinen zu lassen, haben die Ausstellungsmacher das Bild mit einer originalen Jeep-Kühlerverkleidung sowie mit aufgesteckten Fähnchen der vier Besatzungsmächte kombiniert.

Als am 11. September 1945 in Wien erstmals der Alliierte Rat zusammentrat, nahmen auch die Interalliierten Militärpatrouillen ihren Dienst auf. In jeder der vier Wiener Besatzungszonen wie auch im 1. Bezirk, der unter interalliierter Verwaltung stand, versah jeweils ein eigener Wagen Dienst. Weitere fünf Fahrzeuge standen für mögliche Ausfälle in Bereitschaft. Aufgabe der Interalliierten Militärpatrouillen war die Aufrechterhaltung der Ordnung und die Wahrung der Sicherheit in der Stadt.

Im Volksmund wurden die Angehörigen der Interalliierten Militärpatrouillen alsbald "Die Vier im Jeep" genannt. Jedoch ist zu vermerken, dass zunächst nur drei Soldaten im Jeep Dienst versahen. Erst ab 27. September stellten nämlich die Franzosen den vierten Mann. Dass die volkstümliche Bezeichnung über die Landesgrenzen hinaus gebräuchlich wurde, beweist der 1951 in Zürich uraufgeführte Spielfilm "Die Vier im Jeep", und selbst heute noch sind hierzulande die Interalliierten Militärpatrouillen fast ausschließlich unter diesem Namen bekannt.

Weil der Jeep auf Dauer unkomfortabel war, stiegen "Die Vier" im November 1946 auf den Dodge um. William Pastor, USA
Weil der Jeep auf Dauer unkomfortabel war, stiegen "Die Vier" im November 1946 auf den Dodge um. William Pastor, USA

Indes war der Jeep in den zehn Besatzungsjahren nur kurz im Einsatz gewesen. Da dieser Fahrzeugtyp aufgrund seiner beengenden Ausstattung bei ständigem Gebrauch ziemlich unkomfortabel war, stieg man schon im November 1946 auf den geräumigeren Dodge WC 57 um. Beide Fahrzeuge hatten die Amerikaner beigestellt, weshalb jeweils der amerikanische Soldat chauffierte. In jenen Monaten, in denen die Sowjets im Alliierten Rat den Vorsitz hatten, fuhren "Die Vier" in russischen Autos vom Typ Pobjeda GAZ M-20. Zeitweise zumindest, denn Berichten von US-Veteranen zufolge gab es bei den Pobjedas häufig reparaturbedingte Ausfälle. Vom März 1953 bis zur letzten Ausfahrt der Patrouille am 14. September 1955 sah man "Die Vier" im luxuriösen Chevrolet 51 Sedan durch die Stadt kutschieren.

"Die Vier im Jeep" am Opernring. Installation in der Ausstellung "Das neue Österreich" im Oberen Belvedere. Lisa Rastl
"Die Vier im Jeep" am Opernring. Installation in der Ausstellung "Das neue Österreich" im Oberen Belvedere. Lisa Rastl

Das Verhältnis der "Vier" dürfte anfangs, wenn nicht gerade herzlich, so doch einigermaßen entspannt gewesen sein, denn wie berichtet wird, ließen sich manche russische Patrouillenteilnehmer mitunter sogar in amerikanische Clubs einladen. Mit der Berliner Blockade im Juni 1948 änderte sich die Situation jedoch schlagartig. Von nun an wurde von den Sowjetsoldaten die bislang gepflogene Gemeinschaftssprache Deutsch nicht mehr gesprochen. Die zuvor gerne angenommene amerikanische Zigarette lehnten die Russen jetzt mit einem unwirschen "njet" ab, wie ein ehemaliger US-Patrouillenteilnehmer überliefert.

Ab März 1953 fuhren "Die Vier" von der Interalliierten Militärpatrouille mit Autos der Marke Chevrolet. Archiv Vaszarics
Ab März 1953 fuhren "Die Vier" von der Interalliierten Militärpatrouille mit Autos der Marke Chevrolet. Archiv Vaszarics

Streng genommen handelt es sich auf dem Ausstellungsfoto gar nicht um das Fahrzeug einer Interalliierten Militärpatrouille, zumal feststeht, dass deren Jeep immer von den Amerikanern beigestellt wurde. Der Union Jack an der Stoßstange sowie die Aufschrift unterhalb des Autofensters machen deutlich, dass es ein Gefährt der britischen "Militärpolizei" gewesen ist. Insofern ist es auch fraglich, ob die dargestellten vier Personen tatsächlich Angehörige einer "Interalliierten Militärpatrouille" waren. Es ist zu vermuten, dass die Aufnahme zustande kam, als der Jeep bei der Interalliierten Militärpatrouille längst nicht mehr im Einsatz stand.

Für Beratung und Beistellung von Fotos danken wir Dr. Hubert Prigl und Paul Vaszarics.

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DAS NEUE ÖSTERREICH. Ausstellung zum Staatsvertragsjubiläum 1955/2005 (bis 1. 11.), Oberes Belvedere, 1030 Wien, Prinz Eugen-Str. 27, Di-So: 10-18, Do bis 21 Uhr.