Wien.

Blühende Grün-Oase als Anziehungspunkt für Groß und Klein: der "Sensengarten" in Wien-Alsergrund. Fotos:Mayr
Blühende Grün-Oase als Anziehungspunkt für Groß und Klein: der "Sensengarten" in Wien-Alsergrund. Fotos:Mayr
Nur ein paar Steinwürfe von der Ringstraße entfernt, öffnet sich für den Besucher ein farbenfroh blühendes Fleckerl mitten in der Stadt: Drei Meter hohe Sonnenblumen strecken ihre Köpfe in den Himmel, darunter baumeln stachelige Gurken von einem Rankgerüst, nebenan dicke, dunkelrote Tomaten auf unter der Last ächzenden Ästen. Und überall viele Blumen: Cosmea in allen Tönen, Ringelblumen, Prunkwinden, die sich um einen kleinen Holzzaun wickeln.

Neben dem Uni-Sportplatz in der Alsergrunder Sensengasse wucherte vor wenigen Monaten noch das Unkraut in einer braunen Rindenmulch-Wüste. Mit Unterstützung des Rathauses, das seit heuer sogenannte Grätzel- und Gemeinschaftsgärten fördert (die "Wiener Zeitung" berichtete), haben die dortigen Bewohner nicht nur eine urbane Grünoase geschaffen, sondern auch einen ungenutzten Fleck zu einem Ort der Begegnung gemacht. "Der größte Erfolg am Projekt ist die erhöhte Kommunikation mit den Nachbarn", resümiert Gerald Saurugg, ein Initiator des "Sensengartens". Denn beim Tomaten-Tratsch im Garten ist die Anonymität der Großstadt aufgehoben.

Alsergrunder Kürbis.
Alsergrunder Kürbis.

Der "Sensengarten" ist laut der Online-Plattform www.gartenpolylog.org einer von bereits 25 Gemeinschaftsgärten in Wien, die sich auf elf Bezirke aufteilen. Gemäß dem Regierungsprogramm soll es pro Bezirk einen solchen, öffentlich zugänglichen Gemüsegarten geben - wobei sich die Suche nach geeigneten Flächen vor allem in den inneren Bezirken eher schwierig gestaltet. Laut Umweltstadträtin Ulli Sima sind nun aber Projekte im Landstraßer Arenbergpark und im 8. Bezirk geplant.

Probleme, ein geeignetes Fleckerl zu finden, hatten die elf City-Farmer in der Sensengasse nicht. Denn zwischen den Baukörpern des Wohnparks hat der Bauträger jede Menge Flächen mit pflegeleichten, aber wenig attraktiven Ziergewächsen hinterlassen. Allerdings galt es, zunächst die anderen 90 Wohnungseigentümer von der Garten-Idee zu überzeugen, ehe das auserkorene 55 Quadratmeter große Plätzchen in gemeinsamer Anstrengung an einem ganzen Maitag umgestaltet wurde.

Vor allem die beinharte Erde machte zu schaffen - mitunter half nur der Griff zur Spitzhacke: "Wir stießen auf so viel Lehm, dass wir eine Töpferei aufmachen hätten können", scherzt Saurugg. Schließlich wurde die von der Stadt angelieferte Bioerde zu einer fruchtbaren Mischung eingeackert; außerdem stellte das Stadtgartenamt Werkzeug gratis bereit. Das gemeinsame Arbeiten war jedenfalls das große Ereignis in der Anlage - bei dem allen voran die Kinder mit Begeisterung mitwerkten.