Wien. Ein kleiner Schnitt für den Mann, ein großer Schritt für die Religion: die Beschneidung im Judentum. Dabei wird einem männlichen Säugling am achten Tag nach der Geburt die Vorhaut des Penis entfernt. Durch die Beschneidung, die Brit Mila, wird laut Tora (Buch Genesis) der Bund mit Gott geschaffen. Selbst säkular lebende Juden lassen ihre Söhne hierzulande meist beschneiden.

Wer das Messer anlegen darf, ist klar geregelt. In Israel können sich Mohalim, also sogenannte Beschneider, beim Oberrabbinat registrieren lassen. In England gibt es seit 1745 die Initiation Society. In Österreich können qualifizierte Beschneider um Mitgliedschaft im Bundesverband der Mohalim in Österreich ansuchen. Nun wurde auch auf europäischer Ebene eine Vertretung geschaffen: die neu gegründete Union der Mohalim in Europa (Union of Mohalim in Europe, UME). Die Organisation hat ihren Sitz in Wien.

Zum Präsidenten gewählt wurde der Wiener Gemeinderabbiner Schlomo Hofmeister. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" umreißt er die Aufgaben der neuen Organisation: Sie soll dafür Sorge tragen, dass die jeweiligen nationalen Bestimmungen zur religiösen Beschneidung eingehalten werden. Dabei handelt es sich vor allem um medizinische Standards. Gleichzeitig will man hier eine Vertretung auf europäischer Ebene schaffen.

Als Reaktion auf die Beschneidungsdebatte, die im vergangenen Jahr in Deutschland heftig geführt wurde, sei die Gründung der UME nicht zu verstehen, betont der Rabbiner. "Wir wollen vielmehr an eine Tradition anschließen, die es eben zum Beispiel in England schon seit über 250 Jahren gibt und die sich bewährt hat."

Wer beschneidet, tut das ehrenamtlich

Mohalim aus sieben europäischen Ländern haben inzwischen bereits Interesse an einer Mitgliedschaft bekundet. Voraussetzungen für eine Mitgliedschaft ist eine Zertifizierung als Mohel, wie sie etwa in den USA, Israel, England oder Frankreich angeboten wird - überall dort also, wo die Gemeinden groß genug sind, dass es genügend Beschneidungszeremonien zur Schulung und Ausbildung von Mohalim gibt. Voraussetzung ist aber auch, dass man nicht nur die religiöse Seite kennt, sondern auch im medizinischen Bereich entsprechende Trainings oder Fortbildungen nachweisen kann.

Von Mohalim wird zudem erwartet, dass sie religiös leben - sich also im Alltag ebenfalls an die Vorgaben der Halacha, also des jüdischen Religionsgesetzes, halten. Das bedeutet auch, dass eine durchgeführte Beschneidung als Mitzwa gilt, also als gute Tat. Für diese darf daher kein Geld genommen werden. Das wurde auch in den Statuten der Union verankert. Wer Beschneidungen durchführt, tut dies ehrenamtlich - lediglich Reisespesen dürfen vergütet werden.

In den Statuten wird zudem festgehalten, welche Instrumente bei einer religiösen Beschneidung verwendet werden dürfen (Knopfsonde - Mafrid, Schild - Mogen sowie Beschneidungsmesser - Ismil). Andere Instrumente wie zum Beispiel verschiedene Klemmen sind dagegen verboten. Genaue Vorgaben gibt es zur Sterilisierung der Instrumente. Vorgesehen ist auch eine Aufklärung der Eltern vor dem Eingriff. Sie müssen Bescheid wissen, wie sie sich bei Nachblutungen verhalten sollen (sofortiges Informieren des Mohels), aber auch, wie die Wunde in der Woche nach der Brit Mila zu versorgen ist. Auch Nachkontrollen sind in dem Statut verbindlich vorgesehen.

So will die UME vor allem zu einer Qualitätssicherung beitragen - und vorsorgen, dass es zu keinen Komplikationen bei Beschneidungen kommt. Die UME sieht sich aber auch als Vermittlerin: "Nicht in allen Ländern Europas gibt es Mohalim", erzählt Hofmeister. Hier können sich werdende Eltern künftig erkundigen, welche reisenden Beschneider zur Verfügung stehen. Sollte es medizinische Sonderfälle geben, kann die UME zudem Ärzte vermitteln, die auch als Mohalim ausgebildet sind. Beispiel für einen solchen Sonderfall ist zum Beispiel eine Hipospadie, eine Entwicklungsstörung der Harnröhre, die oft mit einer Deformierung des Penis einhergeht.

Für die Mohalim bietet die UME wiederum das Service, Auskunft über die rechtliche Situation in Bezug auf religiöse Beschneidungen in den einzelnen europäischen Staaten zu geben. In Österreich hat das Justizministerium im vergangenen Jahr klar gestellt, dass Brit Milot bei der derzeitigen Rechtslage kein Problem darstellen.