Wien. Das Baudesaster rund um den Wiener Riesenradplatz, der als neues Entrée in den Wurstelprater knapp vor der Fußball-EM 2008 eröffnet wurde, befindet sich in einer heißen juristischen Phase. Fast vier Jahre nach einer Anzeige der Grünen stehen die Ermittlungen nun vor dem Ende - und laut Justizkreisen könnte es schon sehr bald eine Anklage geben: "Die eingeholten Gutachten sprechen eine eindeutige Sprache, womit es völlig unzulässig wäre, hier nicht anzuklagen. Für die Staatsanwaltschaft haben momentan aber andere Themen Vorrang", heißt es gegenüber der "Wiener Zeitung".

Zumindest Letzteres bestätigt Michaela Schnell, Sprecherin der Staatsanwaltschaft-Wien, indirekt: "Der zuständige Staatsanwalt wird die Sache demnächst enderledigen können. Er muss derzeit aber das Verfahren gegen Alfons Mensdorff-Pouilly irgendwie vordringlich bearbeiten." Über einen bevorstehenden Strafantrag in der Praterplatz-Causa will sich Schnell nicht äußern.

Die Anklagebehörde ermittelte gegen die drei Geschäftsführer des pleitegegangenen Riesenradplatz-Generalunternehmers "Explore 5D" wegen des Verdachts des Betrugs und der betrügerischen Krida.

Zuvor hat die Kostenexplosion bei den auch architektonisch fragwürdigen Kulissenbauten für politische Turbulenzen gesorgt: Das Prestigeprojekt von Ex-Vizebürgermeisterin Grete Laska (SPÖ) verschlang statt 32 letztlich 60Millionen Euro - mit ein Grund, weshalb die Politikerin im März 2009 den Hut nahm. Zuvor war der Generalunternehmer "Explore 5D" in die Insolvenz geschlittert; die Gläubigerfirmen wurden mit einer Quote von 40Prozent abgespeist.

Prozesstermin am 5. März

Genau wegen dieses Zwangsausgleichs hat nun die städtische Prater Service GmbH als Auftraggeber des Projekts auch eine millionenschwere Zivilrechtsklage am Hals. Angestrengt hat sie die für die Kulissenbauten zuständige Firma Bruckschwaiger. "Es ist beim Handelsgericht Wien eine Klage in Höhe von rund 1,2 Millionen Euro eingebracht worden", berichtet Bruckschwaiger-Geschäftsführer Thomas Wasshuber. In der Argumentation stützt man sich dabei vorwiegend auf das von der Staatsanwaltschaft eingeholte Wirtschaftsgutachten des Prüfers Thomas Havranek. "Laut diesem Gutachten wäre ein Ausgleich gar nicht notwendig gewesen. Denn fünf bis zehn Millionen Euro sind unerklärlicherweise verschwunden - mit diesem Geld hätte man alle Ansprüche abdecken und das Bauwerk fertigstellen können", moniert Wasshuber.

Er hofft, dass die Staatsanwaltschaft beziehungsweise ein Richter klären wird können, wer sich letztlich auf Kosten der Gläubiger bereichert hat.

Während die Millionenklage vorerst ruht, solange das Strafverfahren nicht beendet ist, wird es an einer Nebenfront bereits demnächst spannend: Am 5. März wird am Handelsgericht eine weitere Zivilrechtsklage der Kulissenbau-Firma gegen die Prater Service GmbH verhandelt. "Da geht es nur um eine nicht bezahlte Rechnung in Höhe von 50.000 Euro. Aber es werden dieselben Personen auftreten wie bei der großen Klage. Daher sind wir gespannt, wie die Gegenseite zu dem Ganzen steht", so Wasshuber. Seine Firma habe jedenfalls nur mit Ach und Krach die entgangenen Einnahmen vom Riesenradplatz-Projekt verkraften und daher überleben können.

"Nichts mit Bau zu tun"

Der Geschäftsführer der Prater Service GmbH, Georg Wurz, wollte sich am Mittwoch nicht äußern. Bisher wehrte er jede Verantwortung ab: "Wir können nachweisen, dass der Ausgleich die einzig mögliche wirtschaftliche Entscheidung war", so Wurz. Aufgrund der einst getroffenen Vertragskonstruktion habe man mit dem Bau nichts zu tun gehabt - so sei die Firma Bruckschwaiger ausschließlich der Vertragspartner von "Explore 5D" gewesen.