Wien. "Letzte Woche haben wir die Osterartikel fürs nächste Jahr bestellt", sagt eine Verkäuferin einer Großhandelskette auf der Mariahilfer Straße, während sie Weihnachtsmänner aus Schokolade in die Regale schlichtet. Es ist Anfang Oktober. "Zumindest ist es jetzt schon etwas kälter draußen", fügt sie hinzu mit einem milden Lächeln.

Windringerl, Festtagsstollen

Seit August stehen die Stapeln mit Lebkuchen und Spekulatius-Keksen im Eingangsbereich der Supermärkte. Fast zeitgleich folgten Windringerl, Festtagsstollen und Vanillekipferln. Auch in den einzelnen Bäckerei-Filialen wird bereits Weihnachtsgebäck angeboten. "Diesmal war es schon sehr zeitig", so der Filialleiter einer Kette im 14. Bezirk. Die Ware wurde vor einer Woche geliefert. Die Nachfrage sei aber hoch. "Die Leute essen das jetzt." Eine andere Verkäuferin erzählt von einer Kundin, die schon so einen Gusto darauf gehabt habe. Sie selbst würde nie jetzt Weihnachtssachen kaufen. Die losen Vanillekipferln hält sie hinten im Lager, nicht auf dem Verkaufspult.

Zeitgleich türmen sich am Dienstag in einzelnen Möbelgeschäften in Wien die Schachteln. Die Weihnachtsdekorationen werden aufgebaut; Kugeln geschlichtet, Tannenbäume geschmückt. Die Verkäufer sind zum Teil nicht sehr glücklich über den frühen christlichen Einzug. "Man muss halt mithalten mit der Konkurrenz", deutet eine Verkäuferin zu einem Geschäft über der Straße. "Die haben auch schon aufgebaut." Die Konkurrenz über der Straße ist aber "diesmal spät dran". Eigentlich müsste schon alles fertig sein, sagt Manuela S. Die Dekorateurin freut sich über die schöne Ware. Sie weiß aber auch, dass sie spätestens zu Weihnachten, so wie alle Mitarbeiter hier, übersättigt ist. "Dann heißt es durchbeißen, für meine Kinder", sagt sie. Die einzige Freude, die sie dann noch hat: jedes Jahr ein neuer Baumschmuck. Damit betrüge sie sich selbst.

Maroni neben Eis

Weihnachtlich wird es dieser Tage in den Geschäften und auch . . . - © Weber
Weihnachtlich wird es dieser Tage in den Geschäften und auch . . . - © Weber

Zwischen den konkurrierenden Weihnachtsauslagen haben die Maroni-Stände längst aufgesperrt. Noch haben sie Ruhe. "Es ist noch zu warm", sagt ein Verkäufer, der seit 17 Jahren seinen Stand hier auf der Mariahilfer Straße betreibt. Verändert habe sich in dieser Zeit nicht viel, außer der Preis. Wann aufgesperrt wird, sei wetterabhängig, meistens zeitgleich mit dem Flohmarkt in der Neubaugasse. Das Eis-Geschäft schräg gegenüber hat auch noch geöffnet. Zugesperrt werde wahrscheinlich Mitte Oktober, heißt es. Wie bei den Maroni-Ständen ist das vom Wetter abhängig.

Die Unternehmen bestimmen selbst, wann sie die ersten Weihnachtsartikel anbieten. "Wir beginnen im Spätsommer mit Lebkuchen und bauen dann langsam auf", sagt Karin Nakhai von Rewe International. "Es gibt Leute, die sich das ganze Jahr über auf Spekulatius freuen", meint sie. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann lässt sich von der Konkurrenz nicht unter Druck setzen. "Wir feiern die Feste, wie sie fallen", sagt sie. Die entsprechenden Artikel gibt es vier bis sechs Wochen vor dem jeweiligen Fest. "Adventkalender haben jetzt noch nichts in den Regalen verloren."

. . . die Maroni-Verkäufer freuen sich auf die Kundschaft. - © Weber
. . . die Maroni-Verkäufer freuen sich auf die Kundschaft. - © Weber

Die Weihnachtsvorbereitungen in den Einrichtungs-Geschäften gehen ruhig voran. Sie werden nicht von Kunden gestört. Nur wenige durchstöbern das neue Sortiment. "Das fängt alles viel zu früh an", meint eine Frau beiläufig. Den Weihnachtskatalog hätte sie dann doch mitgenommen, nur ausgerechnet der wurde noch nicht geliefert. Ob wirklich alles immer früher losgeht? Die letzten 30 Jahre rückblickend könne man sagen, dass das Angebot nach vorne verlegt wurde, meint Roman Seeliger von der Bundessparte Handel. "In den letzten Jahren ist aber alles gleich geblieben."

Für die Verkäuferin in der Großhandelskette, Elisabeth W., ist das eben so, und genörgelt wird sowieso immer: Vor allem die ältere Generation würde sich darüber aufregen, dass es jetzt schon Weihnachtssachen gibt. Sie sei es aber auch, die sie jetzt schon kaufen. Die jüngere Generation kommt am 24. Dezember und regt sich dann darüber auf, dass nicht mehr alles vorhanden ist. Im Großen und Ganzen habe man sich daran gewöhnt. Sie läuft schnell ins Lager, um die nächsten Schachteln zu holen.