Entwicklungsgebiet "Barcelona 22@" als Hoffnungsträger. - © WKW
Entwicklungsgebiet "Barcelona 22@" als Hoffnungsträger. - © WKW

Barcelona. 16 Prozent der gesamten Bevölkerung Spaniens leben in Barcelona. Gleichzeitig bestreiten die Katalanen aber 25 Prozent des gesamten Exports. "Es ist immer ein spanischer Schatten über uns", so Marc Sans vom Programm für wirtschaftliche Entwicklung der Stadtregierung. Doch auch Barcelona blieb von der Krise nicht verschont.

Die Jugendarbeitslosigkeit ist in den letzten Jahren gestiegen. "80 Prozent der Architekten haben ihren Job verloren", sagt Architekt Mischa Essletzbichler. Er hält sich mit Immobilienvermittlungen und Aufträgen in Österreich über Wasser. Auch für Matthias Schmal-Filius, der seit fünf Jahren in Barcelona lebt, ist die derzeitige Situation nicht einfach. Er gründet gerade ein Unternehmen, welches Familienführungen anbietet. "Tourismus ist das Einzige, das hier noch funktioniert aus wirtschaftlicher Sicht", sagt er.

Die Stadt selbst setzt in diesen schweren Zeiten vor allem auf die Branchen Mobilität, Forschung und Design. Das von der Stadtregierung gegründete Programm "Barcelona Activa" unterstützt lokale Unternehmer auf dem Weg in die Selbständigkeit. Um Jobs in der Stadt zu kreieren, werden seit 1999 "Digital Trainees Services" angeboten. Darüber hinaus zahlen Jungunternehmer die ersten drei Jahre keine Gemeindeabgaben. Um die Unternehmer in der Stadt zu halten, wurde ein eigener Stadtteil zum Bezirk für Innovationen erklärt. "Barcelona 22@" ist ein Viertel, ähnlich der Hafenstadt in Hamburg, wo 4500 Firmen leben und arbeiten. Alte Fabriken wurden umfunktioniert. Die Besitzer mussten ein Drittel ihrer Fabrik an die Stadt abtreten. Auf der Fläche von einem Drittel durfte ein Hochhaus gebaut werden, das zweite Drittel stand der Forschung zur Verfügung und das letzte Drittel wurde zur Grünfläche. Barcelona Activa ist auch Inkubator. "Wir öffnen die Stadt für Apps, für Ideen und testen das", heißt es. Bis 2018 darf sich Barcelona "Mobile World City" nennen. "m-wallet, m-transportations, m-health, m-smart city" sind die Ziele. "Wir müssen dran bleiben, sonst ist das Kapital in Shanghai", so Sans. "Für 2018 haben wir den Wunsch, so stark zu sein, dass der Mobile World Congress bei uns bleibt."

Wien ist keine "Mobile World City", auch die Olympischen Spiele finden nicht statt. Ähnlich Barcelona Activa ist die Wiener Wirtschaftsagentur, die Unternehmer fördert. In beiden Städten vorangetrieben, wird aber "Open data". Die Stadt öffnet ihre Daten. Damit können Apps entwickelt werden. Der digitale Wettlauf hat längst begonnen. Zumindest Barcelona macht sich dafür schon mal fit.