Wien. Das Wiener Deserteursdenkmal wird als dunkelblaue Treppenskulptur in liegender X-Form realisiert. Auf einen dementsprechenden Entwurf des 1962 in Deutschland geborenen Künstlers Olaf Nicolai hat sich die Wettbewerbsjury am späten Donnerstagabend geeinigt. In die Oberfläche des Mahnmals, das an die Verfolgten der NS-Militärjustiz erinnern soll, wird zudem eine Inschrift eingelassen, teilte das Büro von Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) am Freitagvormittag mit.

Die Details will man am Freitag in einer Pressekonferenz mit dem Juryvorsitzenden Martin Kohlbauer und Martina Taig, Geschäftsführerin der für die Abwicklung des Projekts zuständigen städtischen Einrichtung KÖR (Kunst im öffentlichen Raum), präsentieren.

Ein dreistufig abgetrepptes "X" am Ballhausplatz

Was bereits bekannt ist: Die begehbare Skulptur wird als dreistufig abgetrepptes "X" am Ballhausplatz realisiert. Das Denkmal soll knapp zehn Meter lang, 8,8 Meter breit und 1,65 Meter hoch werden. In der Oberfläche soll eine Inschrift eingelassen werden, die lediglich aus den Worten "all" und "alone" besteht.

Nicolai selbst sieht das "X" laut eigener Projektbeschreibung einerseits als "Zeichen der Anonymisierung, der der Einzelne unterworfen ist und die ihn zum Zeichen in einer Liste, zum X in einer Akte werden lässt", andererseits auch als "ein Statement selbstbewusster Setzung - man denke an die Namenswahl Malcolm X".

Den Ausschreibungsunterlagen zufolge steht für die Umsetzung des von der rot-grünen Stadtregierung initiierten Mahnmals ein Maximalbudget von 150.000 Euro netto zur Verfügung. Die Umsetzung soll - so wurde zumindest bisher betont - im Jahr 2014 finalisiert werden.

"Signalwirkung über Österreich hinaus"
Das Wiener Deserteursdenkmal in Form einer dunkelblauen, x-förmigen Treppenskulptur, das in den nächsten Monaten am innerstädtischen Ballhausplatz realisiert wird, werde Signalwirkung über Wien und Österreich hinaus haben, zeigte sich Architekt Martin Kohlbauer, Vorsitzender der Wettbewerbsjury, am Freitag bei der Präsentation des Siegerprojektes überzeugt. Für Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny (SPÖ) stellt Olaf Nicolais Entwurf die Zivilcourage in den Mittelpunkt.

Das x-förmige Mahnmal, das mittels der Inschrift "all alone" in Schreibmaschinentypografie an der Oberfläche ein Poem des schottischen Lyrikers Ian Hamilton Finlay zitiert, verweise einerseits auf persönliche Schicksale, zeige aber andererseits auch die grundsätzliche Dichotomie zwischen Individuum und Politik bzw. Gesellschaft. "Der Entwurf ist in mehrerer Hinsicht spektakulär und würdig", freute sich der Ressortchef in der Pressekonferenz.