Unter dem Titel "80 Jahre Österreichischer Rundfunk" zeigt das Österreichische Staatsarchiv im Hofkammerarchiv eine Ausstellung zur wechselvollen Geschichte des ersten öffentlichen heimischen Radiosenders RAVAG ("Österreichische Radio-Verkehrs AG"), der im Mai 1953 in "Österreichischer Rundfunk" umbenannt wurde. Der Ausstellungsort in der Johannesgasse 6 ist außerordentlich gut gewählt, zumal einerseits das Funkhaus einst im Nachbarhaus seinen Sitz hatte und andererseits das Österreichische Staatsarchiv, zu dessen Unterabteilungen das Hofkammerarchiv zählt, sämtliche Unterlagen zur RAVAG im "Archiv der Republik" verwahrt. Der Zeitrahmen reicht von der Gründung der RAVAG am 30. September 1924 über den Juli-Putsch 1934, von dem das Funkhaus in der Johannesgasse betroffen war, bis zur Übernahme durch die deutsche Reichsrundfunkanstalt 1938/39 und die Wiedererrichtung nach dem Zweiten Weltkrieg bis zum Ende der Besatzungszeit 1945. Wieder einmal hat der Böhlau-Verlag rechtzeitig zur Ausstellung interessante Publikationen herausgebracht.

Nachdem bereits im 18. Jahrhundert Ideen zur verkabelten Telegraphie aufgekommen waren und diese ab dem beginnenden 19. Jahrhundert umgesetzt wurden, gelangte 1893 der in Budapest lebende Tivadar Puskas zur Erkenntnis, dass das Telegraphenkabelnetz auch für die akustische Verbreitung von Nachrichten genützt werden könne. Am 15. Februar 1893 hörten die ersten 60 Teilnehmer folgende Ansage: "Wir grüßen die Bevölkerung von Budapest. Wir grüßen Sie auf diesem höchst unüblichen Wege ohnegleichen, beispiellos auf der ganzen Welt . . .". Ein Jahr später hatte das neue – vorläufig noch verkabelte – Medium bereits 1000 Abonnenten.

Ein weiterer Entwicklungsschritt zum modernen Radio war vollzogen, als der italienische Physiker Guglielmo Marconi 1894 die erste drahtlose Telegraphie zustande brachte. Dass mit dem neuen drahtlosen Medium nicht nur Schrift, sondern auch Sprache und Musik übertragen werden konnte, bewies am 15. Juni 1904 ein junger Österreicher namens Ing. Otto Nußbaumer am Physikalischen Institut Graz. Bei seinem historischen Versuch sang Nußbaumer die steirische Hymne "Hoch vom Dachstein an" in ein Mikrophon, die in einer Entfernung von 20 Metern klar und ohne Nebengeräusche aus einem Hörer erklang. Angeblich hatte der erfinderische Steirer wenig später die neue Funkanlage auch gleich benützt, um seiner Herzensdame einen Heiratsantrag zu machen.