Wer im Oktober am meisten bietet, dem gehört dieses Gründerzeithaus. - © Otto & Brichard GsbR
Wer im Oktober am meisten bietet, dem gehört dieses Gründerzeithaus. - © Otto & Brichard GsbR

Wien. Starke Nerven und das nötige Kleingeld wird man in Zukunft beim Kauf eines Zinshauses brauchen, sofern man dieses im Rahmen der Wiener Zinshaus-Auktion erwirbt. Die potenziellen Käufer werden erstmals bei den zweimal im Jahr stattfindenden Auktionen "face to face" mit anderen Mitbietern konkurrieren können, sagt Oliver Brichard, einer der Initiatoren. "Jeder, der schon bei einer Versteigerung dabei war, weiß: Das ist pure Emotion." Schließlich geht es bei jeder Auktion um Millionenbeträge.

Anders als bei Zwangsversteigerungen, die durch das Gericht erfolgen, handelt es sich bei der Wiener Zinshaus-Auktion um eine freiwillige Versteigerung, die durch einen anwesenden Notar begleitet wird. Für Brichard und dem zweiten Initiator Eugen Otto steht fest, dass durch die Auktion sowohl für Käufer als auch Verkäufer eine "Win-win-Situation" entsteht. Unabhängige Gutachten eines beeideten Gerichtssachverständigen sollen dem Käufer Sicherheit geben und die nötigen Einblicke in das zum Verkauf stehende Haus ermöglichen. Zudem hat der Käufer drei Monate lang Zeit, sich mit allen Unterlagen vertraut zu machen. Am Auktionstag geht es dann um alles oder nichts: "Der Käufer weiß, wenn er das beste Angebot abgibt, bekommt er den Zuschlag", so Otto.

30 Prozent mehr Geld ohne Verkaufsverhandlungen


Der Verkäufer kann einen Mindestpreis festlegen und erspart sich langwierige Verkaufsverhandlungen, so die Initiatoren. Weiters zeigen bisherige Erfahrungen, dass Verkäufer bei ähnlichen Auktionen bis zu mehr als 30 Prozent über dem Verkehrswert erzielen können.

Dass die Preismaximierung beim Verkauf eines Zinshauses aber nicht immer an oberster Stelle steht, weiß Martin Prunbauer, Präsident des Österreichischen Haus- und Grundbesitzerbundes. Vor allem Personen, die wenige Häuser besitzen, wollen oftmals wissen, wer das Haus danach übernimmt. Viele von ihnen haben jahrzehntelang mit den Mietern im selben Haus gewohnt. "Die wollen sich nach dem Verkauf noch mit ruhigem Gewissen in den Spiegel schauen können", sagt Prunbauer. Es komme dann gar nicht so sehr darauf an, welcher Bieter am meisten zahlt. Vielmehr sei es wichtig, wem der Verkäufer zutraut, das Haus gut weiterzuführen und die Mieter gut zu behandeln. "Nach meinem Gefühl werden sich diese Personen eher nicht auf so eine Versteigerung einlassen, sondern weiter mit Einzelnen verhandeln", sagt der Präsident. Auch weil viele gar nicht wollen, dass sich ein Hausverkauf herumspricht. Deswegen finden sich in Immobilienanzeigen auch kaum Häuser, die zum Verkauf angeboten werden.

Der Zinshaus-Auktion stehe er neutral gegenüber. Auswirkungen auf den Immobilienmarkt seien nicht zu erwarten. Das Projekt sieht er nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu den bisherigen Verkaufsverfahren.

Hohe Nachfrage nach Zinshäusern


Obwohl Prunbauer nicht ausschließt, dass es genug Menschen gibt, die sich für die Auktion interessieren werden, sei es derzeit auch nicht schwer, alleine oder mit einem Makler ein Zinshaus zu verkaufen. Schließlich gebe es nicht viele am Markt. Ob man im Direktgespräch oder in der Versteigerung mehr Geld bekommen werde, steht für ihn noch nicht fest. Das werde sich erst in der Praxis zeigen, sagt er.

Die gesetzliche Grundlage für freiwillige Versteigerungen stammt im Übrigen aus dem Feilbietungsrechtsänderungsgesetz, das im Jahr 2009 in Kraft getreten ist. Seither ist es auch für Immobilientreuhänder möglich, durch einen anwesenden Notar, Liegenschaften zu versteigern.

Die Zinshaus-Auktion wird erstmals am 17. Oktober im Radisson Blu Hotel am Parkring und danach zweimal jährlich stattfinden. Beim ersten Mal werden ein 1994 errichtetes Eckzinshaus in der Belvederegasse (Wieden) sowie ein Gründerzeitzinshaus aus dem Jahr 1873 in der Reisnerstraße (Landstraße) verkauft.

"Schaulustige" möchte man bei den Auktionen nicht dabei haben, sagt Eugen Otto. Dafür sollen auch die Mindestpreise sorgen. "Wir wollen mit ernsthaften Bietern sprechen, denn Ladenhüter wird es keine geben."