Nicht nur im Stall, auch während des Stehens könnten sich die Pferde laut den Fiakern entspannen. Foto: flor
Nicht nur im Stall, auch während des Stehens könnten sich die Pferde laut den Fiakern entspannen. Foto: flor

40 Prozent der Wiener haben einer am Dienstag vorgestellten stadtpsychologischen Studie zur "Situation der Fiaker" zufolge Mitleid mit den Pferden. "Es gibt sicherlich schwarze Schafe unter den Fiakern, die ihre Pferde nicht so gut behandeln", sagt Michelfeit. Dass darunter aber die gesamte Branche leiden müsse, findet sie "sehr schade". Überhaupt wünscht sie sich ein "differenziertes Bild von den Fiakern" - einige ihrer Tiere hätte sie sogar vor der "Wurstsemmel gerettet". Und prinzipiell sei das Kutschenziehen eine "sehr artgerechte Haltung" der Pferde: "Sie tragen kein Gewicht und bewegen sich im gemächlichen Tempo voran", erklärt die Unternehmerin. Zudem würden die Pferde ja nicht den ganzen Tag durchlaufen, sondern könnten sich auch während des Stehens entspannen.

"Pferde brauchen Job"

Von ihren 26 Tieren werden die Hauptpferde - jene im Alter zwischen acht und zwanzig Jahren - drei bis vier Tage pro Woche vor den Fiaker gespannt, jüngere und ältere Tiere ein bis zwei Mal. "Pferde sind Arbeitstiere, sie brauchen einen Job", findet Michelfeit. An den "freien Tagen" würden die Pferde zudem auf die vier Koppeln rund um die ehemalige Chamottefabrik gebracht.

Seit 300 Jahren gibt es die damals aus Paris importierten Fiaker in Wien. 180 stehen heute noch einsatzbereit, zeitgleich ausfahren dürfen aber nur 58. Grund dafür sind limitierte Platzkarten für die Standorte Stephansplatz, Heldenplatz, Michaelerplatz, Albertina und Burgtheater, die halbjährlich neu vergeben werden. Jeder der knapp 30 Unternehmer bekommt dabei eine Platzkarte fix zugeteilt. Die restlichen Genehmigungen werden nach einem komplizierten Schlüssel von der Stadt vergeben. "Als Neueinsteiger auf dem Platz akzeptiert zu werden, kann ein langwieriger Prozess sein", erklärt Stadtpsychologin und Studienautorin Cornelia Ehmayer. Überhaupt würde ein Großteil der Kutscher von einem angespannten Verhältnis unter den Fiakern berichten.

Ärger über Kollegen

Vor allem dem Ärger über einige Kollegen, die für Rundfahrten zu viel Geld verlangen oder Runden abkürzen, um schneller wieder am Standplatz zu sein, wurde oftmals Luft gemacht. Denn die Preise für Rundfahrten sind gesetzlich reglementiert: Eine 20-minütige Fahrt kostet 40 Euro, eine 40-minütige Tour 65 Euro und für eine einstündige Kutschenfahrt sind 95 Euro zu bezahlen. "In keiner Branche bist du in so einer Konkurrenzsituation", sei von vielen Interviewpartnern laut Ehmayer immer wieder zu hören gewesen. Im Jahresschnitt verdiene ein Fiaker 700 bis 1000 Euro pro Monat.

Der Kampf um die Fahrgäste beschränkt sich heute hauptsächlich auf Touristen. "Bei uns steigen die klassischen Sisi- und Mozart-Fans ein, die ein Wien um 1900 erleben wollen", sagt Michelfeit. Das Firmungs- und Hochzeitsgeschäft mit den Wienern sei fast verschwunden.