Bedenken schnell verflogen


Anfangs gab es einige Vorbehalte seitens der Straßenbahnfahrer, erzählt Barmentlo. Der Betriebsrat befürchtete, dass alte Wagen im schlechten Zustand nach Utrecht geholt würden. Die Bedenken verflogen schnell, als im November 2008 eine Gruppe von drei niederländischen Fahrern einige Testfahrten im Wien absolvieren durften. "Diese Fahrer waren sofort begeistert und haben mit ihrem Enthusiasmus den ganzen Rest angesteckt", erinnert sich Alfons Knebel, der als technischer Berater an diesem Projekt beteiligt war. Durch den Kauf der Straßenbahnen ist ein guter Kontakt mit Wien entstanden. Knebel lobt die Zusammenarbeit: "Nicht nur die Wagen sind nach Utrecht gekommen, sondern auch viel Know-how und Erfahrung. Das ist Gold wert."

Bevor die Straßenbahn in Utrecht voll eingesetzt werden konnte, mussten die Wagen noch umgebaut werden. In Rotterdam wurden die drei Stufen zur Tür verkürzt, in Amsterdam erhielten die Wagen eine frische Lackierung. Darauf kamen dann eine niederländische Beschriftung und wieder das originale Logo der Wiener Linien. Im Dezember 2009 trat die Wiener Straßenbahn in Utrecht ihren Dienst an. "Der überwiegende Teil der Reaktionen der Passagier ist positiv", sagt Barmentlo.

"Etwas spartanisch"


Dass sich einige Fahrgäste darüber ärgern, dass die Sitze in der Bahn aus Holz sind, stört Knebel nicht: "Das Aussehen der Wiener Straßenbahnen ist etwas spartanisch. Einige finden das charmant und auch ein wenig romantisch, andere lehnen das eher ab. Aber das ist wirklich eine Geschmacksfrage." Einige Male wurde Knebel von Passagieren angesprochen, die an der Haltestelle standen. "Die erzählten mir, dass sie extra warten bis eine ,Weense Tram‘ vorbeikommt, weil sie viel lieber mit dieser fahren wollen. Ich denke, das sagt genug."