"Wiener Zeitung: Universitätslektor, "Science Buster", Volkshochschulvortragender, Fragen-Beantworter auf Ihrer Homepage und jetzt auch noch Leiter des Wiener Planetariums, der Kuffner- und der Urania-Sternwarte - das klingt nach: "Er war jung und brauchte das Geld . . ."

Mit der "Enterprise" begann Werner Grubers erfolgreiche Volkshochschulkarriere. - © Foto: Hetzmannseder
Mit der "Enterprise" begann Werner Grubers erfolgreiche Volkshochschulkarriere. - © Foto: Hetzmannseder

Werner Gruber: Kolumnist und Schmähführer haben Sie vergessen. Es macht mir einfach alles viel Spaß. Und es gibt viele Dinge, wo das eine das andere ergibt. Und Geldverdienen ist ja auch keine Schande. Wobei ich glaube, dass meine Tarife, etwa bei Firmenvorträgen, nicht übertrieben sind. Ich habe jetzt hier im Planetarium schon einige Vorträge gehalten und einiges an Geld erwirtschaftet. Mein Gehalt ist also ausfinanziert (lacht).

Aber es ist schon sehr stressig?

Stress habe ich derzeit überhaupt keinen. Den habe ich nur, wenn ich nicht weiß, was ich tun muss. Aber die Mitarbeiter hier wissen genau, was zu tun ist. Und ich wurde sehr gut aufgenommen im Team. Es ist natürlich viel Arbeit, aber eine tolle Aufgabe.

Es heißt, Sie seien voriges Jahr zum ersten Mal nach 16 Jahren wieder auf Urlaub gefahren . . .

Das stimmt. Ohne E-Mail, ohne Handy, ohne Physik-Gespräche. Aber ich warte jetzt nicht noch einmal 16 Jahre. Der nächste Urlaub ist für September geplant. Ich muss aber sagen: Erholung ist relativ. Ich kann mich auch erholen, wenn ich für mich allein einen halben Tag im Kaffeehaus oder an der Alten Donau sitze. Wichtig ist, dass man abschaltet und mit sich selbst im Reinen ist.

Was haben Sie als neuer Chef als erstes im Planetarium verändert?

Das Einzige bis jetzt war, dass ich die vielen Zettel von den Eingangstüren und einen Apparat am Eingang entfernt habe, bei dem man sich irgendwelche Glückssteine ziehen konnte. Ansonsten habe ich noch nicht viel geändert. Ich will aber mehr Vortragende ins Haus bringen. Es gibt auch Dinge, die ich gern hätte, wo aber die Mitarbeiter sagen: Ja, wir auch, aber . . . - und dann gibt es zehn Gründe dagegen.

Warum sollte ein Wiener das Planetarium besuchen?

Wiener oder nicht: Jeder sollte wissen, wo und warum die Sterne stehen, und vor allem, dass wir, wenn wir den Sternenhimmel betrachten, in die Vergangenheit schauen und nicht in die Zukunft.

Laut Mondkalender sollte ich mir heute nicht die Haare schneiden, dafür die Nägel pflegen, Wäsche waschen und Blumen gießen . . .

Zahlreiche Untersuchungen haben gezeigt, dass der Mond gar keinen Einfluss auf Holzwachstum und Ähnliches hat. Das ist auch ein irrsinniges Geschäft, bei dem mit Ängsten gespielt wird, grauslich. Es gab Fälle, wo Patienten eine Operation verweigert haben, weil der Mondkalender davor gewarnt hat - und gestorben sind.

Sie sind ja generell kein Fan von Astrologie, Homöopathie oder Wundermitteln wie Himalaya-Salz . . .

Ich finde Dinge, die nicht funktionieren, aber Menschen um ihr Geld bringen, nicht in Ordnung. Aber ich liebe Dinge, die funktionieren: Handys, Lokalanästhesie beim Zahnarzt, Flugzeuge, Züge, Backrohr, Mikrowelle. Ich bin froh, dass ich in dieser Zeit lebe. Ich bedaure fast, dass ich nicht in 100 Jahren lebe. Zur Homöopathie: Deren Erfinder Samuel Hahnemann hat ganz klar gesagt: Entweder ihr geht zu mir oder zu den klassischen Ärzten. Machen wir das doch so! Die Frage löst sich dann evolutionär. Nach zwei Generationen gibt es keine Homöopathie mehr. Aber das traut sich wieder keiner. Und allen, die unsere moderne Welt kritisieren, sage ich: So lässig war es früher nicht. Wollen Sie eine Zahnbehandlung, wie sie um 1850 üblich war? Ich komm gerne mit einer Kombizange vorbei . . .

Zurück zum Planetarium: Woran orientieren Sie sich jetzt in Ihrer Arbeit, nachdem man ja das Planetensystem schon sehr gut kennt?

In der Fachwelt ändert sich sehr viel, da müssen auch wir reagieren. Erst seit ein, zwei Jahrzehnten weiß man, dass es auch außerhalb unseres Sonnensystems Planeten gibt, das hat echt viel verändert. Wir haben auch Forschung, allerdings weniger astronomisch, mehr pädagogisch: Wie vermittelt man Wissen?

Was hat Sie selbst zur Physik und zur Astronomie gebracht?

Das erste Buch, das ich gelesen habe, war "Die kleine Hexe", das zweite "Der kleine Schneemann" und das dritte "Raumfahrttechnik heute und morgen". Es war also bald klar, dass ich Physik studiere. Ich bin gelernter Experimentalphysiker, und ich war gut darin, bin dann aber zur Neurophysik gekommen. Damit kann man leider in Österreich kein Geld verdienen, nicht einmal gescheit davon leben. Für den Lehrauftrag an der Uni habe ich gerade einmal 500 Euro bekommen. Damals ist aber das Projekt "University Meets Public" entstanden: Uni-Vortragende gehen an die Volkshochschulen. Der erste Auftrag war damals "Die Physik von Raumschiff Enterprise". Das war gleich ein unheimlicher Erfolg. Da habe ich gesehen: Da kann man nicht nur Geld verdienen, sondern auch, wenn man das Publikum respektiert, ganz toll Physik näherbringen.

Wer ist als Publikum angenehmer: Kinder oder Erwachsene?

Kinder, weil sie den Vorteil haben, dass sie wissen, was sie wissen und was nicht. Problematisch sind Erwachsene, die etwas glauben. Wenn man etwas glaubt, hinterfragt man es nicht. Ich kann es zwar widerlegen, aber ich kann mir leider selbst nicht alles vorstellen, was sie glauben könnten.