Finanziert wird der Kunstraum des Vereins auch in erster Linie aus dem Verkauf der Karton-Möbel. "Wir bekommen noch keine Förderung", sagt Büttner. Die gelernte Schauspielerin und Marketing-Erfahrene versucht, auf eigenen Beinen zu stehen. Das sei es auch, was die sozialen Unternehmer ausmacht. Es gebe ja auch immer weniger Förderungen und wenn, dann würden sie meist in die immer gleichen Institutionen fließen. So hilft man sich in der Gemeinschaft. Demnächst soll es so wie mit "Artig" und "Circus Productions" auch eine Kooperation mit dem Coworking-Space Hub Vienna geben. Die Idee der Netzwerk-Organisation gefällt Büttner gut. Hub Vienna im 7. Bezirk bietet Start-Ups flexible Arbeitsplätze an und hilft Menschen mit innovativen Ideen (die "Wiener Zeitung" hat berichtet).

Mit einem monatlichen Social Art Workout will Büttner aktiv Menschen zusammenführen. Experten aus den unterschiedlichsten Branchen und Künstler sollen sich austauschen und in Kleingruppen Aktionen entwickeln, die innerhalb einer Woche auch umgesetzt werden müssen. "Wir wollen nicht nur Ideen austauschen, sondern auch Aktionen setzen", erzählt die Gründerin.

Pier 15 als Gegenpol


Die Suche nach einem Raum für den Verein "Lichtfabrik" und "Papertown" gestaltete sich anfangs mühsam. "Die Mietpreise sind ja horrend." Mehr zufällig sind Büttner und Architekt Blume bei einem Spaziergang zu dem seit fünf Jahren leer stehenden Lokal gekommen. Ihr Raum, der sich "Pier 15" nennt, sollte aber in jedem Fall im 15. Bezirk sein. "Wir haben ein wirklich ehrliches Interesse daran, dem 15. Bezirk ein bisschen ,Licht‘ zu bringen - ohne ihn zu einem ,hippen‘ Bezirk machen zu wollen. Unser Ziel ist, bei all der Kunst eine gewisse "Bodenständigkeit" zu bewahren", so Büttner.

So wie der Kunstort "Ankerbrotfabrik" im 10. Bezirk versteht sich die "Lichtfabrik" als Gegenpol zu dem Vorhandenen. Die Initiatoren wollen die Kunst jedoch nicht den Bewohnern der Arbeiterbezirke aufzwingen, sondern verstehen ihre Projekte vielmehr als Mittel der Integration. "Immer wieder kommen Leute herein und sind neugierig", sagt Büttner. Bewusst habe man den Ort gewählt, der im südlichsten Bereich des 15. Bezirkes eben Sechshaus heißt. "Viele interessiert immer wieder, dass wir uns mit diesem Raum an einen Ort gesetzt haben, der noch vor kurzem voll mit Prostitution war."

Anders als bei der Kunst-Loft-City "Ankerbrotfabrik", die tatsächlich eine Fabrik war und zum Teil noch ist, hat die "Lichtfabrik" jedoch nichts mit einer echten Fabrik zu tun. Der Raum war zuvor ein Büromaschinen-Geschäft. Die alten Schilder wie "Büromaschinen Otto Gastgeb", "Elektronenrechner" oder "Mietmaschinen" an der Außenwand des Hauses blieben jedoch erhalten. Der Vermieter und Hauseigentümer ist Architekt und legte bei der Sanierung großen Wert darauf, dass die Vergangenheit der Räumlichkeiten sichtbar bleibt.

Warum dann der Name "Lichtfabrik"? Die Idee, mit der Kunst etwas Gutes bewirken zu wollen, kam der Schauspielerin in Südamerika. Sie habe dort einige Zeit lang mit Menschen aus den Armenvierteln Theater gespielt. In dem Moment, als sie den Geistesblitz hatte, fiel ihr Blick auf eine dortige Lichtfabrik.

Etwas tun, was Sinn macht und anderen helfen, das ist das Ziel. Demnächst startet der Vereins-Partner "Artig" eine Straßentheater-Tournee in Südamerika. Die Ausstattung liefert "Papertown". Die Designer-Kartons eignen sich gut für das Straßentheater. Man will eben nicht nur schön, sondern auch sozial sein.