Wien. (red/iw) 5150 verkaufte Karten, 50.000 Nelken, 800 Champagner. Dem Opernball stand am Donnerstagabend nichts mehr im Weg. Und mit einer glanzvollen Darbietung der Staatsopernkünstler und der Polonaise des Jungdamen- und Jungherrenkomitees wurde der 57. Wiener Opernball eröffnet. Einen Hauch von Hollywood verbreiteten im Haus am Ring die Schauspielerinnen Hilary Swank, Mira Sorvino und Gina Lollobrigida. Als Spitze des offiziellen Österreichs besuchte Bundespräsident Heinz Fischer den Ball.

Staatsoperndirektor Dominique Meyer verzichtete heuer bewusst auf einen ausländischen Starsänger und überließ die Bühne den Mitgliedern seines Ensembles. Im Mittelpunkt der Eröffnung stand das Ballett der Staatsoper und die beiden Publikumslieblinge Valentina Nafornita und Adam Plachetka.

Nafornita besang in "Quando M'en Vo'" aus La Boheme kokett ihre verführerische Schönheit und dürfte damit wohl die geheimen Wünsche von manchen Besucherinnen hörbar gemacht haben. Plachetka gab "Fin Ch'han Dal Vino" aus der Mozart-Oper Don Giovanni. Gemeinsam sangen die beiden schließlich das Liebeslied "Lippen Schweigen" aus der wohl berühmtesten Operette der Welt, der lustigen Witwe.

Besonders ins Auge stachen die Kostüme des Ballett-Ensembles. Diese fanden schon als Schneeflocken im "Nussknacker" ihren Einsatz, erzählte Annette Beaufays, die scheidende Leiterin der Kostümwerkstätten der Österreichischen Bundestheater. Die Tutus waren mit aufgenähten Borten in schwarz-weiß verziert, der Kragen mit glitzernden Steinen besetzt. Eines der Outfits herzustellen, dauerte "sicher 150 Stunden Handarbeit".

Schriller Designer-Auftritt
Den erwarteten schrillen Auftritt lieferte Modeschöpfer Harald Glööckler. Der exzentrische deutsche Designer fuhr mit unzähligen Glitzersteinen im Gesicht als "Phantom der Oper" mit seiner Entourage in einer von sechs Pferden gezogenen Kutsche vor der Oper vor und stellte damit den Auftritt von Richard Lugner mit seinen Gästen, Mira Sorvino und Gina Lollobrigida, fast in den Schatten.

Viele Oscar-Preisträger
Oscar-Preisträgerin Sorvino erschien an Lugners Seite in einem schulterfreien Kleid des in Wien ansässigen Labels Irina Vitjaz, beige- und goldfarben sowie über und über mit Perlen bestickt: Wie ihre Kollegin hatte sie ein Outfit "very Hollywood" gewählt. Die US-Schauspielerin twitterte noch während der Eröffnung: Wie ein Gemälde aus dem "Vergoldeten Zeitalter" - der Blütezeit der US-Wirtschaft zwischen 1876 bis 1914 - mute das Fest an.

Auch die zweifache Oscar-Gewinnerin Hilary Swank, die das Fest auf Einladung einer Investment-Firma besuchte, hatte einen glänzenden Auftritt auf dem Red Carpet. Die US-Schauspielerin trug ein Transparentkleid in der "Nichtfarbe" Nude, das üppig mit Pailletten bestickt war.

Auch der mit einem Oscar ausgezeichnete Regisseur Stefan Ruzowitzky gab sich mit seiner Frau Birgit die Ehre. Der englische Startenor Paul Potts überraschte mit ausgezeichneten Deutschkenntnissen. "Schlechter als mein Deutsch ist nur mein Tanzen", scherzte er gegenüber der APA.

Neuerungen für Gäste
Die Gäste erwarteten ein paar Neuerungen. In der ehemaligen Parkettgarderobe wurde eine Crystalbar eingerichtet, der Gastronomiebereich auf der Seitenbühne wurde neu gestaltet und ein zusätzliches Garderobenzelt am Vorplatz in der Operngasse eingerichtet. Anstatt der Mitternachtseinlage wurde eine dritte Publikumsquadrille eingeführt.

Für die 7230 Personen in der Oper, wovon allein 250 Sicherheitskräfte waren, gab es Würstel mit Gebäck um zehn Euro. Ein Glas Sekt kostete 11 Euro. Aber, wie immer am Opernball, ging es darum, dabeigewesen zu sein.

Zahlreiche Schaulustige warteten schon gebannt hinter den Absperrungen, um mit Digi-Cams bestückt einen Blick auf das bunte Treiben auf dem Roten Teppich zu erhaschen.