"Ich bin ein Marktmann", sagt er und schaut aus dem Fenster auf das Treiben am Naschmarkt, "ein Markt ist wie eine Universität des Lebens." Geboren in Istanbul, ist er aufgewachsen nahe der Süleymaniye Moschee. Jeden Sommer ist er mit einem Bauchladen voller Bonbons durch die Nachbarschaft gezogen und hat "fünf Zuckerl um 25 Groschen" verkauft. Ein Riesengeschäft.

Mit zehn Jahren kam er dann nach Wien, ist seinem Vater, einem gelernten Schneider, gemeinsam mit der Mutter nachgezogen. Nach einer Lehre als Automechaniker arbeitete er später als Schlosser und verkaufte am Wochenende mit seinem Onkel Obst und Gemüse am Hannover Markt, später am Naschmarkt. In den 1980er Jahren hat er dann seinen eigenen Stand, beginnt zu expandieren, verkauft Geschirr und betreibt später ein Lokal, das Naschmarktbräu, in dem Gäste immer wieder versucht haben, ihn unter den Tisch zu trinken. Erfolglos. Der Naschmarkt ist sein Zuhause. Hier hat er sein Handwerk, den Handel, perfektioniert. Hier wurde er auch politisch sozialisiert. Von 2001 bis 2010 saß er für die SPÖ im Bezirksrat seines Heimatbezirks Margareten, nach wie vor engagiert er sich für die Sozialdemokraten.

Seit 2006 kümmert sich sein Verein für die Vergabe der Stände am Christkindlmarkt. Davor hat das die Gemeinde Wien organisiert. Wer den Zuschlag für einen der begehrten Standplätze erhält, entscheidet eine Jury, bestehend aus Vertretern von Wien Tourismus, Wirtschaftsagentur Wien, Stadt Wien Marketing und Keskins Verein. 144 Plätze sind zu vergeben, vier sind für karitative Einrichtungen vorbehalten. Für den Christkindlmarkt hat sich Keskin ein Ziel gesetzt, ihn aus der Ramschecke zu holen. Vor ein paar Jahren hat er Mystery Shopper beauftragt, die Stimmung unter Marktvolk und Publikum zu testen. Das Resultat: Man will weniger Kitsch und mehr Kunsthandwerk. 70 Stände haben seit Keskins Amtszeit den Besitzer gewechselt.

"Augustinverbot war ein Missverständnis"

Vor einem Jahr sorgte ein vermeintliches Verbot der Straßenzeitung "Augustin" auf Adventmärkten für Aufsehen. Keskins Name war immer wieder in den Schlagzeilen. Keskins Anspruch war es gewesen, "falschen" Augustinverkäufern das Herumstreifen am Markt zu verbieten, die wahren Verkäufer sollten sich vorher bei einem Infopoint registrieren lassen und gar eine Hütte bekommen, wo sie die Zeitung anbieten konnten. Die Augustinverkäufer interpretierten die Aktion anders. Ein Missverständnis, meint Keskin.

Bald ist der Trubel um Weihnachten und damit um seine Person vorbei. Das Kuriosum, dass ein muslimischer Wiener mit türkischen Wurzeln dem Dompfarrer Toni Faber beim Anzünden der Weihnachtskerzen am Christkindlmarkt assistiert, wird ad acta gelegt. Zumindest bis zum nächsten Jahr.